Fußball

Nübel, Süle, Neuzugänge Das sind Nagelsmanns Bayern-"Baustellen"

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Julian Nagelsmann hat einige Dinge, die er beim FC Bayern lösen muss.

(Foto: dpa)

Der Leipziger Erfolgscoach Julian Nagelsmann ist mit seinen 33 Jahren ab dem 1. Juli da, wo er immer hinwollte. Er ist bei seiner Jugendliebe, beim FC Bayern. Dort aber muss das größte deutsche Trainertalent nicht nur seine Titelreife beweisen, sondern auch gleichzeitig ein paar Baustellen bearbeiten. Eine Übersicht:

Was wird aus Alexander Nübel? Das erste Jahr beim FC Bayern verlief für den talentierten Torwart nicht so, wie er sich das gewünscht hatte. Zwar kam er als klare Nummer zwei hinter Manuel Neuer vom FC Schalke 04 zum Rekordmeister, zwar sollte er in seinem ersten Jahr vor allem lernen, aber er wollte eben auch ein bisschen spielen. Dieser Wunsch wurde ihm von Trainer Hansi Flick weitgehend verweigert, obwohl Sportvorstand Hasan Salihamidžić den 24-Jährigen mit der Aussicht auf garantierte Einsätze gelockt haben soll. Der Berater des Torwarts fordert seit Wochen eine Verbesserung der Situation seines Klienten. Immer wieder bringt er dabei auch eine Leihe ins Gespräch. Sollten die Münchner, die den Keeper eigentlich gerne behalten wollen, das verweigern, droht weiterer Zoff. Entweder mit Nübel oder aber mit Neuer, der wiederholt bekannte, nicht freiwillig auf Spiele verzichten zu wollen.

Was wird aus Niklas Süle und Lucas Hernández? Nun, jetzt (also zur kommenden Saison) wo mit David Alaba und Jérôme Boateng die beiden bevorzugten Innenverteidiger von Flick den Verein verlassen, sind die Plätze im Zentrum der Abwehr ja eigentlich frei für den bislang verhinderten Abwehrchef in München und im DFB-Team, für Süle, und für Rekordeinkauf Hernández. Das Problem ist: Mit Dayot Upamecano bringt Nagelsmann seinen Abwehrchef aus Leipzig mit. Und mutmaßlich wird ihm diese Rolle auch in München zuteil. Bleibt eben nur die Frage nach seinem Nebenmann. Über Süle gibt es immer wieder Medienberichte, dass er in München auf Bewährung spielt. Auch wegen seiner wohl nicht immer so professionellen Lebensweise. Viel deutet daher auf ein Duo Upamecano und Hernández hin. Der französische Weltmeister hat in den vergangenen Wochen immer häufiger seine überragenden Fähigkeiten eingebracht. Weil er Linksfuß ist und Upamecano Rechtsfuß, würde auch die Aufteilung im so wichtigen Spielaufbau aus der Abwehr prima harmonieren. Ob Süle das so klaglos hinnehmen würde oder tatsächlich sehr bald Wechselambitionen hegt? Unklar, aber nicht undenkbar.

Wie reagieren die Führungsspieler auf Nagelsmann? Eine äußerst sensible Frage ist das. Denn wie wichtig ein gutes Verhältnis der Führungsspieler zum Trainer ist, das hat Flick erfolgreich demonstriert. Sein Vorgänger Niko Kovac war dagegen heftig darüber gestolpert, dass er unter anderem Thomas Müller in eine Nebenrolle gedrängt hatte. Nun gilt der neue Coach ebenso wie Flick als sehr kommunikativ und zugänglich. Allerdings hat er bislang weder bei der TSG Hoffenheim noch bei RB Leipzig mit den ganz großen Stars und deren großen Egos gearbeitet. Nagelsmann weiß dagegen, wie man aus Talenten Topspieler formt. Dass er bislang aus großen Spielen bislang meistens als Verlierer gegangen ist (er hatte indes auch immer die unterlegene Mannschaft) und auch noch keine Titel gewonnen hat, könnte zu einem Akzeptanzproblem in kriselnden Phasen werden. Könnte, muss aber nicht.

Wie sieht es mit der Stimmung aus? Klingt komisch, ist aber so: Die Stimmung beim FC Bayern war unter Flick extrem gut. Trotz aller Konflikte mit dem Sportvorstand gelang es dem Trainer, die Atmosphäre innerhalb des Kaders stabil zu halten. Er brachte seine Mannschaft geschlossen hinter sich, betonte immer wieder, wie viel Spaß die Arbeit mache. Dass sich außer Nübel auch kein Spieler öffentlich wahrnehmbar über seine Rolle beklagte, trotz eher geringer Rotation, das ist schon erstaunlich. Selbst Nationalspieler Leroy Sané machte nach seiner Höchststrafe Mitte Dezember - er wurde erst ein-, dann ausgewechselt - keinen Ärger.

Wie fängt Nagelsmann den drohenden Qualitätsverlust auf? Mit Alaba und Boateng werden zwei Spieler den Verein definitiv verlassen (siehe oben). Sehr wahrscheinlich ist auch ein Abgang des ausgelaugten Wadlbeißers Javi Martinez. Gerüchte gibt es auch um Corentin Tolisso, der von West Ham United und Juventus Turin umworben sein soll. Diese Abgänge würden nicht nur Quantität, sondern auch die Qualität im Kader reduzieren. Da angesichts der gravierenden Pandemie-Folgen und der gewaltigen Ausgaben der Münchner für Nagelsmann und Upamecano kaum noch Geld für Top-Neuzugänge vorhanden zu sein scheint, wird der Trainer kreative Lösungen finden müssen. Eine besondere Rolle könnte dabei bislang kaum berücksichtigten Spielern wie Marc Roca und Tanguy Nianzou zukommen. Oder auch Bouna Sarr, der allerdings wohl auch nach nur einer Saison wieder weg möchte. Noch wichtiger wird sicher auch der Bayern-Campus - von dort werden noch mehr Talente in den Kader aufrücken und einen ähnlichen Weg wie Jamal Musiala anstreben. Mit Nagelsmann haben sie dafür auf jeden Fall mal den perfekten Förderer.

Und wie klappt es mit Salihamidžić? Nun, da drohen offenbar vorerst keine Probleme. Der Sportvorstand gilt als "Bewunderer" des Trainers, hieß es zuletzt bei der "Bild". Wie die Zeitung auch berichtete, "funken Salihamidžić und Nagelsmann auch auf einer Wellenlänge". Zwar habe der Coach ebenfalls klare Vorstellungen, aber eine weniger ausgeprägte Sturheit als sein Vorgänger. Allerdings: So teuer Nagelsmann nun auch war, so mächtig dürfte er demnächst werden. Auch bei Wünschen nach Verstärkungen. Konfliktpotenzial? Durchaus.

Quelle: ntv.de, tno

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