Fußball

Nicht mal gegen Köln reicht's HSV-Fans haben die Schnauze voll

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Die fünfte Niederlage im zehnten Heimspiel: Der Hamburger SV lässt seine Fans leiden.

(Foto: REUTERS)

Im Kellerduell der Fußball-Bundesliga distanziert der 1. FC Köln den Hamburger SV deutlich. Während die Kölner neue Hoffnung schöpfen, brodelt es beim HSV gewaltig. Der erneute Rückschlag bedeutet für Trainer Markus Gisdol das Aus.

Beide Mannschaften trennten nur rund zehn Meter. Dennoch hätten die Gefühlswelten des Hamburger SV und des 1. FC Köln am Samstagabend nach dem 2:0-Auswärtssieg der Rheinländer in der Fußball-Bundesliga unterschiedlicher kaum sein können. Links neben der Mittellinie drehten sich die Gäste vergnügt im Kreis und bejubelten ihren dritten Sieg in Serie. Rechts daneben hatten die Hamburger ebenfalls ein Rund gebildet - doch hier gab es nach der vierten Niederlage in Folge nur Ratlosigkeit, Fassungslosigkeit und blankes Entsetzen. Und so blieb dem Tabellen-Vorletzten an diesem Vormittag kaum eine andere Wahl, als die Trennung von Trainer Markus Gisdol zu beschließen - auch wenn der gerne weitergemacht hätte. "Der Verein hat mir mitgeteilt, dass man mich freigestellt hat", sagte Gisdol nach einer Krisensitzung in der Geschäftsstelle. "Ich hätte gerne weitergemacht. Aber ich muss es akzeptieren." Als Nachfolger werden nun die ehemaligen HSV-Profis Felix Magath und Thomas Doll, Bernd Hollerbach und auch Ex-Coach Bruno Labbadia gehandelt.

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Gisdol weiß, dass es für ihn langsam eng wird.

(Foto: dpa)

Vor der Geschäftsstelle, hatten sich schon am Vorabend mehr als 100 Fans versammelt und mussten von Ordnern zurückgehalten werden. Die Anhänger wollten die Profis zur Rede stellen. Sie wollten wissen, warum sie im zehnten Heimspiel zum fünften Mal verloren hatten? Warum es selbst gegen das Schlusslicht Köln in dieser so wichtigen Partie für den Vorletzten nicht einmal zu einem Punkt reichte? Und wie es überhaupt weitergehen solle? "Ist doch klar, dass alle enttäuscht sind", meinte Dennis Diekmeier. Die Fanreaktionen tun weh, sind aber absolut verständlich", betonte Mergim Mavraj.

Trainer Gisdol wirkt ratlos

"Wir haben die Schnauze voll", hatte es bereits in der 67. Minute aus dem Hamburger Fanblock gehallt. Es war die Reaktion auf das 2:0 von Simon Terodde. Der Stürmer, der in der Winterpause vom VfB Stuttgart nach Köln gewechselt war, hatte nach seinem ersten Treffer in der 27. Minute soeben einen mustergültigen Konter über Salih Özcan und Milos Jojic mit einem Schuss durch die Beine von HSV-Torwart Julian Pollersbeck abgeschlossen. Es waren zwar noch 23 Minuten zu spielen, die Entscheidung jedoch gefallen. Die Körpersprache der elf Hamburger auf dem Platz verriet deutlich, dass niemand mehr daran glaubte, diese Niederlage noch abwenden zu können.

Markus Gisdol hatte sich längst auf seine Trainerbank zurückgezogen. In der ersten Halbzeit hatte der Coach noch an der Seitenlinie gestanden, Anweisungen gegeben und mitansehen müssen, wie Andre Hahn und zweimal Filip Kostic beste Möglichkeiten nicht nutzen konnten. Er hatte sich die Haare gerauft, sich geärgert, dass Kölns Schlussmann Timo Horn bei allen drei Chancen glänzend parierte. Die zweite Halbzeit ließ er dann bereits schweigend über sich ergehen. Ein Bild mit Symbolcharakter.

"Ich glaube, dass wir gut ins Spiel reingekommen sind und gute Torchancen hatten. Aber mit der ersten Ecke des Gegners hinten zu liegen - das ist natürlich bitter", analysierte Gisdol auf der Pressekonferenz. Im Training, da würden seine Spieler die Torchancen "blind reinmachen", so Gisdol. Irgendwie sei das alles schon "verflixt". Der 48-Jährige klang nicht nur enttäuscht, sondern auch ratlos.

Köln mit Top-Bilanz zur Rückrunde

In der vergangenen Saison wurde er nach fünf Spieltagen als Ersatz für Bruno Labbadia zum HSV geholt, um die Norddeutschen vor dem Abstieg zu retten. Das schaffte er vor allem durch eine gute Rückrunde mit 25 Punkten. In dieser Spielzeit sollte Gisdol in Hamburg nun etwas aufbauen. Doch ihm ist es nicht einmal gelungen, ein solides Fundament zu errichten. "Ich habe vom ersten Tag an versucht, mit viel Herz hier zu arbeiten und werde das weiterhin machen, wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme", sagte Gisdol. Es klang schon sehr bilanzierend, was er da von sich gab - ihm dürfte wohl bewusst gewesen sein, dass sein Retter-Bonus aus der Vorsaison längst aufgebraucht war.

Manager Todt attestierte dem Team zwar, "alles probiert", allerdings auch "unglücklich" agiert zu haben. "Wir werden darüber sprechen müssen, haben eine denkbar schlechte Bilanz nach 19 Spielen", so Todt. Noch schlechter sehen zwar die Zahlen beim 1. FC Köln aus - die Rheinländer konnten bislang erst zwölf Punkte einholen. Dennoch sind sie neben Bayern München (ab 15:30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) die einzige Rückrundenmannschaft ohne Punktverlust - und haben mittlerweile den festen Glauben daran, die Klasse trotz der katastrophalen Hinrundenbilanz von nur sechs Punkten womöglich doch noch halten zu können. "Wir müssen immer weiter Druck aufbauen von hinten. Dann machst du die Mannschaften vor dir nervös", betont Kapitän Matthias Lehmann.

Einer wie Terodde hat gefehlt

Im Gegensatz zum offensivschwachen HSV haben die Kölner mit Terodde nun genau den Stürmer, der ihnen in der Hinrunde noch gefehlt hat. Der 29-Jährige hatte bereits in der Vorwoche gegen Mönchengladbach in der Nachspielzeit den wichtigen 2:1-Siegtreffer erzielt. "Er tut uns im Moment extrem gut", sagt Timo Horn. Terodde gibt das Lob gerne zurück. Er sei von seinen neuen Mitspielern "sensationell aufgenommen" worden - und das stärke das Vertrauen in seine eigene Leistung.

Teroddes Tore haben die Kölner Brust breiter werden lassen. Man habe, "ein bisschen mehr Selbstvertrauen", sagt Trainer Stefan Ruthenbeck. Und sie haben trotz der jüngsten Erfolge und der positiven Tendenzen nicht den Blick für die Realität verloren. "Unsere Situation hat sich nicht brutal verbessert. Wir sind ein bisschen näher herangerückt an die Mannschaften, denen es nicht so gut geht. Aber uns geht es auch nicht gut", betont Ruthenbeck. Er habe seinen Spielern bei seinem Amtsantritt Anfang Dezember gesagt, dass jeder an das Wunder glauben und dafür alles geben müsse. Jede Partie sei für den Verein ein Endspiel.

Der nächste Gegner ist am Samstag daheim Augsburg. Doch eigentlich ist es auch egal, wer da kommt, Köln muss punkten. Wenn die Mannschaft sich "so reinhaue" und "so viel investiere", wie gegen Gladbach und Hamburg, dann könne das mit dem Klassenerhalt gut gehen, meint Ruthenbeck. Es könne aber auch sein, so der 45-Jährige weiter, dass es trotz guter Leistungen eben letztlich nicht reiche, "weil wir einfach in der Hinrunde zu wenig Punkte gehabt haben. Das ist nun mal so."

Quelle: n-tv.de

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