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Leipzig im DFB-Pokalfinale Fußball-Osten jubelt nicht automatisch für RB

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Beim Oberligaspiel 2010 zwischen Lok Leipzig und RB Leipzig kritisieren die Lok-Fans das Millionen-Projekt RB und Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz.

(Foto: imago sportfotodienst)

Im 30. Jahr nach dem Mauerfall will RB Leipzig den DFB-Pokal auch für den Fußball-Osten gewinnen. Doch will der das überhaupt? Die Euphorie rund um das Millionen-Projekt RB hält sich trotz gestiegener Akzeptanz in Grenzen, denn durch einen Pokalsieg würde "kein anderer Verein im Osten besser".

Vom verhassten Kunstprodukt zum Retter des Fußball-Ostens? Zumindest will RB Leipzig im Pokalfinale gegen Branchenprimus Bayern München nicht nur für sich den Titel holen. "Es ist 30 Jahre nach Mauerfall", sagt Klub-Repräsentant Perry Bräutigam, "vielleicht würden wir diesen Pokal nicht nur für die Stadt Leipzig gewinnen, sondern für den ganzen Osten."

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Aber will das der Osten überhaupt? Die Kritik am vor zehn Jahren mit vielen Millionen Euro aus dem Boden gestampften Projekt RB ist zwar leiser geworden, die Akzeptanz durch den Erfolg und die attraktive Spielweise gestiegen. Doch wirkliche Euphorie ist zwischen Mecklenburg und Sachsen nicht zu spüren, wenn der Klub am Samstag (20 Uhr im Live-Ticker bei n-tv.de) nach seinem ersten Titel greift. "Jetzt daraus zu schließen, der ganze Osten würde darauf warten, ist mir ein bisschen zu hoch gegriffen", sagte DDR-Rekordauswahlspieler Joachim Streich dem Sport-Informationsdienst (SID). Der frühere Torjäger von Hansa Rostock und vom 1. FC Magdeburg ergänzte: "Es ist ja nicht so, dass der Osten auf RB gewartet hätte." Auch in Magdeburg, Berlin und Dresden werde "guter Fußball gespielt, der die Fans elektrisiert". Auch Christian Beeck, der als Spieler und Sportdirektor eine lange Vergangenheit bei Ost-Traditionsklubs hat, kann mit RB Leipzig als neuem Leuchtturm nichts anfangen. "Der Fußball-Osten hat von einem möglichen Pokalsieg von RB Leipzig nichts. Dadurch wird kein anderer Verein im Osten besser", sagte Beeck.

"Konstrukt RB hat mit dem Osten nicht viel zu tun"

Warum hat es RB Leipzig auch zehn Jahre nach der Vereinsgründung schwer, die Fußballfans in den sogenannten neuen Bundesländern emotional zu packen? Hauptgrund ist die fehlende Verwurzelung in der DDR-Oberliga, es gibt keine Derby-Vergangenheit zum Beispiel mit Lok Leipzig oder dem Chemnitzer FC. Zum anderen ist das Prinzip, mit viel Geld und Professionalität möglichst schnell und maximal erfolgsorientiert voranzukommen, ein krasser Gegensatz zur Arbeit in den anderen Profiklubs der Region.

"Man kennt ja das Konstrukt RB, das hat mit dem Osten nicht so viel zu tun", sagt Heiko Scholz, früher Trainer bei Lok Leipzig und heute Coach von Wacker Nordhausen. Ralf Heskamp, Sportdirektor des Halleschen FC, sagt deshalb für sich und stellvertretend für die HFC-Fans: "Wir verfolgen das Pokalfinale interessiert, aber weitgehend ohne Emotionen."
Selbst Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der viel Respekt vor der Arbeit von RB zeigt, hatte nach dem Bundesliga-Aufstieg der Leipziger gewusst, dass sich "die Fans im Osten mehr über einen Bundesligisten Dynamo Dresden gefreut hätten".

RB will aber die Gunst der Stunde nutzen. "Ich kann mir vorstellen", sagte Trainer Ralf Rangnick dem SID, "dass uns am 25. Mai so viele Menschen wie noch nie in einem Spiel die Daumen drücken werden." Vor allem auf die moralische Unterstützung aus dem Osten setzt Rangnick, "denn im Osten war der Pokal bislang noch nicht". In der Tat konnte seit der Wiedervereinigung noch kein Verein aus dem Osten den DFB-Pokal mit nach Hause nehmen. Sollte RB dies gelingen, würden neben den Akzeptanz- vielleicht doch auch die Sympathiewerte steigen, wenn auch langsamer, als die RB-Verantwortlichen sich das erhoffen würden.

Quelle: n-tv.de, dbe, sid, Jörg Soldwisch, Nikolai Stobbe

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