Fußball

"Welt manchmal schlechter Ort" Genervter Klopp schimpft nach der Gala

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Jürgen Klopp und sein neuer Punktelieferant Diogo Jota.

(Foto: imago images/PA Images)

Jürgen Klopp muss hochkarätige Ausfälle kompensieren, da kommt ein neuer Starstürmer gelegen. Diogo Jota organisiert dem FC Liverpool gerade Punkte in Serie, sorgt aber auch für eine neue Situation im Kader des englischen Meisters. Droht Ärger? Klopp ist entspannt. Kurz.

"Das ist ein echter Schlag und sicher nicht cool. Das ist das Letzte, was wir brauchen." Nach dem Champions-League-Spiel seines FC Liverpool gegen den FC Midtjylland war Jürgen Klopp mächtig bedient. Sein Verteidiger Fabinho hatte sich gegen die Dänen eine Muskelverletzung zugezogen und fällt erstmal aus. "Wir haben so ziemlich den letzten Aufrechten da hinten verloren", klagte Klopp. Abwehrchef Virgil van Dijk fehlt nach seiner schweren Knieverletzung langfristig, Joel Matip arbeitet sich nach einer Verletzung wieder zurück. "Eine Woche bedeutet heutzutage: drei Spiele. 14 Tage heißt: sieben Spiele", sagte Klopp mit Blick auf den engen Terminkalender. Das war letzte Woche.

Eine Woche später, nach dem fulminanten 5:0 in der Champions League bei Atalanta Bergamo, gibt es am anderen Ende des Spielfelds Probleme für den Erfolgstrainer. Oder nicht? Nein, ein Problem will sich Jürgen Klopp wahrlich nicht einreden lassen nach der erneuten Gala seines Stürmers Diogo Jota. Der schwang sich in Italien mit drei Treffern zum vierten Mal in Serie zum Matchwinner auf und ist mit großer Verve dabei, mächtig Bewegung in die Liverpooler Offensiv-Hierarchie zu bringen. Die schien mit den prächtig performenden Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané zementiert. Nun verzichtete Klopp auf Firmino, der einstige Hoffenheimer durfte gegen Bergamo erst nach gut einer Stunde für Jota ran. Der hatte das Spiel bis dahin längst entschieden.

"Bereitet mir keine Kopfschmerzen"

"Gute Leistungen machen mir nie Kopfschmerzen", sagte Klopp hinterher, angesprochen auf die neue Situation mit einem sportlich explodierenden, höchst effizienten Jota im Köcher. "Es ist wichtig für uns, dass wir mehr als elf haben, und heute Abend hat Diogo seine Form in einer unfassbaren Art genutzt und ein super, super Spiel gemacht", lobte Klopp den Portugiesen, der vor der Saison für 45 Millionen Euro aus Wolverhampton an die Anfield Road kam.

Und dann ärgerte sich der Trainer all der Hochqualitätsangreifer doch noch: "Aber die Welt ist manchmal ein wirklich schlechter Ort, dass wir in dem Moment, in dem jemand glänzt, sofort über einen anderen Spieler sprechen, der für uns gefühlt 500 Spiele hintereinander gemacht hat. Wir wären nicht in der Champions League, wenn Bobby Firmino nicht bei uns wäre. Aber sofort muss ich erklären, warum er nicht gespielt hat." Darüber zu reden, warum wer spielt, stresst Klopp deutlich mehr, als darüber zu entscheiden. Firmino werde ganz sicher wieder spielen, denn "wenn ihr einige Leute auf der Welt fragt, was Liverpool an manchen Tagen besonders macht, würde ich sagen, dass Bobby Firmino an einem guten Tag nicht zu verteidigen ist." Im Moment hat Jota aber die Nase vorn.

Hinten Stress, vorne ein Luxusproblem: Sorgen, die sie bei Manchester City gerne hätten. Die Mannschaft von Pep Guardiola gewann zwar ebenfalls wie der FC Liverpool am Dienstagabend auch das dritte Champions-League-Spiel (3:0 gegen Olympiakos Piräus), befindet sich sportlich aber arg auf Schlingerkurs. Nach nur drei Siegen aus den ersten sechs Spielen sind die Citizens in der Premier League als 10. schon im Hintertreffen - allerdings bei einem Spiel weniger als Tabellenführer Liverpool, der Rückstand beträgt fünf Punkt. Dennoch: Im Kader ächzt es, verletzte Leistungsträger können nicht adäquat ersetzt werden. Das Problem kennt auch Klopp, der Schmerz durch die Ausfälle wird derzeit aber erfolgreich gelindert.

"Jeder andere Trainer wäre rausgeflogen"

Wie meinte er zuletzt? "Es ist ein bisschen wie in einer Ehe", sagte Klopp über die Lage: "Es gibt gute und schlechte Zeiten. Das ist keine schlechte Zeit, aber eine knifflige. Wir müssen zu 100 Prozent zusammenstehen und noch härter kämpfen - so wie es die Jungs heute getan haben."

Nach Ansicht von Dietmar Hamann läuft die Zeit von Startrainer Pep Guardiola bei Manchester City ab. "Ich kann mir vorstellen, dass es seine letzte Saison ist. Es ist nur seinem Namen und guten Ruf geschuldet, dass er noch da ist", sagte Hamann der "Sport Bild". "Wenn man es nüchtern betrachtet, wäre jeder andere Trainer nach dem blamablen Ausscheiden gegen Lyon in der Königsklasse in der letzten Saison rausgeflogen. Ich sehe nicht, wie er das Team nach vier Jahren noch einmal auf einen Höhepunkt bekommt. Der Zenit war nach zwei Jahren überschritten", sagte Ex-Nationalspieler Hamann.

Am kommenden Sonntag fährt der FC Liverpool zu Manchester City (ab 17.30 Uhr im Liveticker auf ntv.de). Dann könnte es tatsächlich Kopfschmerzen dank dem entfesselten Jota geben - wohl aber eher bei Guardiola.

Quelle: ntv.de, ter

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