Fußball

BVB verzweifelt, Gladbach tobt Elfer-Ärger, der den FC Bayern freuen kann

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Der Moment, in dem der Ärger losgeht: Waldemar Anton, Rami Bensebaini und Sasa Kalajdzic organisieren irgendwie einen Elfmeter.

(Foto: imago images/Eibner)

Zwei Elfmeter kosten am Samstag zwei Topteams wertvolle Punkte auf dem Weg in Richtung Tabellenspitze. Während man aber in Gladbach mit einigem Recht in Richtung Schiedsrichter tobt, muss man sich beim BVB aber mal wieder über sich selbst ärgern.

"Wenn der FC Bayern patzt, müssen wir da sein", ist ein beliebtes Mantra der Verfolger des Rekordmeisters. Seit beinahe einem Jahrzehnt ist nun aber schon niemand da, wenn der FC Bayern patzt. Und es scheint, als würde sich daran auch auf dem Weg zur neunten Münchener Meisterschaft in Serie nichts ändern - auch, wenn das arg gestresste Edelensemble von der Säbener Straße in diesem Jahr deutlich öfter Punkte liegen lässt, als üblich. Verfolger Nummer eins, RB Leipzig, ließ in den Schlussminuten den Sieg gegen den VfL Wolfsburg liegen und holte nur einen Punkt, Kurzzeittabellenführer Bayer Leverkusen verlor sogar gegen Union Berlin. Die anderen großen Namen, Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach, mussten sich schließlich über zwei Elfmeter ärgern, die vor allem dem FC Bayern Luft verschaffte. Luft, sich ohne zu großen Druck an der Tabellenspitze wieder zu sortieren.

Von Borussia Dortmund, notorischer Vizemeister der vergangenen Jahre und der Verfolger, der am offensivsten Ansprüche auf Titel formuliert, waren nach dem Auswärtssieg in Leipzig (3:1) nach schwierigen Wochen wieder vorsichtige Kampfansagen zu hören: "Wir haben damit unsere Ansprüche deutlich klarer gestellt", kündigte Lizenzspieler-Boss Sebastian Kehl vor dem Spiel gegen Schlusslicht Mainz 05 an. "Aber wir wissen auch, dass wir, bevor wir über andere Sachen reden, Stück für Stück wieder Leistung zeigen müssen. Wir müssen unsere Heimserie verbessern und haben heute eine große Möglichkeit gegen Mainz in der Tabelle einen deutlichen Schritt nach vorne zu kommen."

"Total ärgerlich"

Zwei Stunden später war die Möglichkeit dahin, 1:1 hieß es am Ende gegen die schwerst abstiegsbedrohten Rheinhessen. Auch, weil Marco Reus einen Foulelfmeter zum Sieg vergeben hatte. "Das ist natürlich total ärgerlich. Er weiß es selbst, wir wissen es, kein Vorwurf an ihn", wollte BVB-Trainer Edin Terzic nicht zu lange mit dem Fehlschuss seines Kapitäns hadern. "Ich muss mich bei der Mannschaft entschuldigen", sagte Reus nach seinem peinlichen Elfmeter-Fehlschuss neben das Tor: "Ich hätte das Spiel entscheiden oder es in die richtige Richtung bringen können. Das habe ich nicht geschafft."

Reus war an diesem Nachmittag ein Sinnbild für die Misere seines Teams. In Topspielen brilliert die Borussia häufig, schwächelt aber in bedenklicher Regelmäßigkeit gegen Außenseiter. Nur eine Woche nach dem sehenswerten Auftritt bei RB Leipzig (3:1) wurde sie diesem Ruf abermals gerecht. Wie schon bei den überraschenden Heimniederlagen gegen Köln (1:2) und Stuttgart (1:5) blieb das Starensemble vor allem in der zweiten Halbzeit vieles schuldig.

"Es ist unglaublich", schimpfte der einzige Dortmunder Torschütze Thomas Meunier. "So oft haben wir die Chance, Zweiter, Dritter, Erster zu werden. Und immer kommen dann solche Spiele." Selbst sein erster Treffer im BVB-Trikot tröstete den belgischen Neuzugang nicht: "Ich bin wirklich enttäuscht." Eine Inspiration für die kniffligen Duelle am Dienstag beim punktgleichen Dritten Leverkusen und drei Tage später in Mönchengladbach war der Auftritt gegen Mainz bei allem Engagement wahrlich nicht. "Wir haben uns viel vorgenommen, wollten die drei Punkte unbedingt einfahren", klagte Trainer Edin Terzic.

"Würde für den Rest der Saison gesperrt"

Noch viel größer war der Ärger bei Borussia Mönchengladbach. Das lag aber nicht am eigenen Auftritt, sondern an einem Pfiff von Schiedsrichter Felix Brych. Der Champions-League-Achtelfinalist, in der vergangenen Woche noch Bezwinger des FC Bayern, kommt in der Bundesliga nicht so recht vom Fleck. Schuld daran: Ein umstrittener Foulelfmeter für den VfB Stuttgart, tief in der Nachspielzeit. Silas Wamangituka traf unbeeindruckt von Protesten und Wartezeit auf die Bestätigung des Pfiffs zum 2:2 für die so heimschwachen Stuttgarter.

Und das trieb einen so richtig auf die Palme: "In der heutigen Zeit ist es so, dass die Spieler kaum ihre Meinung sagen dürfen. Wenn ich sie jetzt kundtun würde, würde ich wohl für den Rest der Saison gesperrt werden. Das ist eine absolute Frechheit, ganz klar. Ich weiß nicht, was man da denkt", wütete Nationalspieler Jonas Hofmann am Sky-Mikrofon. "Breel Embolo wird 50-mal so gefoult, aber wir bekommen keinen einzigen Pfiff und in der 94. Minute pfeift dieser Schiedsrichter ein Foul, oder er kriegt einen Hinweis, dass es eine klare Fehlentscheidung war. Es ist Wahnsinn, so was habe ich noch nie erlebt. Ich weiß nicht, wofür wir einen Videoschiedsrichter haben. Das Spiel wurde heute durch zwei, drei Personen entschieden, das wissen sie hoffentlich selber."

"Kontakt ist uns leider verborgen geblieben"

"Ich kann mich nicht genau erinnern, aber ich habe keine Schwalbe gemacht. Ich habe mich ein bisschen in den Gegner hineingelehnt und wollte mit dem richtigen Timing zum Ball gehen", beschrieb Stuttgarts Sasa Kalajdzic die Szene, die die Gladbacher so erzürnte und wichtige Punkte kostete. "Dann habe ich gespürt, dass ich am Bauch festgehalten werde und nicht nach vorne rennen konnte. Vielleicht bin ich auch über den Fuß von Waldemar Anton gestolpert. Ob es ein Foul war oder nicht, ist schwer zu sagen. Ich will mich nicht festlegen, aber ich einfach nur froh, dass wir noch den Punkt geholt haben."

"Wo ist die klare Fehlentscheidung, warum meldet sich Köln überhaupt?", ärgerte sich Gladbachs Trainer Marco Rose. "Es wird wahrscheinlich auch wieder irgendeine Argumentationsgrundlage gefunden", schimpfte der 44-Jährige im ZDF. Da kannte Rose noch nicht das Eingeständnis von Felix Brych.

Der zeigte eine Stunde nach dem für Mönchengladbach so unglücklichen Pfiff mit seiner Sicht der Dinge Größe: "Bensebaini geht ein hohes Risiko, indem er den Spieler umklammert, aber letztlich gibt es auch noch einen Kontakt vom eigenen Spieler am Fuß", stellte der FIFA-Referee seine eigene Sicht der Dinge infrage. "Ich glaube auch, dass der mitentscheidend war."

Brych hatte die Szene zunächst weiterlaufen lassen, erst auf Hinweis von Video-Assistentin Bibiana Steinhaus schaute er sich die Bilder noch einmal am Monitor an. "Es ist eine komplexe Szene, weil zwei Kontakte vorliegen. Der Verteidiger geht das Risiko, das war von ihm auch nicht besonders clever. Der Kontakt unten (zwischen Anton und Kalajdzic - Anm. d. Red.) ist uns leider verborgen geblieben." Mit anderen Worten: Durch den Hinweis aus Köln wurde aus der richtigen Entscheidung eine falsche. Ihm selbst sei es in seiner ersten Wahrnehmung "einen Ticken zu wenig" gewesen. "Heute kann Stuttgart mit dem Elfmeter glücklich sein." Eine Erkenntnis, die Borussia Mönchengladbach nicht hilft.

Quelle: ntv.de, ter/dpa