Fußball

Kein Bordeaux reloaded Eintracht Frankfurt ist zurück in Europa

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Seinerzeit in Bordeaux: 12.0000 Fans der Eintracht, hier einige von ihnen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Nach mehr als viereinhalb Jahren ist Eintracht zurück auf Europas Fußballbühne. Und dann werden die Zuschauer in Marseille ausgesperrt. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Fans der Eintracht, die gerne mal eine Auswärtspartie zum Heimspiel machen.

Sehr viel malerischer und imposanter hätte der Ort für die erste Aufgabe in der Europaliga für die Frankfurter Eintracht kaum sein können. Der Fußballtempel von Olympique Marseille fasst mehr als 65.000 Zuschauer, das EM-Stadion von 2016 liegt in unmittelbarer Nähe zum Mittelmeer und auch Ende September ist es dort sommerlich warm. Klingt wie gemalt für ein Fest für den deutschen Pokalsieger, den in Europa traditionell besonders viele Fans bei den Auswärtsspielen begleiten. Doch diesmal läuft es anders. Die Partie an diesem Donnerstag (ab 18.55 Uhr bei DAZN und im Liveticker bei n-tv.de) findet ohne Zuschauer statt. Und Fans der Eintracht dürfen zwischen acht Uhr und Mitternacht nicht einmal die Stadt betreten. "Wir fühlen uns um einen großen Europa-Auftritt betrogen", sagte Vorstand Axel Hellmann.

War noch was?

Zum Auftakt der Saison in der Fußball-Europa-League sind neben Eintracht Frankfurt zwei weitere Bundesligisten dabei. Bayer 04 Leverkusen spielt ab 21 Uhr beim bulgarischen Meister Ludogorez Rasgrad. Und alles, was Sie zur Partie der beiden Red-Bull-Klubs aus Leipzig und Salzburg wissen müssen, hat der Kollege Ulli Kroemer aufgeschrieben.

Bitte keine Fans: Damit hat Hellmann nicht ganz unrecht. Die Partie bei Girondins Bordeaux im November 2013, die Frankfurt mit 1:0 gewann, hatten 12.0000 Fans der Eintracht im orangefarbenen Müllmann-Look zum Heimspiel gemacht. Auch dieses Mal wäre die SGE wohl mit 10.000 oder noch mehr Anhägern ans Mittelmeer gereist. Stattdessen heißt es Aufenthaltsverbot und das ohne eigene Schuld, bestraft wurden schließlich nur die Gastgeber. Die Uefa hatte Marseille wegen Verfehlungen der Fans zu einem Spiel ohne Zuschauer verdonnert. Die hatten in insgesamt vier Europaligaspielen in der vergangenen Saison Feuerwerk gezündet, Sachen beschädigt und sich geprügelt. "Unsere Fans wollen nicht nach Marseille, um Ärger zu suchen", sagte Hellmann. Trotzdem gilt: Bei Verstößen gegen das Verbot drohen Haftstrafen.

Geisterspiel: Keine Heimfans, keine Gästefans, keine Besucher auf der Haupttribüne. Das Abschlusstraining vor leeren Rängen war im imposanten Stade Vélodrome quasi eine Generalprobe für den Spieltag. Auch dann dürfte jedes Wort, jeder Ballkontakt und jede Anweisung zu hören sein. "Vorteil ist, dass die Spieler dich besser hören und verstehen können", sagte SGE-Trainer Adi Hütter. Für den Österreicher ist die Geisterkulisse "schade", zumal die Eintracht nach 1666 Tagen erstmals wieder international spielt.

Rückkehr: Kevin Trapp hier, Kevin Trapp da, Kevin Trapp überall. Am Tag vor der Partie glänzte der Torwart in einer Art One-Man-Show bei der Pressekonferenz. Trapp sprach Deutsch, Trapp sprach Französisch, er übersetzte die Fragen und dann auch seine eigenen Antworten. "Es ist eine tolle Mannschaft, die immer versucht, Fußball zu spielen", sagte der 28-Jährige über Marseille, gegen die er mit Paris Saint-Germain stets erfolgreich war.

Gegen das Tief: Fünf Pflichtspiele, vier Niederlagen - den Saisonstart hätte sich Eintracht Frankfurt anders vorgestellt. "Wir haben sehr viel Qualität, das können wir morgen auf internationaler Ebene beweisen", kündigte Trapp nun an. In der happigen Staffel mit Marseille, Lazio Rom und Apollon Limassol zählt jeder Punkt für das Weiterkommen. Doch geht es nach dem selbstbewussten Keeper, reicht ein Remis beim Vorjahreszweiten nicht aus. "Wir kommen hierher, um zu gewinnen, auch gegen Marseille", sagte Trapp.

Quelle: n-tv.de, sgi/dpa

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