Fußball

"Das ist denen alles scheißegal" Dresden schimpft unter Tränen über die DFL

1bbed260bb9908452e4f39115de52a7c.jpg

Nach dem Platzverweis gegen Jannik Müller spielte Dresden mehr als 50 Minuten in Unterzahl.

(Foto: dpa)

Rechnerisch ist der Klassenerhalt noch möglich, praktisch aber kann Dynamo Dresden den Abstieg fast unmöglich abwenden. Der Fußball-Zweitligist vergibt bei Holstein Kiel in Unterzahl die Chance, doch noch einmal Hoffnung zu schöpfen. Kiel dagegen räumt die letzten Zweifel aus.

Tränen, Wut und kaum noch eine Chance auf den Klassenerhalt: Für Dynamo Dresden gehen die Lichter in der 2. Fußball-Bundesliga wohl bald aus, das Team scheint am Ende seiner Kräfte. Der Tabellenletzte verlor auch bei Holstein Kiel mit 0:2 (0:1), die Störche haben den Klassenerhalt damit sicher. Der Rückstand auf Relegationsrang 16 und den Karlsruher SC beträgt bei noch zwei ausstehenden Spielen fünf Punkte, zudem weist der KSC das deutlich bessere Torverhältnis auf.

Nach dem Spiel entlud sich der Frust über mittlerweile sieben Partien binnen 19 Tagen bei Dynamo-Profi Chris Löwe. "Wir reißen uns alle drei Tage den Arsch auf und baden das aus", schimpfte er bei Sky über den für Dresden nach dem Restart besonders engen Spielplan. Mit Blick auf die Deutsche Fußball Liga (DFL) und Geschäftsführer Christian Seifert fügte er unter Tränen an: "Glauben Sie ehrlich, dass einer von denen in der DFL sich eine einzige Sekunde Gedanken macht, was bei uns in den Köpfen vorgeht? Das ist denen alles scheißegal. Wir sind am Ende die, die den Preis bezahlen für den ganzen Scheiß. Diese Leute sitzen in ihren 5000 Euro teuren Bürostühlen und entscheiden über unsere Köpfe hinweg."

Dynamo hatte den Kampf gegen den Abstieg nach der Corona-Pause unter extrem schweren Bedingungen aufgenommen: Wegen positiver Fälle und einer Mannschafts-Quarantäne vor dem Restart muss Dresden seine Spiele in besonders kurzer Folge bestreiten. In sieben Partien verlor das Team bei nur einem Sieg fünfmal. Trainer Markus Kauczinski warb anschließend um Verständnis für Löwe. "Wir sind durchgespielt und durchgenudelt. Dass mit den Jungs dann die Emotionen durchgehen, ist nicht ungewöhnlich", sagte der 50-Jährige. Auch er selbst habe beim Blick auf den Spielplan "keine Idee, wie das gehen soll. Man sieht, dass wir nicht mehr können."

Selbst zwei Siege aus den verbleibenden Spielen beim SV Sandhausen und gegen den VfL Osnabrück könnten nun zu wenig sein für Dresden. In Kiel brachte Emmanuel Iyoha (45.+1) die Gastgeber beinahe mit dem Pausenpfiff in Führung. Kurz zuvor hatte Dresdens Jannik Müller wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot gesehen (39.) und schwächte die ohnehin gebeutelte Mannschaft weiter. Lion Lauberbach (80.) sorgte in der Schlussphase für die Entscheidung. Mittelfeldspieler Ondrej Petrak holte sich seine fünfte Gelbe Karte ab und fehlt wie Müller damit am Sonntag (15.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) beim SV Sandhausen. Gewinnt Dynamo dort nicht, steht der dritte Abstieg aus der 2. Bundesliga nach 2006 und 2014 auch rechnerisch fest.

Quelle: ntv.de, tsi/sid