Fußball

Alle frohlocken, nur van Gaal grantelt FC Bayern feiert Robben

Arjen Robben reißt die Bayern beim höchsten Saisonsieg mit, Mario Gomez trifft dreimal. Nach dem 5:1 gegen Kaiserslautern bejubelt der deutsche Meister einen "optimalen Spieltag", die Fans träumen von der Meisterschaft. Nur Trainer van Gaal ist angefressen - wegen Präsident Uli Hoeneß.

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Belebung für die Bayern: Arjen Robben war zu gut für den 1. FC Kaiserslautern.

(Foto: REUTERS)

Das schönste Geburtstagsgeschenk machte sich der von allen umschwärmte Turbo-Kicker Arjen Robben selbst. "Es war ein Supergefühl, wieder das erste Tor zu schießen. Davon kann man nur träumen, da denkt man an die sechs Monate harte Arbeit", berichtete der Niederländer, der am Sonntag 27 Jahre alt wurde, strahlend nach seinem mitreißenden Startelf-Comeback beim höchsten Saisonsieg des FC Bayern: "Es macht einfach wieder Spaß, Fußball zu spielen."

Letztmals hatte Robben am 8. Mai 2010 (3:1 bei Hertha BSC) in der Fußball-Bundesliga getroffen. Robben schoss und dribbelte 74 Minuten lang nach Herzenslust, ließ den verletzten Franck Ribéry vergessen, erzielte das wichtige 1:0 (45.+1). Bisweilen übertrieb er den Eigensinn, wie er einräumte: "Am Anfang habe ich zu viel gewollt."

Trotzdem riss Robben die anfangs schwachen Bayern mit, leitete auch den ersten von drei Gomez-Treffern (46.) ein. Und nach seiner Auswechslung bejubelte er das weitere Schützenfest durch Gomez (80./85.), der sich mit seinem dritten Dreierpack der Saison an die Spitze der Torjägerliste schoss, und Thomas Müller (90.+1). Für Kaiserslautern war Jan Moravek erfolgreich (62.), nach einem Patzer des für Breno in die Münchner Wackelabwehr zurückversetzten Anatoli Timoschtschuk.

Ungewöhnliche Weltklasse

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Auf dem Weg zum 1:0: Kurz vor der Pause brach Robben mit dem Führungstor den Bann.

(Foto: dpa)

"Dass Arjen nach sechs Monaten Pause so eine Weltklasseleistung abliefert, ist absolut ungewöhnlich und beeindruckend", schwärmte Sportdirektor Christian Nerlinger: "Er ist für uns unersetzlich." Karl-Heinz Rummenigge trauerte der Hinrunde nach, in der die Münchner ohne Robben Dortmund enteilen ließen: "Wenn wir die fünf Monate mit ihm verbracht hätten, hätten wir mindestens zehn Punkte mehr."

So sind es nach einem "optimalen Spieltag für uns" (Nerlinger) immer noch 14 Zähler Rückstand auf den Tabellenführer. Immerhin ist Platz zwei und die direkte Champions-League-Qualifikation wieder nah. "Wir sind auf dem richtigen Weg", meinte Trainer Louis van Gaal.

Vollmundige Kampfansagen verkniffen sich die Bayern dennoch. "Wir müssen aufhören, über die Meisterschaft zu reden. Das sage ich auch, wenn die Dortmunder noch zweimal verlieren", meinte Robben. Auch Rummenigge empfiehlt, auf "wöchentliche Wasserstandsmeldungen" zu verzichten. Van Gaal sagte jedoch: "Dortmund hat Punkte verloren, wir gewonnen. Natürlich guckt man nach oben, Hoffnung gibt es immer. Das hat man ja auch bei den Fans gehört." Die  Anhänger jubelten laut, als das 1:1 von Borussia Dortmund auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde, und stimmten ein "Deutscher Meister wird nur der FCB" an.

Balsam für den Trainer

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Angefressen: Bei Trainer Louis van Gaal wirkt die neuerliche Präsidenten-Schelte trotz des Sieges nach.

(Foto: dpa)

Für den eigenwilligen Trainer kam der höchste Saisonsieg gerade recht. Denn Uli Hoeneß hatte am Spieltag mit Interview-Aussagen in der "Süddeutschen Zeitung" neue Unruhe gesät und Gräben aufgerissen. Der Präsident bemängelte den viel zu großen Rückstand auf Dortmund und forderte von van Gaal mindestens "Platz zwei, eine gute Champions League und ein schönes Pokalfinale". Das Verhältnis des Präsidenten zum Trainer ist weiterhin gestört: "Es ist die Frage, ob man immer mit dem Kopf durch die Wand muss", hielt Hoeneß dem Holländer vor.

"Er ist der Präsident, er darf das machen", murrte van Gaal zurück und beklagte, dass man doch gemeinsam verabredet hatte, Probleme nur noch intern anzusprechen und zu beseitigen. "Er ist die Ikone - und ich kann dieser Ikone nicht widersprechen", sagte van Gaal vergrätzt.

Während Nerlinger die "gewisse Besorgnis" von Vereinsoberhaupt Hoeneß "sehr ernst" nimmt, empfahl Rummenigge, mit der Kritik "gelassen umzugehen". Dass Hoeneß "Druck" macht und sportlichen Erfolg fordere, sei "kein Ding, das neu ist beim FC Bayern. Das kenne ich jetzt seit über dreißig Jahren, das ist der normale Alltag!"

Quelle: ntv.de, dpa/sid