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Richter schlägt Vergleich vor Drei Millionen Euro für Ex-Fußballer Klasnic?

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"Wie lange sie halten wird, steht in den Sternen": Ivan Klasnic.

(Foto: imago/Nordphoto)

Seit zehn Jahren kämpft der nierenkranke frühere Fußballprofi Ivan Klasnic um Gerechtigkeit und Geld. Trägt der frühere Vereinsarzt des SV Werder Bremen eine Mitschuld? Das soll in zweiter Runde vor Gericht geklärt werden. Der Vorsitzende schlägt einen Vergleich vor.

Im Berufungsverfahren um Behandlungsfehler bei der Nierenerkrankung des ehemaligen Fußballprofis Ivan Klasnic schlägt das Oberlandesgericht in Bremen einen Vergleich vor. "Wir halten es für dringend geboten, darüber nachzudenken, ob man sich verständigt", sagte der Vorsitzende Richter am Ende des ersten Prozesstages. Er riet, über drei Millionen Euro für Klasnic nachzudenken. Eine Idee sei, die Summe unter drei Beklagten aufzuteilen.

Klasnic hat unter anderem den früheren Vereinsarzt des SV Werder Bremen verklagt. In erster Instanz hatte er vor dem Landgericht Bremen geltend gemacht, dass Ärzte und Einrichtungen seine Nierenerkrankung nicht erkannt und nicht richtig behandelt hätten. Im März 2017 sprach das Gericht Klasnic ein Schmerzensgeld von 100.000 Euro zu. Außerdem sollten die Ärzte und Einrichtungen für Klasnics Behandlungskosten und den Verdienstausfall aufkommen. Die Beklagten legten dagegen Berufung ein, deshalb wird neu verhandelt.

Am ersten Verhandlungstag des Berufungsprozesses berichtete der 38 Jahre alte Klasnic von seiner täglichen Medikamenten-Einnahme und der Schwierigkeit, ein weiteres passendes Spenderorgan zu bekommen, falls seine aktuelle Niere versage. "Wie lange sie halten wird, steht in den Sternen." Der langjährige Bundesligaprofi hatte im vergangenen Jahr seine dritte Nierentransplantation. Der beklagte frühere Vereinsarzt betonte, ihm gehe Klasnics Schicksal auch als Mensch sehr nahe. Eine Verantwortung dafür wies er aber zurück.

"Man erwartet nicht, dass jemand krank ist"

Es habe 2002 und 2003 zwar auffällige Laborwerte gegeben, aus diesen habe er aber nicht erkennen können, dass Klasnic eine Nierenerkrankung haben könnte. "Die Internisten haben mir diesen Hinweis nicht gegeben." Ein vor Gericht befragter medizinischer Sachverständiger sprach mit Blick auf das Untersuchungsergebnis eines Internisten, der von dem Vereinsarzt nach auffälligen Laborwerten hinzugezogen wurde, von einer Fehldiagnose. Schon damals habe Klasnic eine Nierenschädigung gehabt. Dem Ex-Vereinsarzt sei aus seiner Sicht aber kein Vorwurf zu machen. "Der Internist ist für den internistischen Befund zuständig."

Die beklagte Internistin sagte, sie habe nie mit einer solchen Erkrankung gerechnet. "Die Spieler sind in der Regel gesund. Man erwartet nicht, dass jemand krank ist." Bei Klasnic war 2002 bei einer sportzärtlichen Untersuchung eine Nierenschwäche diagnostiziert worden, eine besondere Behandlung gab es nicht. Im November 2005 wurden bei ihm während einer OP schlechte Nierenwerte festgestellt.

Etwa ein Jahr später waren Klasnics Nieren kaputt und eine Transplantation unausweichlich. Sollte es nicht zu einem Vergleich kommen, ist mit einer jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzung zu rechnen. Der Fall könnte vor dem Bundesgerichtshof landen. Für den 18. Oktober hat das Gericht einen Verkündigungstermin angesetzt. Es wird erwartet, dass die Kammer fordert, ein neues Gutachten zu erstellen.

Quelle: n-tv.de, sgi/dpa

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