Fußball

Ex-Coach kritisiert den Fußball Heynckes würde auf die Straße gehen

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Als Bayern-Trainer waren für Heynckes internationale Reisen Alltag - so wie hier zum Spiel bei Real Madrid.

(Foto: REUTERS)

Nach dem endgültigen Ende seiner Trainerkarriere findet Jupp Heynckes Zeit für sein politisches Bewusstsein. Der Ex-Coach kritisiert die Profitgier des Fußballs und kann die Wut der Jugend verstehen. Der 74-Jährige überlegt, selbst auf die Straße zu gehen.

In seiner Trainerkarriere reiste Jupp Heynckes viel und häufig, und das meistens mit dem Flugzeug. Anders ist der eng getaktete Zeitplan im Profifußball auch kaum einzuhalten, wenn zwischen drei Spielen innerhalb einer Woche an drei verschiedenen Orten auch noch Zeit für Training sein soll. Doch wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag am Samstag scheint es, als habe sich Heynckes Gedanken über diesen Lebenswandel gemacht, und besonders über dessen Konsequenzen: "Für die nächsten Generationen zeichnet sich eine fatale Klimasituation ab. Deshalb haben die jungen Leute vollkommen recht, wenn sie protestieren." Früher sei ihm die Politik nicht so wichtig gewesen, wie er im Gespräch mit dem "Kicker" zugibt - inzwischen sei das anders: "Das hat in mir geschlummert. Als Fußballer und Trainer hatte ich nicht den Kopf und die Zeit dafür; mittlerweile schon."

"Manchmal habe ich mir gedacht, eigentlich müsste ich bei einer Klimademonstration mitmarschieren. Missstände und Ungerechtigkeit kann ich nicht ertragen", sagte der ehemalige Bundesliga-Trainer. Heynckes findet zudem, dass die Menschen weltweit ihre Lebensweise verändern müssten.

"Entwicklung im Fußball war unmoralisch"

Zu nachhaltigem, zukunftsorientiertem Denken rät Heynckes auch den Fußball-Klubs in der Corona-Krise: Der Fußball dürfe "nicht nur an den Profit denken", sagte der Ex-Bayern-Trainer, der stattdessen dazu rät, bewährtes Personal zu halten. "Ich würde auf junge Spieler setzen, wie Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic jüngst sagte. Ganz große Transfers würde ich jedoch ausschließen." Auch große Klubs würden angesichts der gravierenden Viruskrise "wirtschaftliche Probleme bekommen. Deshalb würde ich als Verantwortlicher lieber meine Spieler halten, statt teure Stars zu holen. Sicher müsste ein Kai Havertz in der Bundesliga bleiben, aber nicht für einen utopischen Preis, das wäre nicht zu verantworten. Grundsätzlich war die bisherige Entwicklung im Fußball sowieso unmoralisch", ergänzte Heynckes.

Die Vereine müssten hoffen, dass die Saison ohne Zuschauer zu Ende gespielt werden könne, "auch wenn Fußball ohne Zuschauer fürchterlich ist", sagte Heynckes. "Aber es gibt keine andere Lösung, damit die Klubs bis Sommer über die Runden kommen. Und dann müssen die Vereins-Verantwortlichen begreifen, dass sie möglicherweise die kommende komplette Saison weiter ohne Publikum spielen werden." Die Bundesliga hofft trotz der anhaltenden Corona-Krise, im Mai ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen zu können, am Mittwoch wird eine Entscheidung der Politik erwartet.

Quelle: ntv.de, tsi/sid