Fußball

Fußball-Zeitreise, 5.1.1965 Härtester Verteidiger der Welt wird geboren

imago03544632h.jpg

Vincent Peter Jones schrieb unter dem Kampfnamen "Die Axt" Fußballgeschichte.

(Foto: imago sportfotodienst)

Vinnie Jones feiert heute Geburtstag. Wer ihn nie hat spielen sehen, dem sei gesagt: Seine Gegenspieler flüchteten aus Angst schon vor dem Spiel lieber auf die Bank. Doch nicht nur mit den Füßen war Jones stark, wie eine legendäre Verbalschlacht mit Gary Lineker zeigt.

Ein Journalist fragte Vinnie Jones einmal, ob er davon träume, eines Tages im Finale einer WM zu stehen. Jones schaute den Mann lange an, kniff die Augen zusammen und fauchte: "Ich spiele für Wales, du Arschloch!" Und obwohl damit alles gesagt war, hielt der Verteidiger des Wimbledon FC dem Reporter zur Sicherheit noch die Faust unter die Nase.

@VintagePhotosUK.JPG

Guten Tag: Vinnie Jones und Paul Gascoigne.

(Foto: Screenshot Twitter @VintagePhotosUK)

Als Vincent Peter Jones, den die ganze Welt nur unter Vinnie Jones kennt, am Morgen des 5. Januar 1965 im englischen Städtchen Watford als Sohn walisischer Eltern geboren wurde, konnte wahrlich niemand ahnen, dass er einmal als härtester Verteidiger der Welt in die Geschichtsbücher eingehen würde.

Sein legendäres Duell mit Paul Gascoigne am 6. Februar 1988 ist nicht nur wegen eines der berühmtesten Fußballfotos aller Zeiten im kollektiven Gedächtnis verankert. Doch auch außerhalb des Platzes langte "die Axt" zu. 1996 lieferte er sich mit einer anderen britischen Fußballlegende einen filmreifen und mittlerweile legendären Showdown.

Das damalige Verhältnis von Gary Lineker und Jones als schwierig zu bezeichnen, käme wegen Verharmlosung einem Straftatbestand gleich. Wäre Jones vis-à-vis auf den ehemaligen Nationalspieler getroffen, ein Krankenhausbesuch wäre wohl noch der harmlosere Ausgang dieser Begegnung gewesen. Jones damals: "Wir haben ihn eingeladen, zu uns auf den Trainingsplatz zu kommen, um uns seine Kritik mal genauer zu erläutern. Aber er wird nicht kommen. Er hat nicht die Eier dazu, sich uns zu nähern."

"Eine künstlich gehypte Person"

Angefangen hatte alles damit, dass Lineker als neuer BBC-Experte sagte: "Wir brauchen solche Leute wie Jones nicht. Er tut dem Spiel nicht gut." Nachdem Lineker noch einen obendrauf gesetzt hatte ("Er ist eine künstlich gehypte Person und ein miserabler Fußballer"), nahm Jones den Fehdehandschuh auf. Mit Trainer Joe Kinnear verfasste sein Verein, der Wimbledon FC, ein Schreiben, in dem Lineker als "Verlierer, Schlappschwanz, Feigling"" und als "Qualle" bezeichnet wurde. Den von allen Spielern der Dons unterschriebenen Brief verschickte der Klub an sämtliche Medien. Der Skandal war perfekt.

imago01883953h.jpg

Linekers Gary.

(Foto: imago/Colorsport)

Und da das öffentlich entfachte Feuer ohnehin lichterloh brannte, ging Jones auf Nachfrage gerne ins Detail: "Wir haben ihn eine Qualle genannt, weil er uns eben an eine erinnert. Eine Qualle hat kein Rückgrat und weiß nicht, ob sie männlich oder weiblich ist. Der einzige Unterschied: Eine Qualle hat einen Stachel - er nicht!"

Als Lineker in einer der nächsten Sendungen grinsend erwiderte, dass er sich wahnsinnig freue, Jones mit ein wenig Extra-Publicity unterstützt zu haben, da der ja sonst stets zu kurz komme, war die mediale Lawine nicht mehr zu stoppen. Vom Trainingsplatz des Wimbledon FC hagelte es verbale Schneebälle: "Die BBC macht einen großen Fehler, wenn sie Lineker weiter beschäftigt. Das senkt das ganze Niveau des Senders massiv herab. Das ist eine Verschwendung von TV-Geld. So viele Leute schlafen während seiner Sendungen ein, vielleicht sollte man Lineker eher als Mittel gegen Schlaflosigkeit vermarkten. Ganz ehrlich: Er war einmal ein großer Fußballer, als Mann aber ist er ein Verlierer und Feigling."

"Wie sie seine riesigen Ohren überschminken"

Und weil der schwieg, legte Jones nach: "Lineker ist ein absoluter Idiot. Da muss man sich ja nur einmal seine TV-Werbung ansehen. Aber eins muss man sagen: Die Stylistinnen machen einen großartigen Job. Wie sie seine riesigen Ohren überschminken - Hut ab. Das könnten sie bei Dumbo, dem Elefanten, nicht besser machen."

Doch mittlerweile war Lineker die Fehde mit Jones wohl etwas zu langweilig geworden, und so haute er auch United-Trainer Alex Ferguson und Englands EM-Star Paul Gascoigne mit einigen harten Äußerungen tüchtig in die Pfanne. Das wiederum rief den Waliser erneut auf den Plan: "Er hat sich ausgerechnet uns drei ausgesucht, weil wir etwas haben, was er nicht hat: Persönlichkeit. Alex ist eine Legende, Paul ebenso und ich denke, auf meine Weise bin ich auch eine. Die Männer, die er angreift, sind Gewinnertypen. Aber er wartet so lange, bis er selbst nicht mehr aktiv ist, um all diese Dinge zu sagen. Das ist feige!"

imago02827843h.jpg

"Ich spiele für Wales, du Arschloch!" Der Mann rechts ist Ralf Weber. Und da kommt uns spontan ein Fußballspiel in Rostock in den Sinn. Warum? Fragen Sie einen Fan der Frankfurter Eintracht.

Lineker hielt sich in den Wochen danach vornehm zurück. Allein sein Manager sprach für ihn. Dieser unterstellte Jones, er habe seine Mannschaftskollegen zur Unterschrift des Schreibens gezwungen, und versicherte lächelnd: "Gary nimmt kein einziges Wort zurück!" Noch wochenlang bestimmten die beiden Legenden die Schlagzeilen, bis schließlich der englische Minister für Sport, Tony Banks, den Schlusspunkt setzte.

In seinem Statement fasste er den legendären Streit pointiert und humorvoll zusammen: "Vinnie hat zugegeben, dass er Toasts auf Gary Lineker geschmissen hat. Was er allerdings nicht erzählt hat: Die Toasts waren noch im Toaster!" Danach herrschte Ruhe. Der Worte waren genug gewechselt. Und schnell wurde klar: Lineker und Jones hatten von diesem medialen Großgewitter immens profitiert. Bis heute sind die beiden Teil des britischen Showbusiness - und nie um eine Schlagzeile verlegen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema