Fußball

Verleumdungen und Unwahrheiten FCB zeigt Uefa-Mitarbeiter an

Zwei Mitarbeiter der Uefa sollen den FC Bayern München diskreditiert haben. Sie hätten unter anderem behauptet, Bayern habe das Halbfinal-Rückspiel im Uefa-Cup 2008 an die Russen-Mafia verkauft. Die Münchner erstatten Strafanzeige, die Uefa zeigt sich geschockt.

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Einer der beiden beschuldigten Uefa-Ermittler: Peter Limacher. (Archivbild)

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Im Kampf um seine Reputation fährt der FC Bayern München schwere Geschütze gegen die Europäische Fußball-Union (Uefa) auf. Der deutsche Rekordmeister hat am Mittwoch gegen Uefa-Chefermittler Peter Limacher und dessen Mitarbeiter Robin Boksic bei der Staatsanwaltschaft München I Strafanzeige erstattet und Strafantrag gestellt. Der Branchenprimus reagierte damit auf einen Bericht des Magazins "Stern", nach dem beide Personen mit massiven Unwahrheiten und Verleumdungen Clubs, Verbände und Personen im Profifußball, darunter den FC Bayern München, diskreditiert haben sollen.

Die Europäische  Fußball-Union (UEFA) wies die Vorwürfe zurück. In einem Brief an Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz  Rummenigge habe man sich schockiert über die Münchner Reaktion gezeigt. Die  Bayern hätten bei der Staatsanwaltschaft München Verleumdungsklage  gegen Limacher eingereicht. Der Verband kündigte seinerseits rechtliche Schritte an, "um die eigene Integrität und die Integrität von Herrn Limacher zu verteidigen".

"Ich bin extrem überrascht über die Reaktion des FC Bayern. Wir haben sie nie wegen irgendetwas als schuldig angesehen, und ich bin  überrascht, dass sie die Uefa so attackieren", sagte  Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino: "Es ist traurig und es sieht  so aus, als ob sie überreagieren." Limacher stehe an der Front  eines sehr schwierigen Kampfes gegen Korruption, "und er genießt unser volles Vertrauen", betonte Infantino.

Laut "Stern" ist Limacher bei mehreren seiner Ermittlungen falschen Informationen von Boksic aufgesessen. Dabei gehe es auch um die Vorwürfe, der FC Bayern habe das Halbfinal-Rückspiel im Uefa-Cup 2008 gegen Zenit St. Petersburg (0:4) an die Russen-Mafia verkauft. Die Bayern hatten diese Anschuldigungen stets als "völlig aus der Luft gegriffen" zurückgewiesen.

Personelle Konsequenzen nötig

"Der FC Bayern hat heute Uefa-Präsident Michel Platini aufgefordert, zu diesen Verleumdungen Stellung zu beziehen und umgehend eine Erklärung abzugeben", heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Darüber hinaus erwarte der FC Bayern München "sofortige personelle Konsequenzen bezüglich Peter Limacher und Robin Boksic".

In einem Zeitungsinterview wies Limacher die Vorwürfe zurück, er habe falsche Beschuldigungen gegen den FC Bayern verbreitet. Die ihm vom "Stern" zugeschriebenen Äußerungen habe er nicht getätigt, sagte Lindacher der "Financial Times Deutschland". "Das entbehrt jeglicher Grundlage", sagte er dem Blatt, "das habe ich nie gesagt". Boksic bezeichnete Limacher als "absolut sichere Quelle". Entsprechende Belege oder gar Beweise für die Anschuldigungen war das Ermittler-Duo schuldig geblieben.

Boksic soll aus dem Umfeld der Sapina-Brüder, die in Deutschland als Drahtzieher im Hoyzer-Skandal bekanntgeworden sind, stammen. Der Kroate gebe sich als BND-Agent aus und werde von Limacher als "Uefa-Investigator" beschäftigt, schreibt der "Stern". Dem Magazin zufolge sei Boksic, gegen den in Deutschland und Kroatien mehrere Anzeigen wegen Betrugs anhängig sein sollen, von Limacher auch zur Fußball-WM nach Südafrika geschickt worden. Dort habe er dem Weltverband Fifa erzählt, dass mehrere Nationalteams bestochen seien.

In einem geheimen Fifa-Dossier sei Boksic nun als Hochstapler identifiziert worden, berichtet der "Stern". Der Kroate habe "die Uefa wahrscheinlich sehr schwer beschädigt", zitierte das Magazin aus dem Bericht der Fifa-Sicherheitsleute. Ferner werde in dem Report vermutet, "dass die Uefa ihre eigene Unterwanderung finanzierte".

Verdachtsmomente in Spanien

Die für Korruption zuständige Staatsanwaltschaft in Spanien hatte das Uefa-Pokal-Halbfinal-Rückspiel zwischen Petersburg und den Bayern im Mai 2008 untersucht. Anlass für die Vorermittlungen waren mehrere Zitate aus Abhörprotokollen der spanischen Justiz von russischen Mafiosi, die sich brüsteten, den Münchner Club mit "50 Millionen" bestochen zu haben.

Gegenüber dem spanischen Staatsanwalt José Grinda hätten Limacher und Boksic laut "Stern" behauptet, es gebe gerichtsfeste Belege für die Käuflichkeit des FC Bayern. Ihren Angaben zufolge sollen der Uefa Kontoauszüge in achtstelliger Höhe auf ein Konto des FC Bayern vorliegen. Zudem soll es nach den Berichten der Uefa-Ermittler Hausdurchsuchungen bei Präsident Uli Hoeneß, Finanzvorstand Karl Hopfner und einem namentlich nicht genannten Bayern-Spieler gegeben haben. In dessen Wohnung habe man neben einer Million US-Dollar auch Kokain gefunden", berichtet das Magazin.

Quelle: n-tv.de, dpa

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