Fußball

Große Show von Haaland und Reyna "Gibt einige Viecher, aber er ist 'ne Drecksau"

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Ein Wahnsinnstyp.

(Foto: AP)

In der ersten halben Stunde tut sich Borussia Dortmund gegen den SC Freiburg sehr schwer, kommt dann aber mächtig in Schwung. Beim am Ende deutlichen Erfolg übernehmen wieder einmal zwei Top-Talente die tragenden Rollen in der Mannschaft von Lucien Favre.

Christian Günter wusste mutmaßlich, was seinen SC Freiburg erwarten würde und dennoch war er nach dem Bundesligaspiel bei Borussia Dortmund mächtig erstaunt. "Es gibt einige solche Viecher, aber er ist schon eine Drecksau vor dem Tor. Die erste große Chance ist bei ihm halt drin." Er, das ist Erling Haaland. Und er, dieser Erling Haaland, ist wohl das, was man ohne jeden Hang zur Übertreibung als fußballerische Lebensversicherung des BVB bezeichnen darf. Nachdem der junge Norweger am vergangenen Spieltag, es war der 2. in der Spielzeit 2020/21, beim FC Augsburg so unauffällig spielte, dass ihm manche Notengeber bereits knallhart eine "Sechs" ins Pflichtspielheft schrieben, korrigierte der 20-Jährige an diesem Samstag nun noch einmal, im Supercup unter der Woche beim 2:3 (0:2) gegen den FC Bayern München war ihm das eigentlich schon gelungen, jeden noch so zarten Anflug, dass er vielleicht doch nur gewöhnlich ist.

Ein gefühlfeiner Schuss in die lange Ecke, unter arger Bedrängnis und nicht zwingend aus allerbester Position, zum 1:0. Ein donnernder Abschluss unter die Latte zum 3:0. Und ein liebreizendes Zuspiel auf Felix Passlack, der in der Nachspielzeit sein erstes Bundesligator erzielte, es war das 4:0, der Endstand. Was Erling Haaland gegen die Mannschaft von Trainer Christian Streich zeigte, war wieder einmal mehr als gewöhnlich. Es war außergewöhnlich.

Diese Beurteilung verdiente sich im übrigen auch Giovanni Reyna. Beide Tore des Norwegers bereitete der 17-Jährige mit wohl dosierten Steckpässen vor, das 2:0 durch Emre Can legte er per Ecke auf. Es war ein Kopfball voller Wille und Wucht. "Ich habe den Ball kommen sehen und wollte ihn genau so gegen die Laufrichtung ins Tor köpfen", sagte Can. "Gut, dass es geklappt hat."

Spiele wie dieses nun gegen Freiburg fördern den herausragenden Ruf der Borussia als Karriere-Trampolin für Hochbegabte. Seit Beginn der Datenerfassung 1992 ist Reyna der erste 17-Jährige mit drei Torvorlagen in einem Bundesliga-Spiel. "Ich bin von ihm nicht überrascht", befand Trainer Lucien Favre, der als großer Förderer des Amerikaners gilt. "Er steht vor einer sehr guten Karriere." Gleichwohl hielt sich der Schweizer mit zu ausufernden Hymnen betont zurück: "Er muss so weiter arbeiten, ehrgeizig bleiben." Favre deutete an, dass er Reyna in Zukunft hin und wieder schonen wolle: "Man muss mit einem so jungen Spieler aufpassen und darf ihn nicht verheizen. Wir haben genug Möglichkeiten, in der Offensive zu rotieren." Dass der BVB-Coach den Engländer Jude Bellingham als weiteren 17-Jährigen ebenfalls erneut in seine Startelf beordert hatte, ging in der Euphorie um die beiden Hauptdarsteller fast unter.

"Es könnten auch mehr Tore sein"

Ebenso die Bedeutung des Erfolgs. "Nach zwei Niederlagen mussten wir heute ein gutes Spiel abliefern. Wir haben schon vor der 30. Minute ganz ordentlich gespielt. Wichtig war, dass wir geduldig geblieben sind. In der Mannschaft steckt extrem viel Qualität. Das hat man auch heute gesehen", analysierte Can. Tatsächlich verlief die erste halbe Stunde richtig zäh. Freiburg stresste den BVB immer wieder mit einem sehr gut getimten Pressing und hatte sich dafür vor allem den verunsichert wirkenden Manuel Akanji ausgeguckt. Und womöglich wäre für den Sportclub vor der Rekordkulisse von 11.500 Zuschauern gar eine Überraschung drin gewesen, hätte Haaland, diese Drecksau, nicht eiskalt zugeschlagen. "Dieses Tor hat uns verunsichert", befand Streich, der zuvor eine aufkommende Unruhe im Stadion bemerkt haben will.

Borussia Dortmund - SC Freiburg 4:0 (1:0)

Tore: 1:0 Haaland (31.), 2:0 Can (47.), 3:0 Haaland (66.), 4:0 Passlack (90.+2)
Dortmund:
Hitz - Can, Hummels, Akanji - Meunier (84. Passlack), Bellingham (71. Delaney), Witsel, Guerreiro (84. Schulz) - Reyna (80. Reinier), Reus (71. Brandt) - Haaland; Trainer: Favre.
Freiburg: Müller - Gulde (55. Schlotterbeck), Lienhart, Heintz - Schmid (84. Kübler), Santamaria, Höfler, Günter - Sallai (55. Grifo), Petersen (55. Kwon), Höler (55. Jeong); Trainer: Streich.
Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
Zuschauer: 11.500

Für Streich setzte sich damit eine bizarre Serie der Erfolglosigkeit fort, auf einen Sieg über den BVB muss er weiter warten. Seit seinem Amtsantritt als Chefcoach beim SC Freiburg im Januar 2012 hält die Misere an. Sein verzweifelter Versuch, beim Stand von 0:2 das nächste Unheil noch abzuwenden und alle drei Offensivspieler Lucas Höler, Nils Petersen und Roland Sallai zeitgleich in der 55. Minute auszuwechseln, blieb ohne die erhoffte Wirkung. Streich kassierte in seinem 292. Spiel seine 100. Niederlage - ausgerechnet gegen den Angstgegner. "Wir waren einfach nicht gut genug, um hier heute etwas zu holen", bekannte er. Einfach nicht genug, um Haaland zu stoppen.

"Er ist unser Mittelstürmer, dafür wird er bezahlt. Aber er ist schon eiskalt", sagte Kapitän Marco Reus bei Sky: "Er wird immer seine Tore machen, egal wie gut oder schlecht er im Spiel drin ist." Im erst 18. Spiel in der Bundesliga erzielte das Sturm-Talent bereits seine Treffer 16 und 17. "Nicht schlecht", kommentierte er selbst diese herausragende Bilanz, aber "es könnten auch mehr sein." Nun, sei's drum. Auch oder vor allem dank des Norwegers hat der BVB einen Fehlstart in die Saison abgewendet.

Für ein wenig Aufregung hatte (nicht in Dortmund, aber in England) vor dem Anpfiff gesorgt, dass Jadon Sancho, dieses nächste, eigentlich unverzichtbare Supertalent, wie schon beim Supercup unter der Woche wegen einer Atemwegsinfektion fehlte. Sollte da doch noch was möglich sein für Manchester United? "Die Tür ist zu. Ich sage es jetzt zum 27. Mal", sagte Sportdirektor Michael Zorc bei Sky genervt.

Quelle: ntv.de

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