Fußball

Spielfreudig wie selten zuvor FC Bayern zerlegt Leipzigs Rasenballsportler

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(Foto: imago/Picture Point LE)

Mit einer beachtlichen Leistung verabschiedet sich der FC Bayern als Spitzenreiter der Bundesliga in die Winterpause. Während die Münchner richtig aufdrehen, dezimieren sich die Leipziger früh selbst. Am Ende wird der Emporkömmling klar in die Schranken gewiesen.

Es war ein Spitzenspiel, durchaus. Mit 3:0 (3:0) hat der FC Bayern an vor 75.000 Zuschauern in München die bis dahin punktgleichen Leipziger geschlagen, zeigte sich spielfreudig wie selten in dieser Saison, bleibt auch nach 16 Spieltagen Tabellenführer der Fußball-Bundesliga - und darf mit der Gewissheit in die Weihnachtspause gehen, als Serienmeister zumindest in dieser Partie den Emporkömmling in die Schranken gewiesen zu haben. Der Aufsteiger und sein Trainer Ralph Hasenhüttl überwintern auf dem zweiten Platz - mit respektablen sechs Punkten vor Hertha BSC.

FC Bayern - RB Leipzig 3:0 (3:0)

Tore: 1:0 Thiago (17.), 2:0 Xabi Alonso (25.), 3:0 Lewandowski (45./Foulelfmeter)
München: Neuer - Lahm, Martínez, Hummels, Alaba (67. Bernat) - Vidal (74. Kimmich), Xabi Alonso - Robben (45. Ribéry), Thiago, Douglas Costa - Lewandowski
Leipzig: Gulacsi - Bernardo, Ilsacker, Orban, Halstenberg - Keita (45. Kaiser), Demme - Sabitzer (82. Burke), Forsberg - Werner (59. Selke), Poulsen
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 75.000 (av)

Thiago Alcántara, Xabi Alonso und Robert Lewandowski per Foulelfmeter trafen bereits vor der Pause für die Bayern. Und da zudem der Leipziger Emil Forsberg nach einer halben Stunde die Rote Karte wegen eines arg groben Foulspiels gesehen hatte, war die Messe damit zur Pause gelesen. Ob die Bayern damit allerdings die Machtverhältnisse im deutschen Fußball zu ihren Gunsten zurechtzurücken - das wird sich erst noch weisen müssen. An diesem empfindlich kalten Dezemberabend aber schwelgten die Fans der Münchner in einer Art vorweihnachtlicher Glückseligkeit, da die Mannschaft ihnen genau das präsentierte, was sie sich erhofft hatten - einen deutlichen, souveränen und verdienten Sieg gegen RB. Und so riefen sie: "Deutscher Meister wird nur der FCB, nur der FCB!"

Müller sitzt nur auf der Bank

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Nur Thomas Müller dürfte nicht ganz glücklich gewesen sein. Carlo Ancelotti hatte den deutschen Nationalspieler bei seinem 19. Sieg im 25. Spiel als Trainer der Bayern auf der Bank gelassen. Das war aber keineswegs einer defensiven Münchner Grundordnung geschuldet. Ancelotti zog dem Weltmeister einfach vier andere Offensivspieler vor. Vor der robusten Doppelsechs mit Xabi Alonso und Arturo Vidal übernahm Thiago im 4-2-3-1 wieder den Part des zentralen Spielmachers, also Müllers erklärte Lieblingsposition. Rechts stürmte Arjen Robben, links Douglas Costa, vorne drin Robert Lewandowski.

Beim 1:0 in Darmstadt hatte Müller noch auf der rechten Seite gespielt, nachdem er beim 5:0 gegen Wolfsburg und beim 3:1 in Mainz auf seiner Lieblingsposition hinter Lewandowski hatte spielen dürfen. Im bisher wichtigsten Spiel dieser Saison aber blieb er draußen. Aber wie hatte es Ancelotti am Tag vor der Partie gesagt: Es werde enttäuschte Spieler geben. Und ja, Müller sei fit und arbeite gut. "Aber ich arbeite nicht für einzelne Spieler, ich arbeite für den Verein."

Poulsen vergibt, dann spielt Bayern

Und das Spiel seiner Mannschaft gab ihm Recht. Nachdem Yussuf Poulsen gleich nach vier Minuten nur sehr knapp vor dem Tor von Manuel Neuer gehüteten Tor der Bayern am Ball und damit an der Führung der Leipziger vorbeigerutscht war, warfen die Münchner ihre Passmaschine an, erarbeiteten sich in der ersten Halbzeit gegen die Konterspezialisten aus Sachsen gut 70 Prozent Ballbesitz - und schossen, nicht ganz unwichtig, drei Tore.

Nach einer guten Viertelstunde war es Kapitän Philipp Lahm, der auf seiner rechten Seite nach vorne marschierte und flach in den Strafraum flankte. Dort verarbeitete Lewandowski den Ball direkt, setzte ihn aber an den Pfosten. Glück im Münchner Unglück: Von dort sprang der Ball zu Thiago, der ihn mit dem rechten Oberschenkel über die Linie beförderte (17). Nur acht Minuten später folgte der zweite Streich. Leipzigs Sechser Naby Keita verlor den Ball an Vidal, und nach den Stationen Lewandowski und Thiago war es Xabi Alonso, der mit einen einem Schuss ins linke Eck (25.) für das zweite Tor des Abends sorgte. Zwischendurch hatte Douglas Costa noch das Aluminium getroffen. Die Bayern waren also deutlich am Drücker, die Leipziger liefen nur noch hinterher - so auch Emil Forsberg.

Forsberg hat sich nicht im Griff

Der Schwede ist einer der feinsten Fußballer, den die Leipziger in ihren Reihen haben. Doch nach einer halben Stunde war die Partie für ihn vorbei, weil er sich nicht unter Kontrolle hatte. Felix Zwayer hatte zwar bereits die Gelbe Karte in der Hand, doch die Bayern-Spieler protestierten vehement im Rudel - und nach kurzer Rücksprache mit dem Linienrichter zeigt der Schiedsrichter dann Forsberg völlig zurecht die Rote Karte, weil der Leipziger dem Münchner Kapitän Philipp Lahm mit Anlauf und im Flug in die Hacken getreten hatte. Es war, auch irgendwie ein Rekord, der erste Platzverweis der nun 16 Spiele währenden Bundesligageschichte der Rasenballsportler.

Und kurz vor der Pause setzten die Münchner noch einen drauf. Torhüter Peter Gulacsi hatte Douglas Costa, der nach einem Pass des urplötzlich erblondeten Innenverteidigers Mats Hummels auf ihn zustürmte, am linken Strafraumeck tochiert - ein Kann-Elfmeter, den Referee Zwayer gab. Und eine Gelegenheit, die sich Lewandowski neuerdings nicht mehr entgehen lässt. Ein kurzer, verzögerter Anlauf, Torhüter verladen - schon stand es 3:0. Und niemand glaubte mehr ernsthaft daran, dass die Leipziger, zumal dezimiert, noch einmal zurückkommen würden - was sie dann aber insofern taten, indem sie nach der Pause zumindest den Schaden begrenzten.

Dominante Verwaltung

Allerdings gingen die Bayern nun auch nicht mehr Risiko ein, als unbedingt nötig war. Sie schoben sich den Ball im Mittelfeld zu, ruhig, abgeklärt und mit dem Wissen, das die Arbeit an diesem Abend getan war. Die Gäste sahen ihnen dabei meist nur zu, unterbrochen von einigen halbherzig wirkenden Versuchen, auch einmal an den Ball zu kommen. Allein die Fans aus Leipzig zeigten sich unverdrossen, sangen gegen die Niederlage und die Kälte an: "Vorwärts Rasenball, Leipzig überall!" Und vier Minuten vor dem Abpfiff donnerte der für Robben eingewechselte Franck Ribéry noch den Ball unter die Latte des Leipziger Tores, der Ball sprang aber wieder heraus - das war's.

Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern, hatte vor der Partie getönt: "Wer gegen den FC Barcelona, Real Madrid, Manchester United und was weiß ich wen noch alles gespielt hat, der ist auch für Rasenballsport bereit." An diesem Abend haben die Münchner eindrucksvoll gezeigt, dass sie es tatsächlich sind.

Quelle: n-tv.de

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