Fußball

Harte Kritik auch an Klopp & Co Ex-Schiri sieht "kriegsähnliche Zustände"

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Thorsten Kinhöfer und ein Jürgen Klopp, der mal wieder Redebedarf hat.

(Foto: imago sportfotodienst)

"Kriegsähnliche Zustände" sieht Thorsten Kinhöfer, einer der renommiertesten Schiedsrichter des Landes, inzwischen auf den Plätzen der Fußball-Bundesliga. "Was die genommen haben", fragt sich der ehemalige Fifa-Referee - und kritisiert in einem Interview prominente Akteure scharf.

Der Rempler von Eintracht Frankfurts Kapitän David Abraham gegen den Freiburger Trainer Christian Streich? "Sieben Wochen Sperre sind das untere Strafmaß! Aber: Die Spieler schalten auf dem Platz alles aus, ihnen ist alles egal. Auch hohe Strafen." Das gemeinsame Versöhnungsfoto von Abraham mit Freiburgs Vincenzo Grifo, der nach einem Angriff auf den Frankfurter ebenfalls Rot gesehen hatte? "Da fühle ich mich verarscht! Erst wollte Grifo Abraham fast umbringen, dann ist auf einmal wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Das haben die doch nur gemacht, um ihre Strafen gering zu halten."

Und wie ist es um die Arbeitsbedingungen der Schiedsrichter auf den Plätzen der nationalen Fußball-Profiligen derzeit bestellt? "Das sind mittlerweile kriegsähnliche Zustände! Ich frage mich immer, was die genommen haben, um so von null auf 100 zu kommen."

Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer kritisiert in der "Bild"-Zeitung Akteure aus dem Profibetrieb scharf. Jürgen Klopp, der Trainer des Champions-League-Siegers FC Liverpool, "den jeder mag, verliert jedes Maß, wenn etwas gegen seine Mannschaft entschieden wird. Auch wie sich Guardiola im Spiel gegen Liverpool aufgeführt hat - unfassbar", schimpft Kinhöfer, der zwischen 2001 und 2015 insgesamt 213 Bundesligaspiele geleitet hat. "Wir haben eine unfassbare Aggression auf dem Platz. Bei jeder Hand-Entscheidung rennen sieben oder acht Spieler auf den Schiri, schreien auf ihn ein."

"Müssen uns nicht wundern ... "

So sei es kaum verwunderlich, dass auch in den unteren Klassen die Aggression gegen die Schiedsrichter steige, der Respekt dafür immer weiter abnehme. "Bei diesen Vorbildern müssen wir uns nicht wundern, dass im Amateurfußball Woche für Woche Schiedsrichter beleidigt, bedroht und verprügelt werden." Kinhöfers These wird auch aus der Wissenschaft gestützt. Der Fanforscher Gunter A. Pilz macht das Verhalten der Akteure in den Profiligen auch teilweise für die hohe Zahl an verbalen und körperlichen Angriffen auf Schiedsrichter in unterklassigen Spielen verantwortlich.

"Wer das Verhalten der Trainer und Spieler teilweise mitkriegt, denkt sich, es gehört zum guten Ton, dass man die Schiedsrichter grenzenlos anpöbeln kann. Das wirkt sich natürlich aus", sagte der Wissenschaftler und Vorsitzende des Netzwerkes "Sport und Politik für Fairness, Respekt und Menschenwürde" bei einer Fachkonferenz in Frankfurt. Ob Besserung in Sicht ist? Kinhöfer ist wenig optimistisch: "Fairer Umgang auf dem Spielfeld, Respekt gegenüber Gegenspielern und Schiedsrichtern sind nur leere Worte."

Eintracht Frankfurt hat blitzartig Einspruch gegen das Strafmaß für seinen rempelnden Kapitän eingelegt. Wenn der DFB in Frankfurt die Berufung gegen die Sieben-Woche-Sperre verhandelt, werden sicher auch Thorsten Kinhöfer und Gunter A. Pilz ganz genau hinsehen. Pilz präsentierte just in Frankfurt übrigens ein Beispiel für eine Bestrafung, das in seinen Augen Schule machen sollte: In Niedersachsen musste ein Spieler, der einen Unparteiischen tätlich angegriffen hatte, einen Schiedsrichter-Lehrgang absolvieren und mindestens drei Spiele leiten. Im Gegenzug wurde seine Sperre halbiert. "Er hat sich danach nichts mehr zuschulden kommen lassen, aber was noch viel wichtiger war: Wann immer seine Mitspieler auf den Schiedsrichter losgegangen sind, hat er sich sofort dazwischen gestellt", betonte Pilz. Ob David Abraham und Eintracht Frankfurt der Idee zustimmen würden?

Quelle: n-tv.de, ter/sid

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