Fußball

Wie geht's ihm eigentlich? Eriksen-Drama lastet schwer auf Dänemark

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Der Zusammenhalt prägt das Team.

(Foto: Pool via REUTERS)

Es war der schockierendste und prägendste Moment der Fußball-Europameisterschaft: Der dänische Star Christian Eriksen bricht während eines Spiels zusammen und erleidet einen Herzstillstand. Mittlerweile ist es ruhig um ihn geworden. Aber wie geht es ihm?

Die Fußballer aus Dänemark haben gerade eine erstaunliche Geschichte zu erzählen. Wieder einmal. Sie haben sich für die Weltmeisterschaft Ende des kommenden Jahres in Katar qualifiziert. Nur war die Gruppe mit Schottland, Israel, Österreich, den Färöer-Inseln und Moldau ganz sicher nicht die schwierigste, aber gewinnen muss man die Spiele trotzdem erstmal. Und genau das hat das Team von Trainer Kasper Hjulmand auf eine besonders beeindruckende Weise getan. In der Bilanz stehen acht Spiele, acht Siege, null Gegentore: Kein anderes Land auf diesem Planeten hat auf dem Weg in die vorweihnachtliche Wüste eine derart makellose Bilanz.

Der Trainer, der einst keine gute Zeit beim FSV Mainz 05 erlebt hatte, schwärmt in lauten Hymnen von seiner Mannschaft. "Ganz Dänemark kann stolz auf diese Jungs sein." Für eine so kleine Nation wie eben Dänemark sei es immer wieder "sehr schwer, zu einer WM zu kommen. Das ist ein tolles Geschenk für den Verband, für die Talentförderung, für die Profivereine und für diese Spieler, die auf einem so hohen Niveau gespielt haben."

Aber die Reise nach Katar ist auch die Fortschreibung einer ganz besonderen Geschichte, die im Sommer bei der kontinentalen Meisterschaft im Halbfinale vorübergehend geendet war. Es war eine emotionale Geschichte voller Drama, Leiden und Leidenschaft. Eine, die die ganze Welt bewegte hatte. Eine einer wohl einzigartigen sportlichen Wiederauferstehung.

"Bin doch gerade mal 29 Jahre alt"

Und womöglich wären die Dänen nicht zu jenen Fußball-Helden in ihrem Land geworden, wenn es den Schock um Christian Eriksen nicht gegeben hätte. In ihrem ersten Spiel bei der EM am 12. Juni gegen Finnland brach der Spielmacher plötzlich und ohne Einwirkung eines Gegners auf dem Feld zusammen. Der 29-Jährige musste noch auf dem Rasen wiederbelebt werden. Wochen nach dem Schock erzählten Mediziner, wie dramatisch die Sekunden waren. "Er machte die Augen auf und sprach mit mir. Ich fragte ihn auf Englisch: Bist du wieder da? Er sagte: Ja, ich bin da. Und dann sagte er noch: Oh Sch …, ich bin doch gerade mal 29 Jahre alt", berichtete der Kölner Intensivmediziner Jens Kleinefeld. "Ich sagte ihm, dass jetzt alles gut ist und keine Gefahr mehr besteht. Er hat direkt alles verstanden und konnte direkt seinen Arm auf die Brust legen."

Die Szenen, in denen ihr bester Fußballer um sein Leben rang, erlebten die dänischen Fußballer aus unmittelbarer Nähe. Sie bildeten einen Kreis. Es waren Bilder, die immer noch für Gänsehaut sorgten. Dass die Fußballer das Spiel nach dem Schock noch zu Ende spielten, das war die erbarmungslose Pointe eines fürchterlichen Dramas. Aber zumindest mit einem späteren Happy End. Denn Christian Eriksen hatte überlebt. Er bekam einen Defibrillator. Für sein Leben war das die beste Entscheidung. Allerdings auch mit Auswirkungen auf seine Karriere. Denn noch immer ist nicht klar, ob er seinen Job wieder ausüben kann.

"Es ist ein Teil von uns geworden"

Aber wie geht es ihm eigentlich? "Ich habe es schon Hunderte Male gesagt und werde es noch Hunderte Male sagen: Das Einzige, was zählt, ist, dass es Christian gut geht", sagte Simon Kjaer, der als tröstender Kapitän im Sommer zum Helden wurde. "Alles andere ist für mich nicht entscheidend." Der Kollaps von Eriksen lässt seine Mitspieler bis heute nicht los. "Es gibt mal einen Tag, vielleicht zwei, an denen ich nicht daran denke. Länger nicht. Es ist ein Teil von uns geworden", sagte Kjaer gerade erst der "Sport Bild".

Der Trainer sieht das ähnlich: "Entscheidend ist allein, was er meint, was für ihn und seine Familie das Beste ist. Wir sind einfach happy, dass er noch bei uns ist, wir ihn anrufen, sehen und treffen können." Von dem Spieler selbst gibt es derzeit nichts zu hören. Weder gibt er Interviews, noch ist er in den sozialen Medien. Dort hatte er sich kurz nach seiner Herz-OP gemeldet und mitgeteilt, dass es ihm gut gehe und er "niemals aufgeben" werde. Er soll sich mehreren Medienberichten zufolge weiter im Kreis seiner Familie erholen. Eine Entscheidung über ein Comeback soll nach mehreren kardiologischen Tests Ende dieses Jahres fallen, heißt es in mehreren Medien.

Spielen ja, aber nicht in Italien

Eine Fortsetzung der Karriere wäre aus medizinischer Sicht möglich. Das zeigt unter anderem der Fall des niederländischen Nationalspielers Daley Blind, der bei Ajax Amsterdam spielt. Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule in Köln erklärte gegenüber ntv.de: "Er wird keine Schäden davontragen - zumindest keine körperlichen. Er war ja nach dem Vorfall relativ schnell wieder ansprechbar. Somit könnte er als Profifußballer weitermachen. Ob er das auch will, da bin ich mir nicht so sicher. Denn so ein lebensbedrohliches Ereignis hinterlässt Spuren in der Psyche."

Allerdings müsste sich Eriksen für die Fortsetzung seiner Karriere einen neuen Verein suchen. Denn in Italien, wo er bei Meister Inter Mailand eigentlich noch bis 2024 unter Vertrag steht, bekommt der 29-Jährige keine Spielgenehmigung mehr. Das hat Fabrizio Braconaro, Mitglied der wissenschaftlichen Kommission beim italienischen Verband, erklärt. Das Erteilen einer Genehmigung für einen Profi mit eingesetztem Defibrillator sei nicht möglich.

Die dänischen Fußballer sind derweil in dieser Woche für ihren Mut und die Art, wie sich selbst in größten Schock ihrer Karriere stützten, mit dem Preis des Internationalen Fairplay-Komitees ausgezeichnet worden. Das schweißte eine ganze Mannschaft und ein ganzes Land ganz eng zusammen. "Von Nord nach Süd, von Ost nach West: Das ist UNSERE Nationalmannschaft", sagte Hjulmand nach dem Österreich-Spiel am Dienstagabend (1:0) stolz. "Daran haben so viele einen Anteil."

Quelle: ntv.de, tno

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