Fußball

"Kommende Woche auf drei Punkte" Havertz macht Rekord-Ablösung vergessen

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Kein Alleinunterhalter, aber doch der beste seines Teams: Kai Havertz.

(Foto: imago images/Poolfoto)

Kai Havertz verliert beim Spiel gegen Werder Bremen einen Rekord. Und doch ist er der große Gewinner der ersten Leverkusener Bundesliga-Partie nach der Corona-Pause. Als Kapitän glänzt er mit Toren, Köpfchen und Präsenz. Das dürfte den Transfermarkt weiter anheizen.

Mit Anpfiff des Spiels seiner Leverkusener bei Werder Bremen verlor Kai Havertz seinen ersten Titel. Florian Wirtz, 17 Jahre und 15 Tage alt, löste den Nationalspieler als jüngsten Leverkusener Bundesliga-Spieler ab. Am 15. Oktober 2016 war Havertz 17 Jahre und 126 Tage alt, als er ebenfalls in Bremen sein Debüt gab. Diese Statistik dürfte dem mittlerweile 20-Jährigen ziemlich egal sein. Schließlich kann er mit einigen gewichtigen Zahlen protzen: jüngster Leverkusener Torschütze und der jüngste Spieler, der 100 Mal in der Bundesliga auflief. Und dann gibt es da noch diese zukunftsweisende Zuschreibung: auf dem Weg, ein Weltstar zu werden. Das bewies er auch beim 4:1-Sieg in Bremen.

Peter Bosz schickte seinen Offensivmann wie schon mehrfach vor der Corona-Pause als Kapitän aufs Feld. Havertz war es dann auch, der den Torreigen der Werkself eröffnete. In der 28. Minute köpfte er nach einer Flanke von Moussa Diaby gegen die Laufrichtung von Werder-Torhüter Jiri Pavlenka zum 1:0 ein. Kurz nach dem umgehenden Ausgleich der Bremer durch Theodor Gebre Selassie (30.) setzte er zum zweiten Torsprung an. Nach einer Freistoßflanke von Kerim Demirbay stand der 20-Jährige sträflich frei und erzielte abermals per Kopf das 2:1 (33.). Es war Havertz' erster Kopfball-Doppelpack, sein fünfter Doppelpack in dieser Saison und seine wettbewerbsübergreifenden Saisontreffer elf und zwölf.

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Als Kapitän und Doppeltorschütze ist Havertz ein begehrter Interviewpartner.

(Foto: REUTERS)

Doch nicht nur die zwei Tore adelten Havertz einmal mehr zum besten Spieler der Werkself. Seine Präsenz, seine Pässe, seine Spielordnung sind es, die den Leverkusener so begehrenswert für die renommiertesten Klubs der Welt machen. Sein Vertrag läuft Ende Juni 2022 aus, entsprechend wird jetzt gepokert - es geht um Gehalt und Ablöse. Sein Trainer hatte noch Mitte März dem "Algemeen Dagblad" prophezeit: "Er kann im nächsten Sommer nicht gehalten werden. Das wird eine Überweisung von über 100 Millionen Euro." Bosz' Erklärung: "Jeder in Deutschland sieht ihn als Wunderkind."

Wechseloptionen werden heiß diskutiert

Nun kam die Coronavirus-Pandemie dazwischen, Experten bezweifeln, dass die Ablösesummen so gigantisch hoch bleiben wie zuvor, schließlich steckt die ganze Branche in der Krise. Vielleicht eine Chance für Bayer? Schließlich riet Ex-Nationalspieler Jens Nowotny jüngst bei den Portalen Goal und Spox: "Für seine persönliche Entwicklung als Spieler und als Mensch würde es ihm guttun, in einer Umgebung zu sein, in der er sich wohlfühlt - und die hat er in Leverkusen." Havertz spielt schon seit zehn Jahren im Trikot der Werkself.

Werder Bremen - Bayer Leverkusen 1:4 (1:2)

Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Friedl - Vogt (85. Osako) - Bargfrede (54. Johannes Eggestein), Maximilian Eggestein - Bittencourt (71. Sargent), Selke (71. Woltemade), Rashica (85. Bartels). - Trainer: Kohfeldt

Leverkusen: Hradecky - Weiser, Tapsoba, Sven Bender, Sinkgraven - Aranguiz (85. Paulinho), Demirbay - Wirtz (62. Bellarabi), Amiri (71. Baumgartlinger), Diaby (62. Bailey) - Havertz (85. Alario). - Trainer: Bosz

Schiedsrichter: Tobias Stieler (Hamburg)

Tore: 0:1 Havertz (28.), 1:1 Gebre Selassie (30.), 1:2 Havertz (33.), 1:3 Weiser (61.), 1:4 Demirbay (78.)

Nun heißt es andererseits aber auch, dass eine Veränderung der persönlichen Entwicklung guttun kann, es muss ja nicht gleich ein Aufbruch nach Barcelona - wo der FC Gerüchten zufolge für Havertz drei Spieler tauschen wollen würde - oder Liverpool werden. Keine 80 Kilometer entfernt von der BayArena liegt der Signal-Iduna-Park von Dortmund und es heißt, dass man beim aktuellen Tabellenzweiten der Bundesliga sehr interessiert wäre an einer Verpflichtung des Nationalspielers. Einen Wechsel ins Team um Kumpel Julian Brandt hält auch Nowotny für geeigneter als den Schritt nach München zum FC Bayern: "Bei Bayern München könnte er sich entwickeln, müsste sich aber in erster Linie durchsetzen. Das funktioniert in der heutigen Zeit bei einigen Vereinen besser als bei anderen. Für einen jungen Spieler ist Borussia Dortmund vom Verein und vom Umfeld her vielleicht besser als Bayern München."

Aber was macht Havertz eigentlich mit dem ganzen Gerede über seine Personalie? Er schweigt. Und konzentriert sich auf die aktuelle Situation. Eine, die für ihn nur in Leverkusen stattfindet. "Ich bin sehr, sehr glücklich", sagte er nach dem Spiel in Bremen bei Dazn. "Man sieht, dass wir aktuell sehr gute Ergebnisse erzielen." Und schickte gleich eine Warnung hinterher: "Wir können auch den Anspruch stellen, kommende Woche auf drei Punkte zu gehen." Dann ist Leverkusen zu Gast bei Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr bei Sky sowie im ntv.de-Liveticker). Die Fohlenelf ist Tabellendritter, aber nur mit zwei Punkten vor Bayer. Mit Havertz' erhofften drei Punkten würde Leverkusen an der Borussia vorbeiziehen und einen Platz für die Champions League erobern. Das ist doch ein attraktives Ziel für die nächste Zeit. Den Verlust seines Youngster-Nimbus' an Wirtz kann er da ganz sicher verschmerzen.

Quelle: ntv.de