Fußball

Am Tag der Tumor-Diagnose Ermittler durchwühlen Russ' Hotelzimmer

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Marco Russ ist an einem Tumor erkrankt und war nicht gedopt.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Die Tumordiagnose von Eintracht-Spieler Marco Russ schockt die Fußballwelt. Die Nationale Anti-Doping-Agentur stellt hohe HCG-Werte in seinem Blut fest, die auch krankheitsbedingt sein könnten. Doch da sind die Spürhunde schon unterwegs.

Der Schock saß tief. Die positive Dopingprobe, die erschütternde Diagnose, die Polizeibeamten vor dem Hotelzimmer - der Fußball war für Eintracht Frankfurts Vize-Kapitän Marco Russ am Mittwochabend eigentlich ganz weit weg. Doch der 30-Jährige dachte keine Sekunde daran aufzugeben. Er wollte spielen. Im Flutlicht der Relegation, am Donnerstagabend, in einem der wichtigsten Spiele seiner Karriere.

"Marco hat dem Trainer mitgeteilt, dass er sich zum Spiel bereit fühlt", sagte Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen im FFH-Radio vor dem Hinspiel um den Klassenerhalt gegen den 1. FC Nürnberg. Russ, bei dem laut des Klubs eine "schwere Tumorerkrankung" diagnostiziert worden war, "wirkte sehr gefasst". Das ist fast ein Wunder.

Von der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war die Eintracht zunächst über eine positive Dopingprobe des Verteidigers informiert worden. Die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada wies aber sofort darauf hin, dass hinter dem auffällig hohen Wert des Schwangerschaftshormons HCG mehr stecken könnte. Schlimmeres.

Staatsanwaltschaft durchsucht Hotelzimmer

"Eine umgehend von unserem Internisten eingeleitete Untersuchung bei einem urologischen Facharzt" habe dann die schwere Erkrankung ergeben, schrieben die Hessen: "Dieser Befund wurde noch am Abend durch die sofort eingeleitete Blutuntersuchungen von einem biochemischen Institut leider bestätigt."

Dennoch wurde Russ' Hotelzimmer von Beamten der Frankfurter Staatsanwaltschaft durchsucht - allerdings im Einklang mit dem Gesetz. Im Anschluss stand dem Verteidiger der gesamte deutsche Fußball zur Seite. "Unsere Duelle mögen noch so wichtig sein, noch viel wichtiger ist aber, dass Marco wieder gesund wird", twitterte Relegations-Gegner Nürnberg.

"Manchmal rückt Fußball in den Hintergrund"

Ähnliches schrieben viele weitere Klubs und Spieler. "Manchmal rückt der Fußball in den Hintergrund", schrieb Absteiger Hannover 96, auch Lokalrivale Darmstadt 98 wünschte Russ "von Herzen alles Gute". Ex-Mannschaftskollege Kevin Trapp (Paris St. Germain) äußerte bei Facebook: "Mein Freund, die Nachricht hat uns alle sehr getroffen und geschockt! Ich weiß, dass du ein Kämpfer bist und schon viel durchgestanden hast. Deswegen weiß ich, dass du auch diese schwierige Situation meistern und kämpfen wirst!" Welche weiteren medizinischen Schritte für Russ nun folgen werden, oder müssen, blieb zunächst offen. Laut der Eintracht gaben die Ärzte zumindest für Donnerstagabend aber grünes Licht für den Fußballprofi.

"Man wird ja mit vielen Fragen konfrontiert im Laufe eines Fußballdaseins und alles ist neu, und auch das ist ein Sachverhalt, den ich so nicht einschätzen kann und welche Auswirkungen er auf die Mentalität unserer Spieler hat", sagte Bruchhagen: "Aber es wird gespielt, es muss gespielt werden und da kann man einfach nur erwarten, dass sie hochkonzentriert in das Spiel gehen und möglicherweise auch für Marco Russ spielen."

Die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft erfolgten nach den Vorgaben des relativ neuen Anti-Doping-Gesetzes. Die Beamten klopften in dem Hotel, in dem die Eintracht vor dem Relegationsspiel übernachtet hat. Zum Zeitpunkt der Durchsuchung habe aber noch kein ärztliches Gutachten mit der Diagnose vorgelegen, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. "Wir mussten tätig werden", sagte sie. Die Durchsuchung sei völlig unspektakulär verlaufen, Russ habe keinerlei Einwände gehabt.

Quelle: n-tv.de, Jan Mies und Nicolas Reimer, sid

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