Fußball

Fans boykottieren Montagsspiel Dortmunds "Gelbe Wand" zeigt graue Flecken

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Ein Grund mehr Montage nicht zu mögen - in Dortmund bleiben ein Drittel der Fans zu Hause statt ins Stadion zu gehen.

imago/Horstmüller

Der BVB quält sich vor der Minuskulisse von 54.300 Zuschauern zu einem 1:1 gegen Augsburg. Die Stimmung ist mies, die Diskussionen um die ungeliebten Montagsspiele werden der Fußball-Bundesliga erhalten bleiben.

Alfred Finnbogason kommt zwar nicht aus Deutschland und ist mit Ende 20 auch noch längst kein Weiser, aber mit den Befindlichkeiten der Fußballliebhaber hierzulande ist der junge Mann aus Island dennoch bestens vertraut: "In der Bundesliga wird am Samstag und Sonntag gespielt. Das ist die Tradition, und es wäre gut, wenn es so gehalten würde." Mehr als 90 Prozent aller Fans - das hat eine vom "Kicker" in Auftrag gegebene Untersuchung ergeben - stimmen Augsburgs derzeit verletztem Stürmer da vorbehaltlos zu.

Der Rechtfertigungsdruck ist riesig, seit die Deutsche Fußball-Liga (DFL) verkündet hat, in dieser Saison fünf der umstrittenen Montagstermine in seinen Spielplan aufzunehmen. Bei der Premiere vor einer Woche wurde die Partie Frankfurt gegen Leipzig durch Trillerpfeifen und fliegende Tennisbälle gestört, gestern ging der Protest weiter. 350 Fanklubs von Borussia Dortmund beschlossen, nicht zur Partie gegen den FC Augsburg zu erscheinen und ihre Karten verfallen zu lassen. Insgesamt 27.000 Besucher und damit ein Drittel aller Zuschauer, die sonst die Heimspiele des BVB besuchen, blieben fern. Ein echtes Statement.

Es war eine geradezu gespenstische Atmosphäre: Dort, wo sonst das pralle Leben tobt, wenn das Flutlicht angeht, herrschte eine Melange aus gespanntem Schweigen und verhaltenem Gemurmel. Keine lauten Gesänge, kein schwarz-gelber Ausnahmezustand, für den die Südtribüne weit über die Landesgrenzen hinaus Berühmtheit erlangt hat. Die als "Gelbe Wand" glorifizierte größte Stehplatztribüne der Welt zeigte viele graue Flecken. Auch sonst gab es ungewohnte Lücken im größten Stadion der Republik. Lediglich 54.300 Zuschauer verfolgten das 1:1 (1:0) gegen den FC Augsburg. Das ist Dortmunder Minusrekord seit vielen Jahren, selbst als die Südtribüne nach den hässlichen Übergriffen auf Leipziger Anhänger komplett gesperrt wurde, kamen beim Spiel gegen Wolfsburg noch 56.000 Interessenten ins Stadion.

Schwache Vorstellung vor ungewohnter Kulisse

Vor dem Anpfiff ging es vor allem um die Fanproteste, die fußballerischen Darbietungen zweier Erstligisten verkamen zur Randnotiz. Dabei gab es beim 1:1 (1:0) nach Toren von Marco Reus für den BVB und Kevin Danso für Augsburg auch zur erneut dürftigen Vorstellung der Gastgeber einiges zu sagen. Nationalspieler Mario Götze wollte die stimmungsarme Kulisse nicht als Vorwand für die in der zweiten Halbzeit erbärmliche Vorstellung heranziehen. "Natürlich sind wir verwöhnt, wir spielen ja immer vor vollen Rängen. Aber wir müssen bei uns selbst anfangen."

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Fast 27.000 Zuschauer verzichteten auf die Montagspartie des BVB gegen den FC Augsburg.

(Foto: imago/Revierfoto)

Das sah sein Trainer Peter Stöger genauso: "Es wäre viel zu einfach, sich damit rauszureden, dass man nur vor 81.000 Zuschauern gut Fußball spielen kann." Der Wiener bemängelte, "wir schieben die Kugel nur noch hin und her und verwalten unseren Vorsprung. Da leidest du draußen mit, weil es nicht das ist, was du dir an Temperament und Willen vorstellst." Während der BVB auf ganzer Linie enttäuschte und es versäumte, Tabellenplatz zwei hinter den weit enteilten Bayern zu zementieren, werden die so emotional geführten Debatten um die Montagsspiele weitergehen.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat inzwischen Einsicht signalisiert und angekündigt, das knifflige Thema bei der kommenden Vergabe der Fernsehrechte erneut auf die Agenda zu heben. Der "Reviersport" zitierte Watzke: "Ohne Montagsspiele werden wir vielleicht ein, zwei Millionen Euro weniger einnehmen. Aber eine größere Einheit mit den Fans ist uns mehr wert." Das klingt reichlich populistisch, schließlich stimmten alle Erst- und Zweitligisten - und damit auch Borussia Dortmund - zu, als es darum ging, einzelne Spieltage in den Wochenanfang hinein auszudehnen.

DFL widerspricht Kommerzialisierung

Zudem scheinen die Dinge auch in der internen Kommunikation im Argen zu liegen. Die DFL widerspricht nämlich der von Watzke vertretenen Ansicht, bei der Einführung der Montagsspiele handele es sich um eine rein kommerzielle Maßnahme. Stattdessen führen die Vertreter der Liga als Motive für die Novelle an, den in der Europa League geforderten Klubs mehr Zeit zur Regeneration zu verschaffen. Zudem gehe es um eine Stärkung des traditionell am Sonntag stattfindenden Amateurfußballs.

Zumindest für das erste Argument kann sich Stöger durchaus erwärmen: "Der Wunsch vieler Deutscher ist es, dass wir euro-league-mäßig gut unterwegs sind", sagt der Österreicher: "Und da schadet ein Tag mehr Regeneration nicht." So weit die Theorie. Die Realität in Dortmund sah an einem klirrend kalten Februarabend anders aus. Der BVB hinterließ in der zweiten Halbzeit einen solch erschreckend harmlosen und uninspirierten Eindruck, dass er den Sieg nicht verdient hatte. "In allen Bereichen viel zu wenig", monierte Julian Weigel, "das war definitiv nicht der BVB." Das kann man auch anders sehen: De facto war es genau der BVB, der schon in den vergangenen Wochen schwach agierte, jedoch seine Defizite mit ebenso glücklichen wie positiven Resultaten kosmetisch aufwerten konnte. Borussia Dortmund im Winter 2018 - das ist mehr Schein als Sein.

Quelle: n-tv.de

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