Fußball

Wie läuft's bei ... Robin Koch? Eine fürchterliche Premiere bei Jürgen Klopp

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Resolut im Zweikampf: Robin Koch.

(Foto: imago images/PA Images)

Einen Elfmeter verschuldet, bei einem zweiten Gegentreffer gepennt: Das Debüt von Robin Koch für Leeds United geht gründlich schief. In unserer neuen Serie "Wie läuft's bei ..." schauen wir uns die Entwicklung des Innenverteidigers zum Nationalspieler genauer an.

Eine spektakulärere Bühne als die Anfield Road (noch schöner wäre es nur mit Fans gewesen) kann sich ein Fußballprofi für sein Debüt eigentlich nicht wünschen. Eigentlich nicht. Wenn es aber so läuft wie bei Robin Koch, dann wird der Debüt-Traum ganz fix zum Albtraum-Debüt. Einen Handelfmeter (und damit auch ein Tor) verschuldet, beim zweiten Treffer den Torschützen Virgil van Dijk aus dem Blick verloren - wenn Robin Koch bei seinem neuen Arbeitgeber Leeds United den Resetknopf drücken könnte, würde er das vermutlich tun. Mit 3:4 (2:3) unterlag der Aufsteiger beim amtierenden Meister der Premier League, bei Spektakel-Liebhaber Jürgen Klopp.

"Was für ein Spiel, was für ein Gegner" schwärmte der deutsche Trainer. "Ich habe es geliebt!" Nicht ganz so euphorisch fasste Koch seinen ersten Ligaauftritt in England zusammen: "Natürlich bin ich stolz auf mein erstes Spiel in der Premier League, aber selbstverständlich auch enttäuscht über das Ergebnis", sagte der 24-Jährige dem Sportinformationsdienst. Allerdings zeigte Leeds große Moral, lieferte den Reds ein lange ebenbürtiges Duell. "Wir haben als Team stark gekämpft, über weite Strecken auch gut gespielt und viel Charakter gezeigt", sagte Koch: "Darauf können wir stolz sein."

Warum Koch in der Premier League gelandet ist, erklärte der 24-Jährige dem "Sportbuzzer" so: "Leeds hat einen spielstarken Verteidiger gesucht, der das Spiel eröffnen kann, sich traut, mutig von hinten raus zu agieren." Fündig geworden ist man dann in Freiburg. Und Koch war schnell angetan: "Letztlich ist es mir extrem wichtig, mich in dieser Phase meiner Karriere weiterzuentwickeln und hierfür den idealen Input zu bekommen, deshalb Premier League - deshalb Bielsa." Bielsa, das ist Trainer Marcelo Bielsa. Der Argentinier gilt als Genie an der Außenlinie. "Der Verein hat sich wirklich extrem mit mir auseinandergesetzt, ich habe viele Mails, viele Dateien, viele Präsentationen erhalten. Ich war überrascht, wie genau ich analysiert wurde." Auch da habe man die Akribie Bielsas gesehen.

Koch, der den SC Freiburg erst am 29. August Richtung England verlassen hatte, ist einer von nun elf (!) deutschen Fußballern in der mutmaßlich stärksten Liga der Welt. Manche spielen keine Rolle (mehr). Zu ihnen zählen Weltmeister Mesut Özil (FC Arsenal), Max Meyer (Crystal Palace) und Torwart Loris Karius (FC Liverpool). Andere quälen sich mit Verletzungen rum, so Shkodran Mustafi (FC Arsenal) oder sind gerade genesen, wie Pascal Groß (Brighton & Hove Albion), der beim Ligaauftakt gegen den FC Chelsea ab der 79. Minute mitwirken durfte. Alle anderen sind aktuelle Nationalspieler - und wollen es bleiben. Der Bundestrainer findet großen Gefallen daran, dass viele Talente den Weg in die Fremde wählen.

"Man fängt wieder bei null an"

"Das ist eine Persönlichkeitsschulung, das habe ich schon bei einigen Spielern erlebt. Da machen sie den nächsten Karrieresprung, das hilft uns auch", sagte Löw während der Länderspielreise. Zuletzt hatten in Kai Havertz und Timo Werner (beide FC Chelsea) sowie Luca Waldschmidt (Benfica Lissabon) und eben Koch vier Nationalspieler die Bundesliga verlassen. Im Ausland, meinte Löw, müssten sich diese Profis "wieder neu bewähren, man fängt wieder bei null an - egal, was man vorher gezeigt oder erreicht hat".

Erreicht hat Koch in seiner Karriere bereits eine ganze Menge. Über den Nachwuchs von Eintracht Trier schaffte es der Sohn der Manndecker-Legende Harry Koch zu den Profis des 1. FC Kaiserslautern, ehe er in Freiburg unter Christian Streich zum Nationalspieler reifte. Am 9. Oktober 2019 lief er erstmals für die deutsche A-Nationalmannschaft auf, in Dortmund, im Test gegen Argentinien (2:2). Und er überzeugte den Bundestrainer. "Robin war sehr stabil, sehr selbstbewusst, hatte eine gute Ausstrahlung", lobte Löw.

Gepatzt - und dennoch nichts verloren

In unserer Einzelkritik zum Spiel hieß es damals: "Paulo Dybala von Juventus Turin dürfte spätestens nach dieser Partie wissen, dass der Sohn von Harry Koch ein guter Innenverteidiger ist - der allerdings wie seine Kollegen nach der Pause etwas den Überblick verlor, ebenso das Kopfballduell vor dem ersten Tor der Argentinier. Sein Problem aber ist, dass in der Hierarchie noch vier Innenverteidiger vor ihm stehen."

Daran hat sich grundlegend nichts geändert. Gesetzt ist der Münchner Niklas Süle, der Abwehrchef. Um die zweite zentrale Position duellieren sich Antonio Rüdiger und Matthias Ginter. Dahinter allerdings ist alles offen. Trotz des verpatzten Debüts in der Premier League hat Koch kaum Boden eingebüßt. Niklas Stark, der Berliner, patzte bei der Pokal-Katastrophe der Hertha gegen Braunschweig mehrfach. Und der Leverkusener Jonathan Tah kämpft im Klub derzeit verzweifelt um einen Stammplatz.

Quelle: ntv.de