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Investoren planen Profiliga Indien will Fußball-Nation werden

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Indische Kricket-Fans: Mit dem Nationalsport des Subkontinents hat der Fußball in Indien starke Konkurrenz.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Mithilfe zahlungskräftiger Investoren soll einer der letzten weißen Flecken der Fußball-Weltkarte verschwinden: Die Indian Super League tritt an, dem Nationalsport Kricket Konkurrenz zu machen. Dabei mischt auch ein früherer Bundesliga-Profi kräftig mit.

Goldgräberstimmung am Ganges: Der Anpfiff zur indischen Fußballiga - Indian Super League (ISL) - ist auch der Startschuss zu einem hochprofessionellen Kommerzialisierungsprojekt. Durch dieses wollen die Manager auf dem indischen Subkontinent einen gigantischen Zukunftsmarkt mit Milliarden-Perspektiven erschließen. Zum Plan gehören mehr als Dutzend gealterter Stars wie etwa die Weltmeister Alessandro Del Piero aus Italien und David Trezeguet aus Frankreich - oder auch der deutsche Ex-Nationalspieler Manuel Friedrich, der in der Bundesliga zuletzt bei Borussia Dortmund unter Vertrag stand.

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"Ist es zweite Liga? Dritte Liga? Ich weiß es nicht", sagt der Dortmunder Ex-Profi Friedrich über die Spielklasse seines neuen Vereins, den Mumbai City FC.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Personalkonzept, das in den USA einst trotz eines Franz Beckenbauer oder eines Pelé grandios scheiterte, in Japans J-League hingegen nach gut zwei Jahrzehnten als erfolgreich gelten kann. "Ich wollte noch einmal etwas wirklich Verrücktes machen", erläuterte der langjährige Bundesliga-Profi Friedrich im Fachmagazin "kicker" die Motivation für das Abenteuer als "Entwicklungshelfer" bei Mumbai City.

Bollywood sollen Interesse sichern

Verrückt an der ISL-Idee mutet zunächst alleine die Herausforderung von "König Kricket" durch den indischen Randsport Fußball an. Doch die Liga-Macher - der Industrielle Mukesh Ambani als reichster Mann des Landes sowie der US-Vermarktungsriese IMG und der australische TV-Mogul Rupert Murdoch als bekannte "Global Player" im Fußball-Business - ziehen alle denkbaren Register: Indiens lebende Kricket-Legende Sanchin Tendulkar ließ sich den Kauf eines Vereins aus der Achter-Liga für eine Viertelmillion Dollar ebenso schmackhaft machen wie beispielsweise Mega-Stars der einheimischen Bollywood-Filmindustrie wie Friedrichs neuer Boss Ranbir Kapoor.

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Fußballspielende Kinder vor dem Victoria-Memorial in Kalkutta: Das Potenzial des indischen Fußballs gilt als weitgehend unerschlossen.

(Foto: REUTERS)

Hundertmillionenfache Aufmerksamkeit ist durch das Engagement der indischen Glamour-Ikone garantiert. "Unser Ziel ist es, den Fußball-Sport radikal zu popularisieren", sagte IMG-Vizepräsident Andy Knee und verdeutlichte die Strategie. ISL-Cheforganisatorin und Ambanis Frau Nita Ambani wählt klarere Worte: "Das zu großen Teilen noch unerschlossene Potenzial des Fußballs in Indien bietet die Chancen auf einen beispiellosen kommerziellen Erfolg."

Auch solcher Aussichten wegen sind europäische Klubs bei dem Geschäft, das nach dem Lizenzmodell der US-Profiligen in einem geschlossenen Kreis abläuft, schon dabei: Atletico Madrid fungiert in Kolkata als Namenspate, Inter Mailand hält Aktien beim Team Chennai, der Mario-Gomez-Klub AC Florenz unterstützt Pune FC und Feyenoord Rotterdam kooperiert mit Del Pieros Delhi Dynamos.

Erfolgsrezepte des Kricket sollen helfen

Vor dem Reibach sind indes zunächst Investitionen über das Millionen-Salär für Top-Oldies wie Del Piero oder Trezeguet hinaus gefragt gewesen: Umgerechnet 90 Millionen Euro legten die ISL-Finanziers beim nationalen Verband AIFF für sämtliche kommerziellen Rechte bis 2025 auf den Tisch und riefen im Gegenzug für eine zehnjährige Vereinslizenz stolze 20 Millionen Euro auf. Der abgeleitete ISL-Marktwert von 160 Millionen Euro nimmt sich allerdings noch bescheiden aus: Schon die Bundesliga als Ganzes wird derzeit auf 2,4 Milliarden Euro beziffert, und beim großen ISL-Rivalen Kricket schätzen Experten die Profiliga IPL gar auf vier Milliarden Euro.

Immerhin stellt ISL-Chefin Ambani mittelfristig einen Wertzuwachs auf 780 Millionen Euro in Aussicht. Für den geplanten Angriff auf Kricket kopierte die ISL kurzerhand das Erfolgsrezept des indischen Nationalsports: Außer der überschaubaren Vereinszahl läuft die Saison wie in der IPL auch nur zwei Monate und mündet in eine Play-off-Runde mit den besten vier Teams.

Qualität allerdings können vorerst bestenfalls importierte Fußball-Vorruheständler bringen: "Ist es zweite Liga? Dritte Liga? Ich weiß es nicht", stufte Friedrich das Niveau seiner einheimischen Teamkollegen vor dem Saisonstart ein. Den Level von 1950 haben Indiens Kicker ohnehin schon verbessert: Damals wurde das Land nicht zur WM in Brasilien zugelassen - weil die Inder barfuß spielen wollten.

Quelle: n-tv.de, Dietmar Kramer, sid

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