Fußball

Mario Götzes bizarre Jahre Eine Heldentat, die eine Karriere knickte

Mario Götze (l) schießt das 1:0 gegen Argentiniens Torhüter Romero (r) während des Finalspiels 2014. Foto: Diego Azubel/epa/Archiv

Ein Tor für die Ewigkeit, ein Tor als Fluch und Segen.

(Foto: Diego Azubel/epa/dpa)

Fünf Jahre ist es her, dass Mario Götze Deutschland einen goldenen Fußball-Moment beschert. Im WM-Finale gegen Argentinien schießt der damals 22-Jährige in der Verlängerung das Titel-Tor. Es ist eine Heldentat, die seiner Karriere nicht förderlich war.

Der Auftrag von Joachim Löw an Mario Götze war eindeutig. "Zeige der Welt, dass du besser bist als Messi", flüsterte der Bundestrainer seinem Joker bei dessen Einwechslung in der 88. Minute im WM-Finale 2014 gegen Argentinien ins Ohr. Götze beherzigte die Worte seines Chefs und schoss die deutsche Nationalmannschaft im Fußball-Tempel Maracanã in Rio de Janeiro in der 113. Minute mit einem Traumtor zum vierten Stern.

Es war ein Moment für die Ewigkeit. Götze wird für immer in einem Atemzug mit den drei anderen Final-Siegtorschützen Helmut Rahn (1954), Gerd Müller (1974) und Andreas Brehme (1990) genannt werden. "In Brasilien gegen Argentinien zu treffen, zu diesem Zeitpunkt und wie dann alles gelaufen ist - ich glaube, wenn man sich einen solchen Moment ausmalen könnte, man könnte es nicht besser tun. Das Tor wird mir immer bleiben", sagte Götze, der am 13. Juli 2014 auf Vorlage von André Schürrle traf.

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Mario Götze - WM-Held, Judas, Enttäuschung.

(Foto: imago/Laci Perenyi)

Doch der historische Moment war für den heute 27 Jahre alten Profi von Borussia Dortmund auch eine Belastung. Nach solch einem "riesigen Erfolg" sei es "nicht so leicht gewesen, alles zu verarbeiten". Statt endgültig in die Weltspitze zu Messi und Cristiano Ronaldo aufzuschließen, entwickelte sich Götzes Karriere zu einer Achterbahnfahrt.

Schon die WM in Brasilien verlief für den damaligen Münchner alles andere als wunschgemäß. "Die Leute vergessen, wie beschissen dieses Turnier für mich bis zum Schluss war", schrieb der Offensivspieler von Borussia Dortmund zuletzt in einem Gastbeitrag für die Internet-Plattform "The Players Tribune". Götze gehörte nicht zur Stammformation, vor dem Finale sei er daher "wirklich deprimiert" gewesen.

Ein Judas, ein Held, eine Enttäuschung

Auch nach seiner Heldentat ging es nicht bergauf, in München reichte es unter Josep Guardiola nicht zum Stammplatz. Trotz zahlreicher Titel kehrte er 2016 zum BVB zurück. Aber auch in seiner Heimat tat er sich schwer, eine Stoffwechselerkrankung zwang ihn zu einer längeren Pause. "Einige der größten Momente, die ich im Fußball erlebt habe, sind direkt nach den dunkelsten gekommen. Umgekehrt ist es genauso. Ich war ein Judas, dann ein Held, dann eine Enttäuschung, dann war ich fast raus aus dem Fußball. Das alles in nur vier Jahren", sagte Götze.

In der Nationalmannschaft spielt er derzeit keine Rolle, sein bisher letzter Einsatz war im November 2017. Löw hat er noch nicht komplett abgeschrieben, doch die Konkurrenz in der Offensive ist groß. Mit dem Tempo von Leroy Sané, Timo Werner oder Serge Gnabry kann Götze nicht mithalten. Dennoch machte Löw ihm zuletzt Hoffnung. Götze wirke "dynamisch", sagte er. Wenn er so weitermache, "wird er zurückkommen". Seine Leistungen in der Rückrunde der vergangenen Saison dienen als Mutmacher. In Dortmund würden sie seinen 2020 auslaufenden Vertrag gerne verlängern, allerdings für weniger Geld. Götze will es auch ihnen beweisen. So wie er vor fünf Jahren der Welt bewiesen hat, dass er besser ist als Messi - zumindest in der Verlängerung des WM-Endspiels.

Quelle: n-tv.de, Oliver Mucha, sid

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