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"Massive Polizeigewalt" zuvor?Schweigen und Verletzte in Berlin: Fan-Kurven boykottieren Tradionsklub-Duell

17.01.2026, 21:25 Uhr
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Die Hertha-Fans sind weg, haben aber ein "ACAB" als Botschaft hinterlassen. (Foto: picture alliance / BEAUTIFUL SPORTS)

Stille als Zeichen: Fans von Hertha BSC und Schalke 04 protestieren im Olympiastadion gegen ihrer Ansicht nach unverhältnismäßige Polizeieinsätze. Die Berliner Anhänger hinterlassen den Beamten eine Botschaft beim Gehen.

Vor dem Topspiel der 2. Fußball-Bundesliga zwischen Hertha BSC und Schalke 04 sind laut der Hertha-Fanhilfe bei Zwischenfällen mit der Polizei mindestens 30 Fans verletzt worden. Mehrere Personen hätten sich in die Notaufnahmen begeben müssen. Über die Art der Verletzungen wurden keine Angaben gemacht.

Die Organisation beklagte einen überharten Einsatz der Sicherheitskräfte. Die Situation werde von der Einsatzleitung am Stadion bewertet. Die Hertha teilte mit, dass es vor dem Spiel einen Zwischenfall zwischen Fans und der Polizei vor dem Stadion gegeben habe. Details würden geprüft.

Polizei beklagt Fangewalt

Nach dem Spiel beklagte die Polizei ihrerseits massive Fangewalt. Mehrere Personen seien festgenommen worden. Ihrer Statistik zufolge seien 31 Berliner Fans und 21 Polizisten verletzt worden. Über die Art der Verletzungen der Polizisten wurden keine Angaben gemacht. Die Fans hätten vorwiegend wegen der Folgen eines Pfeffersprayeinsatzes behandelt werden müssen, teilte die Polizei mit.

"Am Stadioneingang zur Ostkurve sollen Kollegen nach Beleidigungen von vermummten Fans u.a. mit Absperrgittern beworfen und mit Schlagwerkzeugen attackiert worden sein", teilte die Berliner Polizei auf X kurz nach der Partie mit. "Aufgrund der Gewalt- und Bedrohungslage war es zum Schutz der Einsatzkräfte und unbeteiligter Zuschauenden notwendig, Pfefferspray gegen größere Gewalttätergruppen einzusetzen." Wegen des Verdachts der Beleidigung, der gefährlichen Körperverletzung und wegen des Verdachts des besonders schweren Falls des Landfriedensbruchs seien mehrere Personen festgenommen worden, hieß es weiter. "Die Ermittlungen und Auswertungen unserer Beweismittel und Aufnahmen dauern an."

Verunglimpfende Sprechchöre

Nach dem Spiel sagte Herthas Geschäftsführer Peter Görlich bei Sky, dass es noch keine genaueren Erkenntnisse gebe. "Ich weiß, dass es Verletzte gibt. Ich kann nicht sagen, wie stark die Menschen verletzt sind. Ich hoffe, dass es allen einigermaßen gut geht und es alle gut überstehen. Das ist nicht Sinn und Zweck vom Fußball, dass man ein Fußballspiel auf diese Art und Weise beendet." Ferner sprach er von einem "Worst-Case-Szenario".

Die aktiven Fan-Szenen beider Klubs reagierten während des Spiels durch kollektives Schweigen auf die aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Polizeiaktion. Bei der Partie gab es phasenweise lediglich verunglimpfende Sprechchöre gegen Sicherheitskräfte von den Rängen, ansonsten herrschte in der mit mehr als 70.000 Zuschauern gefüllten Arena eine beklemmende Stimmung. Zum Anpfiff hatte es noch eine große Choreografie der Hertha-Fans anlässlich des zweiten Todestages des ehemaligen Präsidenten Kay Bernstein gegeben. Er starb am 16. Januar 2024 überraschend im Alter von 43 Jahren. Sein Tod stürzte den Klub in große Trauer.

Große Teile der Hertha-Fans verließen nach rund 20 Minuten die Ostkurve. Sie hinterließen einen blauen Schriftzug mit einer Polizei-Beleidigung. Die Schalke-Fans nahmen zur zweiten Halbzeit die Anfeuerung ihres Teams wieder auf. Nach gut 55 Minuten Spielzeit schallte auch das klassische "HaHoHe" der Hertha-Fans erstmals durch die Arena.

Vor dem Spiel hatte die Fanhilfe Hertha BSC in einer Pressemitteilung aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Hausdurchsuchungen vor einigen Tagen bei Anhängern des Hauptstadt-Klubs beklagt.

Quelle: ntv.de, ses/ara/sid/dpa

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