Fußball

Buli-Vorschau 20/21: Die Spitze Diese Saison wird noch schöner langweilig

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Uli Hoeneß wird es verkraften können: An der Spitze bleibt es langweilig.

(Foto: Peter Schatz)

Der FC Bayern wird 2021 die nächste Meisterschaft einfahren. Auch, wenn Leipzig in der Champions League kurz überrascht und der BVB mit seinem Edelkader wenigstens ein Kampfansägchen sendet. Begeistern wird das Rennen an der Spitze dennoch.

FC Bayern München

Der FC Bayern hat verloren. Diese Nachricht ließ so manchen Fußballfan vom Hocker fallen. Aber, Erleichterung, die Niederlage setzte es nur im Gerichtssaal. Ansonsten ist natürlich alles beim Alten. Die Münchner dominieren die Bundesliga - das wird auch in der Saison 2020/21 nicht anders sein als im Jahr zuvor, das mal eben mit dem Triple abgeschlossen wurde.

Zwar ist die Vorbereitung für den FC Bayern so kurz wie für keine andere Bundesliga-Mannschaft. Zwar gibt es um die Personalien David Alaba (will wohl für eine Mega-Entlohnung bleiben) und Thiago (wollte angeblich erst weg, dann nicht mehr; Liverpool will ihn aber auf jeden Fall) noch langwierige Hängepartien. Zwar ist der Offensiv-Allrounder definitiv nicht mehr im Bayern-Kader in der kommenden Spielzeit. Aber das alles macht den Münchner herzlich wenig. Schließlich ist das "Mia san mia" zurück, selbst Europa hat spätestens seit dem 8:2-Sieg über den FC Barcelona Angst vor diesen Dominanz-Bayern. Und schließlich ist Niklas Süle als zusätzliche Stütze für die Abwehr zurück von seinem Kreuzbandriss. Zu guter Letzt wirbelt ab sofort auch ein gewisser Leroy Sané auf der linken offensiven Seite und darf sich mit Serge Gnabry darüber streiten, wer Deutschlands bester Flügelstürmer ist.

Außerdem geht der Rekordmeister in die erste gesamte Saison unter Triple-Trainer Hansi Flick. Was soll da nur schiefgehen? Diese oft ironisch gestellte Frage kann im Münchner Fall getrost ernsthaft beantwortet werden mit: gar nichts. Torhüter Manuel Neuer zeigte mit seinen Paraden in der Champions League, dass er wahrscheinlich immer noch der beste Torwart der Welt ist, Jérôme Boateng packte eine Heldengrätsche nach der nächsten aus, Joshua Kimmich wird im kommenden Jahr noch weiter zum Boss auf dem Platz aufsteigen und Thomas Müller will mit seinen Toren und Vorlagen den Nicht-Nominierungs-Jogi stetig weiter ärgern. Auch und Bald-Weltfußballer Robert Lewandowski gibt es ja auch noch. Na dann viel Spaß, liebe Bundesliga-Gegner.

Borussia Dortmund

Lucien Favre, Trainer des chronischen Vize-Meisters Borussia Dortmund, beendet die Vorbereitung mit einem Paukenschlag: "Ich kann sagen: Wir wollen den Pokal gewinnen", verkündete der Schweizer auf der Pressekonferenz vor dem Pflichtspielauftakt des BVB am Abend im DFB-Pokal gegen den MSV Duisburg (20.45 Uhr im ntv.de-Liveticker). Eine Kampfansage, eine Titelvorgabe, eine Stichelei in Richtung des Triple-Siegers aus dem Süden? Eher nicht, aber angesichts der üblichen verbalen Zurückhaltung des Schweizers wenigstens ein bisschen bemerkenswert.

Bei Lichte betrachtet sind die Hoffnungen auf Zählbares allerdings durchaus gedeckt: Der Kader, der Favre zur Verfügung steht, ist sicher der beste seiner Amtszeit. Jadon Sancho durfte nicht nach Manchester und scheint sich damit arrangiert zu haben. Erling Haaland wird auch weiterhin für Borussia Dortmund viele Tore schießen. Marco Reus wird früh in der Saison topfit zur Verfügung stehen. Das sind gute Vorzeichen, die für uneingeschränkt gute Laune sorgen könnten. Auch wenn (oder sogar weil) es - vor allem bei Julian Brandt - in der Offensive sogar noch reichlich Steigerungspotenzial gibt. Kommt der BVB ins Rollen, wird es spektakulär.

Doch Favre hat selbst Unruhe in die Vorbereitung gebracht: Der Trainer wollte seiner Abwehr die Viererkette aufdrängen - und stieß damit auf reichlich Gegenwind, vor allem unter den Spielern. Als Favre dasselbe in der vergangenen Rückrunde versucht hatte, soll es den klaren Auftrag aus dem Management gegeben haben, das bitte zu unterlassen. So soll es auch diesmal wieder gelaufen sein, auch wenn Favre sich gerne darauf beruft, dass "alle großen Mannschaften" mit Viererkette spielen würden.

Besonders, dass bei Favre auch ein Emre Can als Innenverteidiger auf dem Zettel stand, soll den Bossen nicht gefallen. Die haben den Nationalspieler im Winter für viel Geld zurück in die Bundesliga gelotst und wollen die Energie und die - Achtung, Reizwort - Mentalität des Nationalspielers in der Zentrale sehen. "Wenn elf Top-Fußballer gegen elf Krieger antreten, gewinnen am Ende die Krieger. Das ist einfach so", sagte Can jüngst. Unter all den Top-Fußballern, die Favre zur Verfügung stehen, ist Can der Krieger.

Ob der am Ende den Unterschied zwischen einem Vize-Meister und DFB-Pokal-Mitläufer und einem Titelgewinner macht? Die Chancen von Borussia Dortmund auf Edelmetall sind gegenüber der vergangenen Saison zumindest nicht gesunken. Und da tönte es vorher von Marco Reus schon: "Es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Wenn wir mit dieser Mannschaft sagen würden, dass wir nur oben dranbleiben wollen, ginge das auf Kosten unserer Glaubwürdigkeit." Auf ein Neues.

RB Leipzig

Schluss war erst im Champions-League-Halbfinale. Das Spiel gegen Paris St. Germain (0:3) war das letzte einer äußerst gelungenen ersten Saison von Trainer Julian Nagelsmann. Im Turnier konnte das Team schon mal ohne den abgewanderten Timo Werner testen, wie es sich so spielt ohne Top-Stürmer. Weiter ging es gut drei Wochen später nun in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den 1. FC Nürnberg, der völlig unterlegen war (3:0). Eine abgeklärte Vorstellung mit einem Haken: die Chancenverwertung. Statt 3:0 hätte das Ergebnis deutlich höher ausfallen können.

Timo Werner fehlt. So lautet die erste Einschätzung. 28 Tore hatte er in der abgelaufenen Saison geschossen, dazu acht vorbereitet. Allerdings ist für Ersatz gesorgt: Hee-chan Hwang spielte gegen Nürnberg zum ersten Mal mit, war an allen drei Toren beteiligt und traf beim 3:0 selbst - ein gelungenes Debüt für den Stürmer, der vom Schwesterklub in Salzburg kam. Zudem ist mit Milot Rashica ein weiterer Offensivmann bei RB im Gespräch, der 24-Jährige könnte von Werder Bremen kommen.

Yussuf Poulsen ist bereits siegessicher: "Wir sind bereit für den Saisonstart in der Bundesliga." Sagt der Stürmer, der bereits seit 2013 im Klub und damit seit Drittligazeiten dabei ist. Er hat viele Kollegen kommen und gehen sehen, zuletzt kamen neben Hwang noch Rechtsverteidiger Benjamin Henrichs und der junge Lazar Samardzic von Hertha BSC hinzu. Gegangen ist außer Werner kein Stammspieler. Der Kader nach der besten Saison der Vereinsgeschichte bleibt also bis auf das Schwergewicht ähnlich zusammen. Und das sollte der Konkurrenz eine Warnung sein.

Quelle: ntv.de