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Fußball-Zeitreise, 16. März 2011 Ich kann kein Schalke-Fan sein

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"Felix gefällt uns nicht mehr" gilt natürlich Trainer Magath.

(Foto: imago sportfotodienst)

Jetzt ist Domenico Tedesco beim S04 doch gefeuert. Vor genau acht Jahren wurde Felix Magath auf Schalke entlassen. Ein Rauswurf mit großem Slapstick-Potential, der an die wilden Tage früherer Zeiten erinnerte. Doch ruck-zuck war damals überraschend alles wieder gut.

Uli Hoeneß konnte es nicht lassen. Auch er mochte Felix Magath nie so besonders gerne - obwohl dieser mit seinen Bayern sogar Erfolge gefeiert hatte. Und nun, nachdem Magath auch bei seinem königsblauen Freund, dem Metzger Tönnies, gescheitert war, schoss Hoeneß einen Giftpfeil von hinten mitten in die Brust des früheren Hamburger Meisterspielers: "Noch eine Bemerkung zu Magath. Als der Clemens Tönnies ihn in Schalke entlassen hat, sagte er zu ihm: Wenn Sie so weitermachen mit ihrem Kader mit 45 Mann, dann brauchen wir für die Mannschaft einen Gelenkbus. Da entlasse ich Sie lieber!"

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Keine besten Freunde: Felix Magath und Clemens Tönnies.

(Foto: imago sportfotodienst)

Für S04-Coach Felix Magath liefen die Geschäfte auf Schalke in der Saison 2010/11 schnell aus dem Ruder. Das Ansehen und das Vertrauen in den zuvor so mächtigen Herrscher litten unter dem Misserfolg seiner Mannschaft. Kurzzeitig geriet Königsblau sogar in echte Abstiegsgefahr. Zu viel für die Schalker Führung. Am 16. März 2011 zog sie die Reißleine. Spät, aber noch rechtzeitig genug, um das Schlimmste zu verhindern. Nach dem zweiten Platz ein Jahr zuvor beendete der Klub aus dem Ruhrgebiet die Saison auf dem 14. Tabellenrang. Auch die Spieler atmeten hörbar auf. Jefferson Farfán meinte nach Magaths Rauswurf erleichtert: "Ich hätte wohl gekündigt und wäre nach Peru zurückgegangen. Da hätte ich lieber Steine geschleppt und Erde umgegraben, als unter Herrn Magath zu spielen." Zuvor war die Kommunikation zwischen dem Trainer und seinen Spielern komplett zum Erliegen gekommen. Als Magath Jermaine Jones auch nach seiner langen Verletztenzeit nicht aufstellen wollte, beantwortete Jones die Frage nach dem Warum betont süffisant: "Der Trainer hat gesagt, ich hätte muskuläre Probleme."

Magath wollte mehr Macht

Die Mission des Felix Magath auf Schalke scheiterte damals, weil der gebürtige Aschaffenburger den Verein komplett unter seine Fittiche bekommen wollte. Im Klub rumorte es schon seit dem Beginn seiner Amtszeit bei den Königsblauen, doch die Erfolge überdeckten anfangs das Unbehagen. Erst als Magath forderte, dass er Transfers über 300.000 Euro ohne die Genehmigung des Aufsichtsrates durchführen dürfe und die Mitglieder ihm dies auf der Jahreshauptversammlung untersagten, trat der Konflikt offen zutage. Als dann auch noch kurz vor dem Start der Spielzeit 2010/11 der langjährige Fanbeauftrage Rolf Rojek seinen Posten räumen musste, war die Stimmung endgültig auf dem Siedepunkt angelangt. Vier Spiele ohne einen einzigen Punkt zum Saisonbeginn taten ihr übriges.

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Rolf Rojek war bis zur Spielzeit 2010/11 Fanbeauftragter.

(Foto: imago sportfotodienst)

Und dann unterlief Magath noch ein kapitaler Fehler. In einem Interview sagte er einen Satz, der in einer anderen sportlichen Situation untergegangen wäre, nun aber für den endgültigen Bruch mit den echten S04-Fans sorgte. Dabei hatte Magath nur erklären wollen, was der Unterschied zwischen einem temporären Angestellten des Klubs und einem Anhänger sei. Seine durchaus nachvollziehbare Schlussfolgerung endete aber im Eklat: "Ich kann kein Schalke-Fan sein!"

Magath versucht sich Online

In dieser Phase forderte Clemens Tönnies von seinem Trainer mehr Offenheit im Umgang mit den eigenen Fans. Und Felix Magath reagierte - auf eine ungewöhnliche wie äußerst kuriose Weise. Der Schalke-Coach wagte den Schritt in die Moderne und meldete sich bei Facebook an. Dokumentiert wurde dies damals in einem kleinen Filmchen auf seiner Seite. "Zeit.de" urteilte über Magaths erste Internet-Schritte: "In einem ganz und gar außergewöhnlichen Video, dessen Konzept auf den Schülerpraktikanten der Schalke-Geschäftsstelle zurückgehen muss, können wir den Trainer dabei bewundern, wie er seinen Facebook-Account anlegt."

Felix Magaths Eröffnungsworte an die königsblaue Fangemeinde wirken auch in der Rückschau geradezu skurril: "Fußball. Da kann ja jeder mitreden, da ist ja immer was los, da wird viel diskutiert - auch in neuen Medien. Facebook ist ja ein Medium, das ich mir jetzt gerne mal ansehen möchte und auch mal mitmachen möchte. (energisch) Also, da melde ich mich jetzt doch mal an. Ja, dann wollen wir gleich noch was posten, liebe Schalker. (Geklapper) Ich freu mich auf einen regen Austausch mit euch, auf meinem neuen Account, auf Facebook." Drei Tage nach seiner Anmeldung hatten bei Magath bereits 39.039 Personen den "Gefällt mir"-Button gedrückt. Zum Vergleich: Lady Gaga fanden zum selben Zeitpunkt 28.061.186 Menschen klasse und Mike Krüger immerhin 1059.

"Ich lasse mich nicht beirren"

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Und dann überschlugen sich Anfang März auf Schalke die Ereignisse. Nachdem durchgesickert war, dass Tönnies bereits an Magaths Rauswurf arbeitete, reagierte dieser nun via seines neuen medialen Sprachrohrs direkt über Facebook mit einem Appel an die Fans: "Nicht verrückt machen lassen, liebe Schalker! Ich lasse mich nicht beirren. Die Mannschaft konzentriert sich auf das wichtige Spiel. Schalke steht im Achtelfinale der Champions League und hat gute Chancen weiterzukommen. Nur das zählt. Das Team und ich zählen auf Eure Unterstützung!" Parallel, wie später rauskam, organisierte der von Magath mitgebrachte Pressesprecher vor dem Champions-League-Achtelfinalspiel gegen den FC Valencia eine "Pro-Magath"-Aktion. Zusammen mit einem Unternehmen ließ er 500 Shirts drucken, auf denen das Gesicht des Trainers mit dem Facebook-Daumen und der Aufschrift "Gefällt mir" abgedruckt war. Doch die T-Shirts wurden wegen der Verletzung von Markenrechten - auch das S04-Logo war abgebildet - noch vor Spielbeginn konfisziert.

Am 16. März 2011 nun beendete die Schalker Führung das Schauerspiel gerade noch rechtzeitig. Auch eine Schlammschlacht zwischen den im Streit auseinandergehenden Parteien konnte verhindert werden. Vor allem deshalb, weil Magath nur zwei Tage nach seinem Rauswurf auf Schalke wieder bei seinem alten Arbeitgeber, dem VfL Wolfsburg, anfing. Übrigens ebenfalls mit einer Slapstick-Aktion: Auf der ersten Pressekonferenz mit Neu-Trainer Magath erlaubte sich ein Tontechniker beim Mikrofoncheck einen Scherz, als er vor versammelter Medienschar in die akustischen Verstärker hauchte: "Eins, zwo, drei, eins, zwo, drei, Medizinball!" Wie lange der Tontechniker noch beim VfL aktiv war, ist leider nicht bekannt.

Quelle: n-tv.de

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