Fußball

Da bleibt nur der Rücktritt Gnabry sticht mit Dreierpack die Stürmer aus

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Beeindruckender Einstand.

(Foto: imago/MIS)

Er kommt, es regnet und er schießt drei Tore gegen San Marino. Serge Gnabry führt sich bei seinem Debüt ganz gut bei der DFB-Elf ein. Dafür treffen die Stürmer Thomas Müller, Mario Götze und Mario Gomez nicht. Ein Problem, Herr Bundestrainer?

Die Dame am Mikrofon wiederholte sich: "Der Spieler mit der Nummer acht, Serge Gnabry, hat für Deutschland ein Tor geschossen." Sie sagte das nach neun Minuten, noch einmal nach 58 und schließlich nach 76 Minuten. Sie tat das in akzentfreiem Deutsch, charmant, aber unbeeindruckt und mit einer Sachlichkeit, die an eine Lautsprecherdurchsage am Bahnhof erinnerte und sich so wohltuend von der eventgetriebene Herumschreierei in den Stadien dieser Welt unterschied. Und dass der Spieler mit der schwarzen Nummer acht auf dem weißen Trikot drei Mal getroffen hatte, ist schließlich kein Grund, die Contenance zu verlieren - auch wenn es Gnabrys allererstes Länderspiel war.

Und weil an diesem kalten, nassen und sehr unfreundlichen Freitagabend im Stadio Olimpico zu Serravalle auch seine Kollegen Sami Khedira und Kevin Volland gegen San Marino ein Tor erzielten, Jonas Hector zwei Treffer gelangen und Mattia Stefanelli den Ball ins eigene Tor bugsierte, stand am Ende ein 8:0 (3:0) für die DFB-Elf in diesem WM-Qualifikationsspiel zu Buche. Ähnlich beeindruckend liest sich ihre Bilanz auf dem Weg zur Weltmeisterschaft, die 2018 in Russland stattfindet. Viermal trat die deutsche Mannschaft in dieser Gruppe C an, viermal gewann sie, schoss 16 Tore und kassierte keinen einzigen Treffer. Bundestrainer Joachim Löw sagte: "Die ersten vier Spiele in der Qualifikation haben wir so absolviert, wie ich mir das vorgestellt habe. Von daher kann ich absolut zufrieden sein." Man solle, auch das sagte Löw, den Auftritt aber bitte nicht überbewerten. Gnabrys nicht, und auch nicht den des Teams. Schließlich sei es so: "San Marino war kein Maßstab."

Dreimal so viele Tore wie Länderspiele

San Marino - Deutschland 0:8 (0:3) 

Tore: 0:1 Khedira (7.), 0:2 Gnabry (9.), 0:3 Hector (31.), 0:4 Gnabry (58.) 0:5 Hector (65.), 0:6 Gnabry (76.), 0:7 Eigentor Stefanelli (82.), 0:8 Volland (85.)
Deutschland: Ter Stegen - Hector, Hummels, Kimmich, Henrichs - Khedira (77. Goretzka), Gündogan - Müller, Götze (71. Meyer), Gnabry - Gomez (71. Volland) 
San Marino: A. Simoncini - Berardi, F. Vitaioli, D. Simoncini, Cesarini, Palazzi - Zafferani, Gasperoni, Tosi (58. Domeniconi), M. Vitaioli - Stefanelli
Schiedsrichter: Artyom Kuchin (Kasachstan) 
Zuschauer: 3851 in Serravalle

Auch Gnabry war, wen wundert´s, zufrieden. "Beim Debüt drei Tore zu machen, freut mich sehr." Er habe nach seinem Wechsel vom FC Arsenal zum SV Werder Bremen in dieser Saison in der Bundesliga "viele Spiele gemacht, das Selbstbewusstsein wächst. Mit den vielen Toren habe ich einen guten Lauf". Aber natürlich habe er nicht damit gerechnet, dass es gleich so gut laufen würde. Und die Zuspiele der Kollegen seien super gewesen. "Es freut mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte. Der Trainer hat gesagt, dass ich mit Selbstbewusstsein agieren und frech spielen soll. Ich denke, das ist mir gut gelungen."

In der Tat, ein Dreierpack im ersten Länderspiel, der war zuvor Dieter Müller gelungen. Und das ist 40 Jahre her. Müller schaffte das allerdings in einem etwas wichtigeren Spiel, im Halbfinale der Europameisterschaft gegen Jugoslawien am 17. Juni 1976 in Belgrad.  Und auch seine Tore hatten eine etwas größere Bedeutung. Erst traf er zum 2:2, dann schoss er seine Elf in der Verlängerung zum Sieg. Aber es ist ja nicht so, dass drei Tore gegen San Marino gar nicht zählen. Hält Gnabry seinen Schnitt, hat er nach 24 Partien Miroslav Klose überholt. Da das aber eher nicht zu erwarten ist, bleibt dem 21 Jahre alten Offensivspieler im Grunde nur der Rücktritt. Dreimal so viele Tore wie Spiele - wer schafft das schon?

Klose saß übrigens in Serravalle zum ersten Mal als Praktikant auf der deutschen Bank. Zu erkennen war durch den Regen, dass er sich zur Feier des Tages eine Krawatte umgebunden hatte - oder sie sich hatte umbinden lassen. Nicht zu erkennen war, ob er sich Sorgen um seinen Status als bester Torschütze der DFB-Geschichte macht. Nun ja, kleiner Scherz. Der Bundestrainer bezeichnete Gnabrys Einstand dann trocken als "absolut ansprechend". Das gelte auch für den zweiten Debütanten, Benjamin Henrichs von Bayer 04 Leverkusen, der auf der rechten Abwehrseite nichts abzuwehren hatte und ein ordentliches Spiel machte. "Es ist wichtig, junge Spieler heranzuführen. Solche Spiele sind gut für sie." Ansonsten sei Gnabrys Erfolg "für ihn auch schon klasse, für seine Entwicklung, für sein Selbstbewusstsein. Drei Tore zu erzielen, egal gegen welchen Gegner, ist sicherlich ein guter Auftakt bei uns".

"Extrem schwierig, weil keine Räume"

Nun ist dieser Gnabry ja eigentlich gar kein Stürmer, sondern einer, der über die Außen eher die Vorlagen serviert. Und trotz der acht Tore gingen die, die eigentlich dafür zuständig sind, an diesem Abend leer aus - Thomas Müller, Mario Götze und allem voran Mittelstürmer Mario Gomez, der mit dem nassen und daher rutschigen Rasen gar nicht gut zurechtkam. Ist das ein Problem, Herr Bundestrainer? Nein, sei es nicht, sagte Löw. Schließlich sei es den Gastgebern nur darum gegangen, nicht wieder wie vor zehn Jahren mit 0:13 zu verlieren. "Sie haben versucht, die Höhe des Ergebnisses relativ niedrig zu halten."

Und so sei es für die Stürmer "extrem schwierig gewesen, weil überhaupt keine Räume da waren, sich vorne zu bewegen. Von daher war es von uns auch so gewollt, dass die Spieler aus der zweiten Reihe immer wieder in die Spitze reinstoßen." Und dann ließ es sich Löw nicht nehmen, einen kleinen Scherz zu wagen: "Miroslav Klose haben wir jetzt geholt, er ist jetzt dabei. Und jetzt kann ein bisschen mit den Stürmern arbeiten in den nächsten zwei Tagen", bevor es am Dienstag in Mailand zum Abschluss des Länderspieljahres in aller Freundschaft gegen Italien geht. Vielleicht darf Gnabry dann ja wieder mitmachen. Für ihn war der Arbeitstag mit dem Spiel in Serravalle allerdings noch nicht beendet. Eine Rede vor den Kollegen stehe noch an, sagte Löw, "als Debütant muss er das eh". Er wisse aber nicht, ob Gnabry als dreifacher Torschütze noch weitere Aufgaben zu lösen habe. "Mal schauen, was die Mannschaft von ihm erwartet." Gnabry wird es mit Fassung getragen haben. Kein Grund, die die Contenance zu verlieren.

Quelle: n-tv.de

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