Fußball

WM-Countdown (69) Ein Denkmal für Russlands Fußball-Vater

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Fans von Zenit St. Petersburg ehren "G.A. Djuperron - den Vater des russischen Fußballs".

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Russlands Fußballtradition geht zurück auf ein Spiel im Herbst 1897. Damals spielte ein Mann mit, der den Sport auch als Journalist, Schiedsrichter und Funktionär voranbrachte: Georges Duperron. Nun soll er ein Denkmal bekommen.

Meine Russischlehrerin findet, ich sollte mal über Georges Duperron schreiben. Wobei er für sie nicht Georges Duperron ist, sondern Georgij Aleksandrowitsch Djuperron. Französischer Abstammung, geboren in St. Petersburg, dort auf eine deutsche Schule gegangen - man merkt schon, wir befinden uns im 19. Jahrhundert, als die damalige russische Hauptstadt international und weltoffen war, mit einer besonders engen Beziehung zu Frankreich.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Was Georges Duperron/Georgij Djuperron in einer Fußball-Kolumne zu suchen hat? Nun ja, der Mann gehörte damals zu einer Petersburger Gruppe namens "Kreis der Liebhaber des Sports", nicht zu verwechseln mit dem "Kreis der Sportler von St. Petersburg". (Hallo, Volksfront von Judäa! Hallo, judäische Volksfront!) Es waren diese beiden Gruppen, die sich im Oktober 1897 auf der Petersburger Wassiljewski-Insel verabredeten und dort Geschichte schrieben: Sie trugen das erste offizielle Fußballspiel in Russland aus.

Ein Spiel mit zwei Ergebnissen. Zum einen, ganz schlicht, ein Sieg für den "Kreis der Liebhaber des Sports", zu dem Djuperron gehörte (je nach Quelle gewann seine Mannschaft entweder mit 4:3 oder sogar mit 6:0). Zum anderen war das Match der Beginn des organisierten Fußballs in Russland, mit Djuperron als einem seiner stärksten Verfechter: als Spieler, als Sportjournalist, als erster russischer Schiedsrichter brachte er den Fußballsport voran, gründete die Petersburger Liga und war später auch an der Gründung der russlandweiten Liga beteiligt. Es war Djuperron, der dafür sorgte, dass Russland in die Fifa aufgenommen wurde. Vielen Fans gilt er deshalb als "Vater des russischen Fußballs".

Weshalb der Bildhauer Semjon Platonow nun einen Plan hat: Er will eine Bronzeskulptur von Djuperron gießen und sie in St. Petersburg aufstellen, am liebsten genau auf dem Platz, an dem vor rund 120 Jahren dieses allererste Spiel stattfand. Ein Modell der geplanten Statue zeigt Djuperron mit dem Ball in der Hand, "als werfe er ihn den künftigen Generationen zu", so Platonow. "Etwas in Bronze zu gießen ist allerdings ein teurer Spaß," der Künstler sucht darum nun nach Sponsoren. Wenn die sich bald melden, könnte es noch klappen, dass WM-Zuschauer in St. Petersburg diesen Sommer von einer Georgij-Djuperron-Statue begrüßt werden.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de

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