Fußball

Rummenigge und Keller Getrennt in den Farben, vereint in der Sache

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Fritz Keller freut sich über einen mächtigen Mitstreiter für seine Ziele.

(Foto: imago images/Sportfoto Rudel)

Am Wochenende fliegen noch Giftpfeile aus München in Richtung des DFB, nun verbündet man sich für ein großes Ziel: DFB-Präsident Keller verrät, dass er künftig mit Bayern-Boss Rummenigge ganz offensiv an einer Einführung der viel diskutierten Gehaltsobergrenze im Profifußball arbeiten wird.

Nein, freundliche Töne waren es nicht, die man beim DFB in den letzten Tagen aus München zu hören bekam: Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte über das Sky-Mikrofon nach Frankfurt gefunkt, dass er irritiert sei über die "populistische Wortwahl" von DFB-Präsident Fritz Keller.

Keller hatte im "Spiegel" darauf hingewiesen, "wozu es führt, wenn die Neureichen, von denen einige auch in der Bundesliga am Ball sind, mit ihrem Geld herumprotzen." Diese "Großkotzigkeit" falle "uns allen auf die Füße. Das ist eine Katastrophe für das Image des Fußballs. Wir müssen uns damit befassen, wie es nach der Krise weitergeht. Mit mehr Demut, nah bei den Menschen". Rummenigge wiederum konterte mit einem pikierten "Wenn wir eine Krise in den letzten Jahren im deutschen Fußball hatten, dann war sie beim DFB zu suchen." Und: "Vielleicht sollte man sich beim DFB mal einen Besen kaufen, um vor der eigenen Tür zu kehren. Ich würde mich freuen, wenn der DFB seine Hausaufgaben macht."

Die Funkstille nach dem Sturm blieb jedoch aus, wie Keller nun etwas überraschend in einem Mediengespräch verriet: "Ich habe heute Morgen mit ihm gesprochen und die Sache ist ausgeräumt. Ich freue mich, dass ich mit ihm einer Meinung bin". Was Keller meinte, ist nicht die einhellige Überzeugung, dass auch beim DFB mal durchgekehrt werden muss. Auch wenn Keller längst eine Generalinventur im Haus ausgerufen hat und inzwischen bestätigt ist, dass der Verband eine Berliner Detektei eingesetzt hat, um die Vorgänge rund um die Vergabe der WM 2006 weiter zu beleuchten.

"Rummenigge hat international Gewicht in der Branche"

Nein, einig sind sich die mächtigen Bosse aus München und Frankfurt in ihrem Willen, Gehaltsobergrenzen im Profifußball zu etablieren - wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. Denn während es dem Verbandschef Keller um die Außenwirkung des Fußballs, die viel beschworene Vorbildfunktion, geht, dürfte Rummenigge vor allem an der Chancengleichheit im sportlichen Wettrüsten mit den mit Petro-Milliarden oder von unendlich reichen Oligarchen alimentierten Wettbewerbern interessiert sein. Egal, es eint das Ziel. "Ich habe mich sehr darüber gefreut, denn Karl-Heinz Rummenigge hat sehr viel für den Fußball getan."

"Wir müssen auch den Profifußball wieder näher zu den Menschen bringen", sagte Keller. "Provisionen für Spielerberater und immense Transfersummen irritieren die Gesellschaft zunehmend und entfremden sie von unserem geliebten Sport." Man "schämt sich fremd für Gehälter und Ablösesummen". Gemeinsam wolle man zu Pionieren aufsteigen, "deshalb werden wir einen Brief an den Uefa-Präsidenten Aleksander Ceferin schreiben".

Denn lösen lässt sich der Komplex einer Deckelung der Gehälter nicht an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt oder an der Säbener Straße, wo die Entscheider des FC Bayern tagen. Die Voraussetzungen müsse erst die Uefa schaffen, die die Regeln des "Financial Fairplay" entsprechend anpassen muss. "Karl-Heinz Rummenigge hat auch international Gewicht in der Branche. Damit haben wir eine ganz, ganz große Chance, in der Angelegenheit einen Schritt weiterzukommen", sagte Keller. Er selbst sei, erinnerte sich Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erst am Sonntag, mit dem damaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini deswegen bereits vor Jahren bei der EU-Kommission in Brüssel gewesen - ohne Erfolg: "Leider hat er sich immer eine blutige Nase eingeholt, obwohl alle großen Klubs in Europa diese Aktion unterstützt haben", sagte Rummenigge bei Sky.

Eine Gehaltsobergrenze für die Bundesliga kann nur kommen, wenn es eine europäische Lösung gibt. Diese zu finden, erscheint kaum vorstellbar. Grundsätzlich, glaubt der Sportökonom Prof. Dr. Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule in Köln, sei eine Reform des Fußballs nur in einem Verbund der europäischen Topligen Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien möglich. Er bezweifelt jedoch, dass die englische Premier League da mitspielen würde. Aufgrund der Entwicklung bei den Medieneinnahmen in den vergangenen Jahren "hat sich England deutlich besser entwickelt als Deutschland", sagte Breuer im Spiegel, warum also "sollte die Premier League jetzt Regeln wie eine Gehaltsobergrenze akzeptieren, die die anderen Ligen wieder gleicher machen würden?"

Nun also streitet das Duo Rummenigge/Keller aber erstmal fortan Seite an Seite. Ohnehin sei Keller "verwundert" über die Spitzen aus München gewesen. Schließlich habe er ja auch "keinen speziellen Spieler aus München gemeint", im Gegenteil: Gerade die Nationalspieler, auch die von den Bayern, hätten sich mit ihren Aktionen in der Coronakrise "ja auch hervorragend" präsentiert.

Quelle: ntv.de, ter/sid