Fußball

"So weit nicht mehr weg" Famoser Goretzka jagt die Weltmeister

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Festgespielt: Leon Goretzka im DFB-Team von Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: REUTERS)

Schalkes Leon Goretzka hat etwas von Toni Kroos, von Sami Khedira und auch von Mesut Özil - und sorgt beim Confed Cup für Furore. Mit dem schnellsten Doppelpack der DFB-Geschichte schießt er die Löw-Elf ins Finale. Jetzt will er mehr.

Die Sau rauslassen wollte er dann nicht. Das ist nicht seine Art, das ist nicht die Art seiner Generation, die mitunter damit leben muss, den Ruf hochtalentierter Streber zu haben. Aber gut Fußball spielen, das können sie. Allen voran Leon Goretzka. Der gebürtige Bochumer in Diensten des FC Schalke 04 hat am Donnerstagabend in Sotschi nicht nur die deutsche Nationalmannschaft mit zwei Toren beim 4:1 (2:0) gegen Mexiko ins Endspiel des Confed Cups geschossen. Er ist auch derjenige, der seine Chance, sich in diesem Perspektivteam für mehr zu empfehlen, am nachdrücklichsten genutzt hat. "Für mehr", das heißt: für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.

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Die Fifa hatte ihn in einer wenig exklusiven Einschätzung zum Mann des Spiels wählen lassen. Und so erschien Leon Goretzka zur Pressekonferenz im Bauch des Olympiastadions Fisht - und wirkte gar nicht wie einer, der durchaus Grund zu feiern hatte. Frisch geduscht, gekämmt, den obersten Knopf des weißen Poloshirts geschlossen und die Akkreditierung brav um den Hals gehängt, saß er auf dem Podium und sagte: "Ich habe mich sehr darüber gefreut, der Mannschaft mit zwei Toren helfen zu können." Das mit den zwei Toren war zwar nicht falsch, aber etwas aufregender war es schon - auch wenn das mit der frühesten 2:0-Führung in der 109 Jahre währenden Länderspielgeschichte eher etwas für Statistikfetischisten ist. Und er hatte seinem Team tatsächlich geholfen, denn im Grunde war die Partie nach acht Minuten gelaufen, auch wenn die Mexikaner nicht aufgaben.

Eine sehr scharfe Flanke des Leverkuseners Benjamin Henrichs, mit 20 Jahren jüngstes Mitglied der deutschen Confed-Cup-Combo, verwandelte Goretzka mit beeindruckender Selbstverständlichkeit direkt aus 17 Metern. Das 2:0 gelang ihm ebenso lässig nach einem wunderbaren Pass des Kollegen Timo Werner in den Strafraum. Irgendjemand hat ausgerechnet, dass zwischen beiden Toren exakt 109 Sekunden lagen. Dem Ziel der DFB-Elf, früh präsent zu sein und dem Gegner den Schneid abzukaufen, war es so oder so zuträglich.

Die Wertung der erfolgreichsten Torschützen dieser Mini-WM führt er nun mit seinen drei Treffern vor dem Portugiesen Cristiano Ronaldo an - zusammen mit Werner. Der lobte Goretzka ungewohnt martialisch: "In den ersten zehn Minuten hat er alles zerbombt, was ihm vor die Füße kam. Wer von uns beiden in der Torjägerliste am Ende nun ganz oben stehen wird, dürfte uns beiden relativ egal sein. Wir wollen das Turnier gewinnen."

"Da gehört nicht mehr viel zu"

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Kämpfer, Stratege, Vollstrecker: Goretzka kann alles.

(Foto: REUTERS)

Es war nicht Goretzkas erster guter Auftritt in Russland. Beim 3:2 gegen Australien zum Auftakt hatte er als Achter im offensiven Mittelfeld eines seiner bis dahin besten Länderspiele absolviert, auch beim 1:1 gegen Chile überzeugte er auf dieser Position. Nun gegen Mexiko war er neben dem Hoffenheimer Sebastian Rudy der offensivere Teil der Doppelsechs. Der Bundestrainer sieht da nicht so den großen Unterschied und sagte lapidar: "Er kann beides." Goretzkas Qualität liege vor allem darin, dass er sich nicht zu schade sei, unfassbar viel zu laufen - wie er es auch vor dem zweiten Tor getan habe, als er aus dem defensiven Mittelfeld nach vorne stürmte. "Er ist für jeden Gegner schwer zu verteidigen. Leon hat in der Anfangsphase grandios gespielt, weil er die Wege in die Tiefe macht und zum Abschluss kommt." Er habe, konstatierte Löw, eine "unheimliche fußballerische Klasse".

Nun ist es nicht so, dass Toni Kroos, Sami Khedira oder Mesut Özil um ihren Platz im Kader für die WM 2018 in Russland bangen müssen, nur weil dieser Goretzka drei gute bis sehr gute Spiele beim Confed Cup gemacht hat. Aber er hat bewiesen, dass er einer ist, der den Etablierten im zentralen Mittelfeld eher früher als später durchaus Konkurrenz machen kann. Sein Vorteil ist, dass er an guten Tagen - und gestern war so einer - von allen drei Weltmeistern etwas hat: von der defensiven Stabilität Khediras, den Kroos'schen Taktgeberkünsten, dem Ideenreichtum Özils.

Und was sagt Goretzka? "Wir haben immer gesagt, dass dies eine gute Gelegenheit ist, sich zu präsentieren. Es macht Spaß, in dieser sehr guten Mannschaft mit diesen sehr guten Einzelspielern, die einen gekonnt in Szene setzen, zu spielen." Kurzum: "Mir wurde der Ball zwei Mal sehr gut aufgelegt, da gehört nicht mehr viel zu, den reinzuschießen."

Er tritt bescheiden auf. Aber Goretzka weiß schon, was er will. In  Gelsenkirchen machen sie sich große Sorgen, dass er sie eher früher als später verlässt. Das Interesse des FC Bayern wollen die Schalker wohl mit einem Mega-Vertrag kontern. Und in Sotschi wurde er noch gefragt, ob er jemals damit gerechnet habe, dass diese junge deutsche Mannschaft dieses Turnier tatsächlich gewinnen könne. "Jetzt ist es ja nur noch ein Spiel", sagte er. "Von daher stehen die Chancen gar nicht so schlecht."

Quelle: n-tv.de

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