Fußball

Lichte übernimmt in Mainz Für Klopp würde er den Platz wieder räumen

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So sieht er aus, der neue Coach des FSV Mainz 05

(Foto: imago images/Martin Hoffmann)

Die Spieler streiken, die Mannschaft verliert, der Trainer muss gehen: Selten ging es bei Mainz 05 so zu wie in diesem Herbst. Jan-Moritz Lichte soll den Fußball-Bundesligisten nun als Trainer aus der gravierenden sportlichen Krise führen - als Interim oder sogar mehr.

Für Jürgen Klopp würde Jan-Moritz Lichte seinen neuen Platz auf der Bank sofort wieder räumen. "Wenn Kloppo keine Lust mehr auf den FC Liverpool hat und kommen will, bin ich der Erste, der seinen alten Vertrag wieder haben möchte", sagte der neue Coach des FSV Mainz 05 - der nicht nur wegen dieses Spruchs bei seiner Vorstellung den besten Eindruck auf dem Podium des krisengeschüttelten Fußball-Bundesligisten seit Wochen machte.

"Ich denke, dass ich ein netter Kerl bin", meinte Lichte, der sich bescheiden und demütig präsentierte: "Ich habe für mich schon früh gesagt, dass ich viel erreicht habe, wenn ich mit Fußball meinen Lebensunterhalt verdienen kann." In den vergangenen drei Jahren hat Lichte seinen Unterhalt als Co-Trainer der Mainzer verdient. Ob er nun langfristig in den Blickpunkt rücken wird, will der Nachfolger des am Montag entlassenen Achim Beierlorzer weder ausschließen noch forcieren.

"Ich war gerne Co-Trainer. Jetzt ist es eine neue Situation. Ich kann mir prinzipiell die Dauerlösung vorstellen. Ich bin aber gut beraten, alles Schritt für Schritt anzugehen", äußerte der 40-Jährige, der schon am Freitag (20.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) bei Union Berlin seine erste Bewährungsprobe bestehen muss: "Selbst wenn ich einen Zehnjahresvertrag habe, weiß ich doch nicht, wie lange es gehen wird."

Szalai und Mainz treffen sich vor Gericht

Mit dieser Einschätzung liegt Lichte sicher richtig. Schließlich haben die vergangenen Tage gezeigt, wie heiß das Pflaster in Mainz ist. Als Folge der Suspendierung des Stürmers Adam Szalai versank der Klub immer tiefer im Chaos. Nach einem Trainingsstreik der Profis und der zweiten Niederlage im zweiten Punktspiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart (1:4) erhielt Beierlorzer seine Papiere. Dass mit dieser Maßnahme keine Ruhe einkehren wird, war schon vor der Vorstellung Lichtes klar. Am Vormittag wurde bekannt, dass sich der Klub und Szalai vor Gericht wiedersehen werden. Das Arbeitsgericht Mainz hat für den 8. Oktober eine Verhandlung angesetzt. Szalai will erwirken, wieder am Mannschaftstraining teilnehmen zu dürfen. Licht sagte dazu, dass die Entscheidung gegen den Ungarn Bestand habe.

Am Mittwoch will sich der Vorstand noch einmal zu den Verwerfungen im Klub äußern. Der angezählte Sportvorstand Rouven Schröder machte schon am Dienstag klar, dass er weitermachen will. "Die Kritik an meiner Person muss ich akzeptieren", sagte Schröder: "Ich bin davon überzeugt, dass ich mit dem Verein das Ruder rumreißen kann. Ich lebe den Verein. Fehler gehören dazu, aber ich werde nicht aufgeben."

Lichte will sich auf seinen Job konzentrieren. Schon bei der ersten Einheit unter seiner Regie am Vormittag tigerte er unentwegt über den Platz. "Ich sehe die Aufgabe schon als schwierig an", äußerte der Coach, der die Ausbildung zum Fußball-Lehrer im Jahr 2011 als Jahrgangsbester abgeschlossen hat: "Die Mannschaft hat sich selbst zuzuschreiben, dass sie als schwierig gilt. Ich werde sie an der täglichen Arbeit messen."

Selbst wurde Lichte in der Bundesliga bislang nur einmal gemessen. Als Beierlorzer-Vorgänger Sandro Schwarz vor ziemlich genau einem Jahr für ein Spiel gesperrt war, trug Lichte am 5. Oktober beim SC Paderborn die Verantwortung - dabei sprang ein 2:1 für den FSV heraus.

Quelle: ntv.de