Fußball

"Haben als Mannschaft versagt" Hoffenheim-Klatsche "schockiert" Hannover 96

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"Überrascht und ernüchtert": Hannover-Trainer Thomas Doll nach der 0:3-Klatsche in Hoffenheim.

(Foto: imago/Thomas Frey)

Nach dem Sieg gegen Nürnberg will Hannover 96 in Hoffenheim den nächsten Schritt aus dem Bundesliga-Keller machen. Doch schon nach 14 Minuten steht es 0:2, weil Hannover fußballerisch kollabiert. Retter-Coach Thomas Doll ist konsterniert. Statt Punkte bleiben H96 nur Phrasen.

Thomas Doll hüstelte und schniefte. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn, die Augen waren glasig. Und dennoch war die heftige Erkältung bei Weitem nicht das Schlimmste, was den Trainer von Hannover 96 plagte. "Wir können froh sein, nicht mit sieben Stück nach Hause zu fahren", sagte Doll nach dem 0:3 (0:2) bei der TSG Hoffenheim: "So kannst du keinen Blumentopf gewinnen. Wir haben als Mannschaft versagt. Wir sind schockiert."

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Mit drei Gegentoren war Hannover noch bestens bedient, fand Doll.

(Foto: imago/Thomas Frey)

Tatsächlich waren die Niedersachsen im Kraichgau hoffnungslos unterlegen. Ihre Vorstellung hatte nichts mit Bundesliga-Fußball zu tun. In dieser Verfassung ist der Abstieg für den Klub des umstrittenen Präsidenten Martin Kind, der seit 23 Partien auswärts keinen Sieg eingefahren hat, nicht zu vermeiden. Und Doll gestand das auch ohne Umschweife ein.

"Ich bin überrascht und ernüchtert. Das war ein blutleerer Auftritt. Ich hatte wirklich gedacht, dass wir einen kleinen Schritt weiter sind", äußerte der Coach, dessen Team nach 22 Spieltagen gerade einmal 14 Punkte auf dem Konto hat: "Wir sind wie die Kaninchen vor der Schlange durch die Gegend gelaufen. Das sah so aus, als ob der ein oder andere die Situation noch nicht erkannt hat. Wir sollten schleunigst ein anderes Gesicht zeigen."

"Muss viel mehr Feuer in die Bude"

Doll ging sogar so weit, dass er den Job an der Leine als "den schwierigsten" seiner Karriere bezeichnete. "Die Verunsicherung ist schon sehr, sehr groß. Aber alles auf die Tabellensituation zu schieben, ist mir zu einfach", sagte der 52-Jährige, der Ende Januar Andre Breitenreiter beerbt hatte: "Wir dürfen schon mehr Engagement zeigen. Es ist nicht verboten, den Ball mal in den eigenen Reihen zu halten. Der ein oder andere hat noch gewaltiges Steigerungspotenzial. Es muss viel mehr Feuer in die Bude."

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Hoffenheims Joelinton wurde von hannover schon nach vier Minuten zu einem Tor eingeladen - und nahm dankend an.

(Foto: imago/Jan Huebner)

In Sinsheim waren Dolls Schützlinge in allen Belangen unterlegen, ein Klassenunterschied war unverkennbar. Das gab Doll sogar selbst zu. Der Erfolg am vergangenen Spieltag gegen den direkten Konkurrenten 1. FC Nürnberg (2:0) war offenbar "nur" ein Sieg gegen eine noch schlechtere Mannschaft. Die Tore von Joelinton (4.), Ishak Belfodil (14.) und Kerem Demirbay (80.) vor 23.404 Zuschauern spiegelten den Spielverlauf nicht einmal ausreichend wider. Die Hoffenheimer trafen zudem noch dreimal das Aluminium und hatten unzählige weitere Chancen.

"Dazu kann man nicht viel sagen. Wir haben viele Dinge vermissen lassen", gestand der konsterniert wirkende Manager Horst Heldt ein: "Das Ganze findet im Kopf statt. Alle Spieler sind für die erste Liga befähigt. Aber der Druck im Abstiegskampf ist eine psychische Herausforderung. Und das kriegen wir momentan nicht hin." Das Hinzuziehen eines Psychologen ist für Heldt aber keine Option. "Das macht jetzt keinen Sinn mehr. Das ist der falsche Zeitpunkt", äußerte der Sportchef, der nicht um Durchhalteparolen umhin kam: "Es ist nach wie vor alles möglich. Der Abstiegskampf ist langatmig. Wer das nicht aushält, der schafft es nicht."

Quelle: n-tv.de, Alexander Sarter, sid

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