Fußball

(Un)happy Birthday, Martin Kind Hannover schenkt Chef (fast) den Abstieg

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22 seiner 75 Jahre hat Martin Kind bei Hannover 96 verbracht.

(Foto: imago images / Joachim Sielski)

Hannover-Klubchef Martin Kind wird 75. Zum Feiern ist ihm aber nicht zumute. Nach einer desolaten Saison, geprägt von Machtverlust und Trainerfrust, droht der Abstieg - der zweite, innerhalb von drei Jahren. Da kommt das 1:0 gegen Mainz als Geschenk und Lichtblick zugleich.

Martin Kind hat keine Lust zu feiern. "Das ist ein unbedeutender Tag für mich", sagte der Klubchef von Hannover 96 über seinen 75. Geburtstag am Sonntag, den er "entspannt mit der Familie" verbringen will.

Grund für Ausgelassenheit gibt es bei den Niedersachsen aktuell ohnehin nicht. Der zweite Abstieg aus der Bundesliga innerhalb von drei Jahren ist kaum noch zu verhindern. Auch wenn die Mannschaft mit dem 1:0 Erfolg gegen Mainz 05 einen winzigen Schritt in Richtung Relegationsplatz macht. Zudem dauern die Querelen um die Übernahmepläne mithilfe einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel weiter an, ein neuer Sportdirektor ist nach dem Rauswurf von Horst Heldt noch nicht in Sicht, und auch die Zukunft von Trainer Thomas Doll steht in den Sternen. "Viel Arbeit", so Kind, steht also an. Im Worst Case sei "der direkte Wiederaufstieg natürlich das Ziel", sagte Kind: "Klappt es nicht im ersten Jahr, dann eben im Folgejahr. So oder so braucht Hannover 96 einen Neuanfang."

Abstiegsangst statt Geburtstagjubel

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Wirklich beliebt ist Martin Kind beim Klub nicht mehr.

(Foto: www.imago-images.de)

Seinen Jubeltag hatte sich der einflussreiche Unternehmer nach über 20 Jahren bei 96 ganz sicher anders vorgestellt. In der niedersächsischen Landeshauptstadt sprachen vor der Saison einige sogar schon von der Rückkehr nach Europa. Doch es kam alles ganz anders. Am 31. Spieltag steht Hannover mit nur 18 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz.

Unabhängig von den aktuellen Querelen ist Kinds Vermächtnis bei den Roten schon jetzt groß. Sein Engagement für den Fußball wird in der Branche hoch geschätzt. "Wenn er Ende der 90er-Jahre den Verein nicht übernommen und unterstützt hätte, würde es mit großer Wahrscheinlichkeit heute keinen Bundesligastandort in Hannover geben", sagte RB Leipzigs Macher Ralf Rangnick.

Kind selbst ist "stolz darauf, dass wir im Profifußball mit der HDI Arena und der Akademie sowie dem Sportzentrum eine wettbewerbsfähige und leistungsstarke Infrastruktur geschaffen haben". Auch besondere Momente habe es viele gegeben, "zum Beispiel der Aufstieg 1998 mit dem Sieg im Elfmeterschießen gegen TeBe Berlin, der war sehr emotional". Dann der Wiederaufstieg 2002 unter Rangnick, danach 14 Jahre Bundesliga und zweimal Europa League. "Auch diese besonderen Abende mit internationalem Flair waren Höhepunkte", so Kind.

Machtverlust und Dauerfrust

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Coach Andre Breitenreiter musste den Klub schon Anfang des Jahres verlassen.

(Foto: imago/Horstmüller)

Doch seine zweifellos großen Verdienste der vergangenen zwei Jahrzehnte geraten immer mehr in den Hintergrund. Der 96-Geschäftsführer, der 1997 beim damaligen Regionalligisten einstieg und ihn seitdem mit einer kurzen Unterbrechung führt, erlebt aktuell seine schwerste Zeit im Verein - und büßt immer mehr an Macht ein.

Bei der Aufsichtsratswahl des Stammvereins im März setzten sich alle fünf Kandidaten der vereinsinternen Opposition durch. Eine krachende Niederlage für Kind. Und auch ein Denkzettel der Fans, mit denen der im niedersächsischen Walsrode geborene Millionär seit Jahren im Clinch liegt. Auch mit seinen Personalentscheidungen lag Kind zuletzt nicht immer goldrichtig. Sportdirektor Heldt und Trainer Andre Breitenreiter mussten aufgrund der sportlichen Talfahrt in dieser Saison bereits gehen. Kind sprach zuletzt von einer "desaströsen Saison".

Und so scheint auch das Schicksal von Breitenreiter-Nachfolger Doll bereits besiegelt. Bis zum Sieg gegen Mainz holte der Coach aus bisher elf Spielen nur einen Sieg und bekam dafür von Boss Kind bereits sein Fett weg. "Wir müssen einen vollständigen Neuaufbau einleiten" und "endlich eine eigene Philosophie erarbeiten", sagte er kürzlich bei bei "Wontorra - der Fußball-Talk". Bleibt die Frage, wie lange 96-Dauerbrenner Kind diesen Neuaufbau noch begleitet.

Quelle: n-tv.de, Marie-Theres Schwabe, Christoph Stukenbrock, sid

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