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Sport
(Foto: Katrin Scheib)
Donnerstag, 17. Mai 2018

WM-Countdown (28): Fußball-Rundfahrt mit der Moskauer Metro

Von Katrin Scheib, Moskau

Wo trifft man bei der WM in Russland die meisten Fußballer? Abseits vom Stadion wohl am ehesten unter der Erde, in den Stationen der Moskauer Metro.

Wenn es einen Ort in Moskau gibt, der gut auf die Fußball-Weltmeisterschaft vorbereitet ist, dann die Metro. Wobei dieser Satz natürlich Quatsch ist, die Metro ist ja nicht ein Ort, sondern viele Orte - mehr als 200 Haltestellen, und die haben dann auch oft noch unterschiedliche Bahnsteige, je nachdem, wie viele Linien sich hier kreuzen. Aber ganz abseits sprachlicher Spitzfindigkeiten: Die Metro arbeitet seit Jahren daran, kundenfreundlicher zu werden, vor allem für Ausländer. Allein in den letzten paar Jahren sind auf vielen Strecken Durchsagen auf Englisch eingeführt worden, es gibt englische Hinweisschilder, manchmal sogar Kassenfrolleins, die Englisch können.

Kartenkauf leichtgemacht also, Orientierung auch. Wenn das nicht genug Anreiz ist, als WM-Reisender eine freie Stunde oder zwei mit Metrofahren zu verbringen: Da unten tummeln sich auch reihenweise Fußballer. Man muss nur wissen, wo man sie trifft.

Die Route beginnt im Stadtzentrum, nicht weit vom Roten Platz, an der Haltestelle Ploschtschad Rewoljuzii. Die ist ohnehin beeindruckend: In langer Reihe stehen Bronzefiguren entlang des Bahnsteigs, einige von ihnen haben Stellen, die wie Gold glänzen. Denn wer zum Beispiel die Schnauzen aller vier Hunde in dieser Station berührt, wird Glück haben - entsprechend blankpoliert leuchten einem die Hundenasen entgegen. Und da, unter einem der Bögen, hockt auch er: der glückliche, post-revolutionäre Fußballspieler, mit dem Ball in der Hand - der erste und auch größte Fußballer auf dieser Tour.

(Foto: Katrin Scheib)

 

Von diesem Bahnsteig, an dem die dunkelblaue Linie fährt, folgen wir den Schildern zur roten - offiziell ist das auch schon eine andere Haltestelle, aber ganz ehrlich, das macht keinen großen Unterschied. Hauptsache, richtig einsteigen, nämlich stadtauswärts nach Süden. Drei Stationen weiter, und wir sind am Park Kultury - ein anderer Name für den Gorki-Park, der mit vollem, offiziellem Namen "Zentraler Maxim-Gorki-Kultur- und Erholungspark" heißt. Egal, der Park mit dem langen Namen ist oben, wir sind hier unten, allerdings noch an der roten Linie, zum Gucken müssen wir aber kurz rüber zur braunen. Dort finden sich in golden umringten Kreisen an den Wänden allerlei Relief-Figuren, die gerade parktypischen Beschäftigungen nachgehen: Tennis, Schach oder eben Fußball spielen - auch wenn der Mann auf diesem Relief gerade stillsteht, mit dem Ball in der Hand. Dafür hat er zu seinen Shorts einen schmucken Pulli mit Stehkragen an. Die Metrostation ist aus den frühen Fünfzigern, da trug man das wohl so.

(Foto: Katrin Scheib)

 

Zurück zur roten Linie und weiter nach Süden aus der Stadt raus. An der Haltestelle Sportiwnaja wartet zwar kein Fußballer, dafür aber ein guter Blick aufs Luschniki-Stadion.

(Foto: Katrin Scheib)

 

Hier ist einmal Umsteigen angesagt - raus aus der Metro, rüber zum neuen "Zentralring", der offiziell auch als Linie 14 bezeichnet wird. Hier heißt die Haltestelle dann auch direkt Luschniki, die Züge sehen aus wie Regionalexpresse, unserer bringt uns vier Stationen mit dem Uhrzeigersinn Richtung Norden. An der Haltestelle Poleschajewskaja rüber in die violette Linie, mit der stadtauswärts, und bald sind wir an der Station Spartak, die drinnen natürlich rot-weiß aussieht wie der gleichnamige Verein.

 

Wenn sich selbst die Köln-Fans am Rot-Weiß sattgesehen haben, geht es zurück Richtung Stadtzentrum. Wieder heißt die Umsteigestation Poleschajewskaja, diesmal wechseln wir aber zur gelben und türkisen Linie, die hier parallel verlaufen. Es geht nach Nordosten, direkt die nächste Station heißt ebenfalls nach einem Sportverein: ZSKA. Eine ziemlich neue Haltestelle, mit regenbogenbunten Bildern an der Decke und Skulpturen entlang des Bahnsteigs. Sie stehen auf hohen Sockeln, man hat also gar keine Wahl, als zu ihnen aufzublicken. Beim Fußballspieler sieht das dann so aus:

(Foto: Katrin Scheib)

 

Weiter in dieselbe Richtung, die nächste ist die Endstation, es geht kurz nach draußen und ein paar Schritte an der Straße entlang - mit Blick auf das Dynamo-Stadion, das gerade frisch seine blau-weiße Hülle bekommt. Auch die Haltestelle der grünen Linie heißt Dynamo, die Deko sieht ähnlich aus wie am Park Kultury - nur, dass sich hier der Fußballspieler ordentlich Mühe gibt und, soweit es sein kreisrunder Rahmen zulässt, auch wirklich spielt. Okay, der Ball hat nicht mehr reingepasst, den muss man sich dann halt hinzudenken.

(Foto: Katrin Scheib)

 

Danach sind es noch vier Stopps Richtung Zentrum, und man ist wieder da, wo die Tour begonnen hat - die Haltestelle heißt auf der grünen Linien zwar Teatralnaja, aber das ist auch nur Ploschtschad Rewoljuzii in Grün. Eine Metro, fünf Stationen mit Fußballern und eine mit Spitzenblick aufs Stadion. Keine schlechte Tour für Weltmeisterschafts-Besucher. Und wer weiß, mit ein bisschen Glück legt man ja zumindest einen Teil der Strecke mit der passend lackierten Bahn zurück.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de