Fußball

37,5 Prozent für 125 Millionen Investor kauft sich groß bei Hertha BSC ein

imago40413571h.jpg

Jubel bei Hertha BSC: Der Finanzinvestor Lars Windhorst stattet den Klub aus der Hauptstadt mit frischem Kapital aus.

(Foto: imago images / Nordphoto)

Geldregen für Hertha BSC: Der Investor Lars Windhorst kauft sich beim Fußball-Bundesligisten ein. Für zunächst 37,5 Prozent an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA bezahlt das ehemalige Wunderkind der deutschen Wirtschaft 125 Millionen Euro, kann sein Engagement aber noch weiter aufstocken.

Fußball-Bundesligist Hertha BSC darf sich über eine 125-Millionen-Euro-Finanzspritze freuen. Der Finanzinvestor Lars Windhorst steigt beim Klub aus der Hauptstadt ein - und bringt viel Geld mit. Für 37,5 Prozent Vereinsanteile fließen in einem ersten Schritt 125 Millionen Euro über Windhorsts Beteiligungsgesellschaft Tennor an die Berliner. Zudem habe Windhorst in der kommenden Saison die Möglichkeit, seine Anteile zu einem höheren Preis auf auf 49,9 Prozent aufzustocken. Zuerst hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über den Deal berichtet, der ein Volumen von bis zu 250 Millionen Euro haben könnte, wie die "Bild"-Zeitung schreibt. Damit wurde der Unternehmenswert des Bundesligisten mit 330 Millionen Euro angesetzt.

Windhorst verspricht sich von dem Deal einen Aufschwung des Tabellenelften der abgelaufenen Bundesligasaison. "Die Hertha kann wie andere Klubs in London oder Madrid zu einem echten 'Big City Club' werden", sagte der Investor, der einst als Wunderkind der deutschen Wirtschaft gefeiert wurde, dann aber rund um die Jahrtausendwende mit seiner Firma Schiffbruch erlitten hatte. Die strategische Partnerschaft mit Hertha BSC sei nun auf unbestimmte Zeit angelegt, Tennor erhält im Gegenzug für ihr Engagement zwei Sitze im Aufsichtsrat der ausgegliederten Profi-Abteilung von Hertha BSC.

50+1-Regel verbietet noch ein größeres Engagement

Strategisch ergibt die Partnerschaft für Hertha Sinn, da der Klub erst im vergangenen Winter die Anteile des vorigen Investors KKR zurückgekauft hatte und anschließend auf der Suche nach einem neuen Geldgeber war. Die 71,2 Millionen Euro für den Rückkauf der 36,3 Prozent, die sie damals teils durch Anleihen finanziert hatten, haben die Berliner nun mit Leichtigkeit wieder raus. "Durch die neue Partnerschaft sind wir, was die Bewertung unseres Klubs angeht, in neue Dimensionen vorgestoßen", sagte Hertha-Finanzvorstand Ingo Schiller.

Anders als in der englischen Premier League dürfen Investoren in Deutschland nicht die Stimmenmehrheit an Fußballklubs übernehmen. Die im nächsten Schritt möglichen 49,9 Prozent an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA sind für Windhorst also das größtmögliche Anteilspaket am Fußball-Bundesligisten, die Stimmenmehr in der Versammlung der Anteilseigner muss im Sinne der bei den Fans im Sinne eines fairen Wettbewerbs geschätzten 50+1-Regel beim Mutterverein verbleiben. Sollte die heftig umstrittene Regel auch in Deutschland fallen, könnte Tennor seine Anteile aufstocken und die Stimmenmehrheit übernehmen, die Anteile würden schlagartig an Wert gewinnen. Für die Saison 2017/18 vermeldete Hertha BSC einen Umsatz von 152,9 Millionen Euro, das führte zu einem Gewinn von 4,1 Millionen Euro nach Steuern - dem ersten Plus seit 2014. Für das kommende Geschäftsjahr plant Hertha BSC mit einem Gewinn von 200.000 Euro. Demgegenüber standen zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres Verbindlichkeiten in Höhe von 47,63 Millionen Euro, die laut Schiller zum Ende des laufenden Geschäftsjahres noch deutlich ansteigen sollen.

Windhorst ist umstritten

Hertha BSC ist nun der erste große Sportverein im Portfolio von Windhorsts Beteiligungsgesellschaft und steht künftig in einer Reihe mit dem afrikanischen Agrar- und Lebensmittelunternehmen Amatheon Agri, einem südafrikanischem Minenbetreiber oder der angeschlagenen Dessousmarke La Perla. Der 42-jährige Windhorst, der mit 16 Jahren seine ersten Start-ups gegründet hatte, sorgt im Markt allerdings nicht nur für Begeisterungsstürme. So berichtet die "Financial Times", dass erst jüngst besorgte Anleger Millionensummen aus einem Fonds abzogen, dessen Verwalter große Summen in Anleihen aus dem Windhorst-Portfolio investiert hatten.

Dem Bundesligisten scheint das aber egal zu sein. Das frische Kapital soll vor allem in den Kauf neuer Spieler fließen. "Das erhöht unsere Chancen, mittelfristig in Reichweite internationaler Plätze zu kommen", sagte Hertha-Manager Michael Preetz dem "Spiegel". Konkret sucht Hertha nach einem Ersatz für Flügelspieler Valentino Lazaro, der vor einem Wechsel zum italienischen Traditionsklub Inter Mailand steht. Auch ein neuer Stürmer sowie eine neuerliche Leihe von Mittelfeldspieler Marko Grujic, der beim FC Liverpool unter Vertrag steht, sind im Gespräch. Allerdings buhlt auch Ligakonkurrent Werder Bremen um Grujic.

Nicht der ganz große Wurf

Ganz große Sprünge sind mit dem Einstieg von Windhorst für Hertha BSC aber auch weiterhin nicht drin, weder national noch international werden die 125 Millionen Euro bei den Großklubs für mehr als ein Schulterzucken sorgen. Branchenführer FC Bayern hatte 2014 den größten Investoren-Deal in der Bundesliga-Geschichte verkündet. Die Allianz AG - zugleich Namensgeber des Münchner Stadions - stieg für 110 Millionen Euro beim Rekordmeister ein. Dafür bekam das Unternehmen allerdings nur 8,33 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG, wie auch Adidas und Audi - und längst nicht so viel wie nun der Berliner Investor. Adidas hatte bei seinem Bayern-Anteile-Erwerb 2002 77 Millionen Euro bezahlt. Audi kam 2009 als zweiter Partner für 90 Millionen Euro hinzu. Bei den Bayern hält der Stammverein der Satzung entsprechend 75 Prozent der AG-Anteile. Borussia Dortmund brachte der Börsengang im Oktober 2000 bei der Erstemmission einen Erlös von umgerechnet rund 138 Millionen Euro ein.

Im internationalen Vergleich sind selbst diese Investmentzahlen von Rekordmarken weit entfernt. Laut Medienberichten soll Scheich Mansour allein zwischen 2008 und 2018 1,4 Milliarden Euro bei Manchester City investiert haben. Auch die Investitionsvolumen von Roman Abramowitsch beim FC Chelsea oder den Geldgebern aus Katar bei Paris Saint-Germain bewegen sich wohl in diesem Rahmen.

Quelle: n-tv.de, ter/sid/dpa