Fußball

Warum eigentlich Union Berlin? Ein eigenartiges Gerücht zu Nübel

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Für wen streckt sich Alexander Nübel in der kommenden Saison?

(Foto: SVEN SIMON/ Anke Waelischmiller/)

Der erste Versuch mit einem prominenten Torwart hat beim 1. FC Union bisher nicht sonderlich beeindruckend funktioniert. Stattdessen verteidigt der gute Andreas Luthe seinen Stammplatz. Der könnte aber zur neuen Saison wieder in Gefahr geraten.

Andreas Luthe hat in dieser Saison bislang ein richtig schlechtes Spiel gemacht. Und dieses richtig schlechte Spiel gönnte sich der Torwart ausgerechnet im Berliner Derby. Gegen die Hertha patzte der Unioner zunächst beim Ausgleich (1:1) und leitete dann mit einem fatalen Fehlpass auch noch den zweiten Gegentreffer ein. Immerhin beim finalen 1:3 aus Sicht der Gäste war er schuldlos. Auch sonst hat sich der 33-Jährige in dieser Saison, die er trotz der prominenten Konkurrenz des Liverpoolers Loris Karius als Nummer eins bestreitet, wenig vorzuwerfen. Luthe ist ein grundsolider Torwart, mit wenigen Ausreißern nach oben. Das Label eines Mannes, der aber auch mal Spiele für sein Team gewinnt, hängt ihm nicht an.

Nun, auch über Alexander Nübel erzählt man sich solche herausragenden Dinge nicht (mehr). Denn der 24-Jährige bekommt beim FC Bayern kaum eine Gelegenheit, um mal zu zeigen, dass er als das größte deutsche Torwart-Talent gilt. Drei Spiele hat ihm Trainer Hansi Flick bislang gegönnt. Gegen den 1. FC Düren durfte er ran (DFB-Pokal), ebenfalls gegen Atlético Madrid und Lazio Rom (Champions League). Diese Spiele waren sportlich so wenig brisant, wie die Leistungen von Nübel nachhaltig diskutabel. Gerne hätte der Torwart sich mehr ins Schaufenster zwischen Pfosten und Latte gestellt. Und es sollen ihm beim Wechsel vom FC Schalke 04 nach München im Sommer 2020 auch mehrere Einsätze versprochen worden sein.

Die Geschichte des mosernden Nübel in München ist ausschöpfend erzählt. Manuel Neuer ist nicht bereit, freiwillig Spiele an seinen Stellvertreter abzugeben. Und mit Flick hat der Titan den finalen Entscheider an seiner Seite. Selbst nonchalante Vermittlungsversuche von Klub-Patriarch Uli Hoeneß, die angespannte Torwart-Situation zu entstressen, prallten an der harten Flick-Neuer-Wand ab. Nübel forciert derweil über seinen Berater Stefan Backs seit Monaten eine Verbesserung seiner Lage. Die könnte zur nächsten Saison in München eintreten. Mit Julian Nagelsmann kommt ein neuer Trainer, der ihn sehr schätzt und einst zu RB Leipzig holen wollte. Ob sich die Lage aber so elementar verändert, dass Nübel zufrieden ist? Ziemlich unwahrscheinlich. Zu stark spielt Neuer immer noch, trotz ein paar Patzern zuletzt. Zu vehement ist sein Anspruch als Allesspieler.

Berater dementiert, Klub schweigt

Auch wenn die Bosse immer wieder betont haben, Nübel als Nummer zwei halten zu wollen, wird das Szenario einer zweijährigen Leihe immer wahrscheinlicher. Gerüchte um mögliche Abnehmer gab es immer wieder. Die AS Monaco mit Niko Kovac soll interessiert sein, auch Olympique Marseille. Ebenfalls um Borussia Dortmund und RB Leipzig gab es entsprechende (vage) Berichte. Nun scheint sich ein anderer Klub aus der Bundesliga ernsthaft mit Nübel zu beschäftigen: Union Berlin nämlich. So berichtet es die "Bild"-Zeitung. Eine zweijährige Leihe soll es dem Bericht zufolge sein. Der 24-Jährige würde also erst dann nach München zurückkehren, wenn der aktuelle Vertrag von Neuer endet.

Die Berateragentur des Torwarts dementiert derweil gegenüber dem Sportinformationsdienst einen entsprechenden Kontakt zum Tabellenachten. Man warte erst mal die Positionierung bei den Bayern durch Nagelsmann ab. Sollte Nübel Einsatzzeiten zugesichert bekommen, wolle er bleiben, ansonsten wolle er sich ausleihen lassen, sagte Backs zu Sky Sport News. Auch der Berliner Klub sagt vorerst nichts. Nun wäre Union tatsächlich eine eher überraschende Option. So beeindruckend auch diese zweite Bundesliga-Saison der Köpenicker ist, so wenig Top-Klub sind sie. Anders als die anderen gehandelten Kandidaten. Noch hat der Klub zwar Chancen auf die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb in der kommenden Saison. Die Konkurrenz ist mit Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen indes sehr groß. Sollte Berlin tatsächlich die Sensation schaffen, wäre es aber der "kleine" Wettbewerb Conference League und nicht die große Königsklasse.

Sollte Berlin die Sensation nicht schaffen, drohen dem Klub indes schmerzhafte Abgänge. Zu stark haben einige Spieler für sich geworben, als dass größere Vereine nicht auf sie aufmerksam geworden sind. Zwar haben die Macher in den vergangenen Jahren immer wieder stark nachgewiesen, wie gut sie schwerwiegende Verluste von Spielern kompensieren können. Durchaus auch mit spektakulären Coups wie Max Kruse. Aber eine Saison wie diese ist in Köpenick immer noch die Ausnahme.

Sollte Nübel dennoch zum 1. FC Union wechseln, wäre das der nächste Coup. Aber sicher keiner mit einem garantierten Stammplatz. So wird sich Nübel nämlich erst mal dem Duell mit Luthe stellen müssen. Und dass der das Duell gegen Karius (dessen Zukunft unklar ist) gewonnen hat, das war vor der Saison auch nicht unbedingt erwartet worden. Luthe ist ein grundsolider Torwart, der weiß, was er kann. Und was nicht. Und wenn er mal patzt, dann ist das kein übergroßes Thema. Bei Karius, dem noch immer die schweren Aussetzer (angeknockt nach einem Check von Sergio Ramos) im verlorenen Champions-League-Finale 2018 mit dem FC Liverpool gegen Real Madrid anhängen, wäre das ganz anders. Und sicher auch beim forschen Nübel.

Quelle: ntv.de, tno

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