Fußball

"Sieg Heil" in Prag Hummels will keine Nazis bei der DFB-Elf

fe96d8cc8342508245e0ac9a17ea5d91.jpg

Sauer auf die "Fan"-Idioten: Mats Hummels.

(Foto: imago/Team 2)

Einige Fans reisen nach Prag und rufen beim Spiel der Fußball-Nationalelf Nazi-Parolen. Mats Hummels ist entsetzt und findet klare Worte, ebenso Julian Brandt. Bundestrainer Joachim Löw hingegen hat, wie er sagt, nichts gehört.

Normal ist das nicht. Da köpft Mats Hummels, der Innenverteidiger des FC Bayern, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor 18.093 Zuschauern in Prag beim 2:1 (1:0) gegen Tschechien zum siebten Erfolg im siebten Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland und hinterher trifft er sich am späten Freitagabend im Bauch des Stadions Eden mit den Journalisten und sagt: "Das war eine Katastrophe, ganz schlimm." Damit kritisierte er nicht das Spiel der DFB-Elf - sondern einige ihrer Fans. Eine Gruppe von etwa 200, meist schwarz gekleideten Männern auf der Südtribüne hatte gegen Ende des Spiels, nach Hummels' Tor in der 88. Minute, Nazi-Parolen skandiert.

Die "Heil"-Rufe, die den bei Spielen der Nationalelf in schlechter Tradition durchaus üblichen "Sieg"-Rufen folgten, waren deutlich auch auf der Haupttribüne zu hören. Ob es daran lag, dass das Stadion mit seinen 21.000 Plätzen vergleichsweise klein ist, oder daran, dass sie es besonders laut taten, ist schwer zu beurteilen. Mittelfeldspieler Julian Brandt sprach hinterher in der Mixed Zone von "Gesängen mit nationalsozialistischem Hintergrund". Deshalb sei die Mannschaft nach dem Abpfiff auch sofort in die Kabine und nicht zu den Fans hinter dem Tor gegangen. "Da braucht man sich nicht wundern, dass wir das nicht bejubeln. Wir waren uns alle einig, dass wir nicht noch in die Kurve gehen und das noch unterstützen."

"Schauen, dass man die aus dem Stadion rauskriegt"

Auch Hummels sagte, was Sache ist: "So einen Schmarrn brauchen wir auf gar keinen Fall bei unseren Spielen. Das sind keine Fans, das sind Krawallmacher, Hooligans, die haben nichts mit Fußballfans zu tun. Da distanzieren wir uns komplett von, damit wollen wir gar nichts zu tun haben. Deswegen sind wir auch nicht hingegangen. Es tut uns leid für die, die das nicht gerufen haben." Grundsätzlich gelte: "Man muss schauen, dass man die aus dem Stadion rauskriegt." Alles hatte damit begonnen, dass besagte Gruppe während beider Hymnen vor dem Anpfiff "Scheiß DFB" rief. Sie tat das auch während der Schweigeminute für zwei Funktionäre des tschechischen Fußballverbandes, die jüngst gestorben waren. Nachdem der Leipziger Timo Werner nach vier Minuten das erste Tor erzielt hatte, beschimpften sie ihn und nannten ihn einen "Hurensohn".

Nun ist an diesem Abend in Prag so viel vorgefallen, dass es wichtig ist, zu differenzieren. Den Deutschen Fußball-Bund zu kritisieren, wenn auch nicht auf die feine Art, ist eine Sache. Das während der Hymnen und der Schweigeminute zu tun, ist allerdings nicht zu tolerieren. Einen 21 Jahre alten Profi zu schmähen, weil er bei einem wenig beliebten Verein spielt und vor einem Jahr einen saublöden Fehler gemacht hat, als er sich im Spiel der gegen den FC Schalke 04 im Strafraum fallen ließ, ist einfach nur dumm. Nazi-Parolen zu skandieren, zeugt dagegen nicht nur von unfassbar geschichtsvergessener Dummheit, sondern es ist auch strafrechtlich relevant. Wer das tut, gehört nicht nur nicht ins Stadion - sondern vor Gericht.

Der DFB sollte darüber nachdenken, wie er mit diesem Klientel umgeht, das die Mannschaft seit Jahren vor allem bei Auswärtsspielen begleitet. Direkt nach der Partie äußerte sich der Verband allerdings nicht zu den Vorfällen. Manager Oliver Bierhoff sprach lediglich von "zwei Fan-Blöcken: Einer war vom DFB geordnet, beim anderen lief die Kartenvergabe nicht über uns". Bundestrainer Joachim Löw sagte, er habe nicht mitbekommen, dass seine Spieler nicht zu den Fans gegangen waren: "Das habe ich nicht gesehen, ich bin nach dem Spiel rein und weiß nicht, was es für Sprechgesänge draußen gab. Ich kann ich dazu ehrlich nichts sagen." Vielleicht spricht er ja in den kommenden Tagen mal mit Mats Hummels.

Quelle: ntv.de