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Wolfsburg feiert EL-Pflichtsieg Gladbach erlebt schlimmen Europa-Abend

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Maximale Ratlosigkeit: Borussia Mönchengladbach verpatzte den Start in die Europa-League-Saison.

(Foto: imago images/Moritz Müller)

Damit war nicht zu rechnen: Borussia Mönchengladbach kassiert in der Europa League gegen den Wolfsberger AC eine deftige Heimpleite. Die Mannschaft von Marco Rose präsentiert sich schlampig, die Gäste gnadenlos effektiv. Der VfL Wolfsburg erledigt derweil seine Pflichtaufgabe.

Historische Blamage statt Europapokal-Party: Borussia Mönchengladbach hat bei der Rückkehr in die Europa League eine krachende Niederlage kassiert. Nach zweijähriger Abstinenz unterlag das Team von Trainer Marco Rose nach schwacher Leistung überraschend und verdient dem Wolfsberger AC aus Österreich mit 0:4 (0:3). Es war die höchste Heimniederlage in Gladbachs Europacup-Geschichte.

Der israelische Nationalspieler Shon Weissman (13.), Mario Leitgeb per Doppelpack (31., 68.) und Marcel Ritzmaier (41.) versetzten die 34.846 Zuschauer im Borussia-Park in Schockstarre. Damit stehen die Fohlen in der ausgeglichenen Gruppe J mit AS Rom und Istanbul Basaksehir bereits früh unter Zugzwang. "Auf nach Danzig - mit voller Kraft" hatten die Borussia-Fans vor dem Anpfiff noch auf einem Transparent gefordert.

0:3 schon zur Pause

Die Rose-Elf zeigte allerdings überhaupt keinen Willen, das Finale am 27. Mai 2020 in Polen zu erreichen. Der Meisterschaftsdritte aus Österreich präsentierte sich hingegen mutig, gewann viele Zweikämpfe und überzeugte zeitweise mit gefälligem Kombinationsfußball. So war die Führung durch Weissman, der den Ball nach einer abgefälschten Flanke von Werder-Leihgabe Romano Schmid volley im Tor unterbrachte, gar nicht mal so überraschend. Für Weissman war es das elfte Saisontor im neunten Pflichtspiel. Leitgeb durfte nach einem Freistoß völlig unbedrängt einköpfen, Ritzmaier sorgte bereits vor dem Pausenpfiff für ein denkwürdiges Europacup-Debüt des WAC unter Trainer Gerhard Struber.

Mönchengladbach - Wolfsberger AC 0:4 (0:3)

Mönchengladbach: Sommer - Lainer,  Ginter, Elvedi, Bensebaini - Zakaria - Benes, Kramer - Neuhaus (46.  Embolo) - Thuram (71. Raffael), Plea (71. Herrmann). - Trainer: Rose 
Wolfsberg: Kofler - Novak, Sollbauer, Rnic, Schmitz - Schmid -  Leitgeb, Ritzmaier (85. Wernitznig) - Liendl - Weissman (84.  Schmidt), Niangbo (90.+1 Schmerböck). - Trainer: Struber
Schiedsrichter: Tamas Bognar (Ungarn)
Tore: 0:1 Weissman (13.), 0:2 Leitgeb (31.), 0:3 Ritzmaier (41.), 0:4 Leitgeb (68.)
Zuschauer: 34.846
Gelbe Karten: Benes, Plea, Zakaria, Kramer - Ritzmaier, Rnic, Schmitz, Schmid

Die Gladbach-Profis wurden indes mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Halbzeitpause verabschiedet. "Eine undankbare Aufgabe, das wird kein einfaches Spiel", hatte Salzburg-Zugang Stefan Lainer noch über seine Landsmänner vor dem Spiel gesagt. Auch Rose kannte die Wolfsberger bestens aus seiner Zeit in Österreich, doch den vermeintlichen Vorteil spielte seine Elf überhaupt nicht aus.

Im zweiten Durchgang übernahm der Bundesligist zwar das Kommando, doch Alassane Plea scheiterte nach einer Stunde aus fünf Metern an WAC-Torhüter Alexander Kofler. Stattdessen traf erneut Leitgeb für die Gäste per Kopf nach einem Eckball.

Wir sind ganz, ganz böse erwacht. Wir haben nicht nur verloren, sondern richtig verloren", sagte Sportdirektor Max Eberl bei Nitro: "Die Spieler sollten in der Kabine sitzen und sich fragen, was da gerade passiert ist. Wir haben gedacht, wir spielen sie irgendwie auseinander. Vielleicht hat der eine oder andere nicht hingehört, als der Trainer von der Aggressivität des Gegners gesprochen hat. Es war nicht viel Positives dabei." Christoph Kramer meinte: "Es war ein gebrauchter Abend, der viele Gründe hat. Wenn man zurückliegt, darf man nicht den Kopf hängen lassen, sondern muss sein Spiel durchziehen."

Wolfsburg holt einzige deutsche Punkte

VfL Wolfsburg - Olexandrija 3:1 (2:0)

Wolfsburg: Pervan - Knoche, Guilavogui, Tisserand (70. Bruma) - Mbabu, Gerhardt, Arnold, Roussillon - Mehmedi (86. Steffen), Weghorst, Brekalo (76. Nmecha). - Trainer: Glasner
Olexandrija: Pankiw - Paschajew, Dubra, Buchal, Miroschnytschenko - Banada, Dowhyi (46. Kowalets), Gretschyschkin - Luchkevych (81. Protasov), Sitalo, Tretyakov (65. Shastal). - Trainer: Scharan
Schiedsrichter: Halis Özkahya (Türkei)
Tore: 1:0 Arnold (20.), 2:0 Mehmedi (24.), 2:1 Banada (66.), 3:1 Brekalo (67.)
Zuschauer: 10.112
Gelbe Karten: - Banada, Dubra

Der VfL Wolfsburg hat dagegen eine vollständige Blamage der Fußball-Bundesliga verhindert. Als einziger deutscher Verein gewannen die Niedersachsen ihr Auftaktspiel gegen den Außenseiter PFK Oleksandrija aus der Ukraine mit 3:1 (2:0). Den ersten Europacup-Abend des VfL nach dreieinhalb Jahren verfolgten am Donnerstag nur 10.112 Zuschauer in der nicht einmal halbleeren Volkswagen Arena.

Dass es gegen Olexandrija keine rauschende Fußball-Party werden würde, war Wolfsburg schon vorher klar. Doch der Klub nahm es mit Humor und versuchte mit witzigen Tweets noch einmal, Fans ins Stadion zu locken. "Auch wenn das Stadion morgen nicht voll sein wird, ihr habt die Chance dazu: Im Gegensatz zum letzten internationalen Auftritt der Wölfe, darf wieder alkoholisches Bier ausgeschenkt werden. Prost!", hatten die Niedersachsen am Mittwoch getwittert. Und wenig später nachgelegt: "Liebe Klaustrophobiker, Platz ist noch genug vorhanden." Doch die Lücken auf der Tribüne blieben.

Exakt 1255 Tage nach dem bisher letzten Europa-Auftritt des Klubs trafen Maximilian Arnold (20.), Admir Mehmedi (24.) und Josip Brekalo (67.) beim ersten Schritt der Wolfsburger in die Zwischenrunde. Nur wenige Sekunden zuvor hatte Eugene Banada (66.) für Olexandrija zum zwischenzeitlichen Anschluss getroffen. In der Gruppe I muss Wolfsburg zudem noch gegen AS St. Etienne und KAA Gent ran.

Quelle: n-tv.de, David Ryborz und Christoph Stukenbrock, sid

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