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Turin eröffnet Serie-A-Saison Ist Juve bereit für den Königsklassen-Titel?

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Kann er Juventus zum Sieg in der Champions League schießen? Cristiano Ronaldo geht in seine zweite Saison beim italienischen Meister.

(Foto: imago images / LaPresse)

Juventus ist der bei weitem stärkste Vertreter des italienischen Fußballs. Der Klub aus Turin beweist abermals ein gutes Händchen auf dem Transfermarkt und will mit Christiano Ronaldo und Neu-Trainer Maurizio Sarri die Champions League gewinnen. Reicht es dieses Mal für den großen Wurf?

"Wir brauchten einen positiven Schock auf dem Transfermarkt, um Juve zu neuem Leben zu erwecken", sagte kürzlich Fabio Paratici und erinnerte an einen historischen Moment seines Vereins. Der 47 Jahre alte Manager von Juventus Turin, dem Serienmeister Italiens, hatte vor mehr als einem Jahr Klubpräsident Andrea Agnelli von der Verpflichtung Cristiano Ronaldos überzeugt. Agnelli, ausgestattet mit Fiat-Milliarden, erklärte sich schlussendlich bereit, 117 Millionen Euro und ein saftiges Jahresgehalt für den Fußballer und die Marke "CR7" bereitzustellen. Wenn an diesem Samstag der Meister bei Parma Calcio (ab 18 Uhr im Liveticker auf n-tv.de) die Saison eröffnet, wollen Ronaldo und Co. aber nicht nur erneut die Serie A gewinnen - es soll endlich auch der Champions-League-Titel her.  

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Der CR7-Transfer war, wie Paratici richtig erkennt, ein Wendepunkt. Denn obwohl Juventus seit Jahren eine wichtige Rolle im internationalen Fußball spielt und zweimal, 2015 und 2017, im Finale der Champions League-Finale stand, setzte der stärkste italienische Vertreter selten ein Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt. Die Mannschaft bestand meist aus gestandenen italienischen und mitteleuropäischen Spielern sowie einigen Top-Talenten, die regelmäßig von der internationalen Konkurrenz abgeworben wurden. Paratici ist seit dem Abgang von Sportdirektor Giuseppe Marotta nahezu alleine für die Einkaufspolitik verantwortlich. Er gilt als Spezialist für ablösefreie Transfers. Seine Bilanz erstaunlich: Seit 2011 kamen Andrea Pirlo, Paul Pogba, Kingsley Coman, Sami Khedira, Dani Alves und Emre Can allesamt für lau nach Turin. In diesem Sommer fügte Paratici noch Adrien Rabiot und Aaron Ramsey zu dieser Liste hinzu.

Sprungbrett für Real und Co.

Doch ebenso scheint Juventus mittlerweile wichtig, gelegentlich sehr viel Geld in die Hand zu nehmen, wie es der Verein im Fall von Ronaldo und nun für Innenverteidiger Matthijs de Ligt tat. Der niederländische Nationalspieler hatte sich bei Ajax Amsterdam ins Rampenlicht gespielt und war europaweit begehrt. Dass er sich für Juventus entschied, kam wohl auch auf Anraten von Berater Mino Raiola. Der 51 Jahre alte Iliener ist einer der mächtigsten Spielervermittler der Welt und hat sein eigenes Bankkonto stets im Blick. Wechselt de Ligt in einigen Jahren zu Real Madrid, Barcelona oder Manchester City, kassiert Raiola erneut eine Provision und damit eine mehr, als hätte er de Ligt direkt zu einem dieser Klubs gelotst.

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Zeit für den Champions-League-Titel? Der neue Trainer Maurizio Sarri und CR7 bei einem Test gegen Inter Mailand.

(Foto: imago images / Imaginechina)

Juventus ist trotz seiner Erfolge immer noch ein Sprungbrett für kommende Weltstars. Die ganz exorbitanten Gehälter können die Turiner nicht zahlen. Die Serie A hat nicht den Reiz wie die englische Premier League oder Spaniens La Liga. Deshalb muss Juve regelmäßig Abgänge verkraften. In diesem Sommer verließ der dribbelstarke Rechtsverteidiger João Cancelo für 65 Millionen Euro die Italiener gen Manchester City. Im Gegenzug kam Danilo, ebenfalls Rechtsverteidiger, für 37 Millionen nach Turin.

Danilo spielte zuletzt bei City keine große Rolle, aber es scheint keineswegs ausgeschlossen, dass er in Turin einen zweiten Frühling erlebt. Darin liegt ebenso eine Stärke. Danilo wäre nicht der erste Spieler, der mit einem Wechsel nach Turin noch einmal richtig aufblüht. Man nehme nur aus dem aktuellen Team Mario Mandžukić als Beispiel.

Ungewissheit auf der Trainerposition

Es wirkt unangebracht, Juventus in eine Underdog-Rolle zu schreiben, aber im Konzert der ganz Großen in Europa ist "La Vecchia Signora" ("Die Alte Dame") das tendenziell, zummindest gemessen an den Titeln. Normalerweise profitiert der Verein davon, dass er sich in ruhigen Fahrwassern bewegt. Nur davon kann derzeit nicht die Rede sein. Einerseits gab Massimiliano Allegri nach fünf Jahren seinen Job als Trainer ab, was zu einer ausgedehnten Nachfolgersuche führte, an deren Ende Maurizio Sarri verpflichtet wurde. Der hatte in der vergangenen Saison eine Achterbahnfahrt mit Chelsea erlebt, die stellvertretend für die aufregende Karriere des exzentrischen Italieners steht. Juventus ist seine 20. Station. Sarri ist bekannt für seine Vorliebe für Ballbesitz und eine Guardiola-eske Spielweise.

"Was mir besonders auffiel, ist seine akribische Herangehensweise in allem, was er tut. Es ist eine Akribie auf höchstem Niveau, weil er immer nach Perfektion strebt", berichtet Abwehrchef Giorgio Chiellini über Sarri. Nur gelingt es dem 60-Jährigen nicht immer, seine Spielidee auch zu 100 Prozent seinen Spielern zu vermitteln. Bei Negativserien kann Sarri deshalb schnell zum Problemfall werden. Zudem kursieren seit Monaten Wechselgerüchte um Paulo Dybala. An sich müsste der argentinische Offensivkünstler ein Schlüsselspieler sein. Aber durchschnittliche Leistungen und unpassende Rollen auf dem Spielfeld scheinen ihn langsam entbehrlich zu machen. Den Turinern lagen gute Angebote vor, aber ein Transfer zu Tottenham oder Manchester United kam nicht zustande. Der Nachgeschmack einer für Juventus ungewöhnlichen Wechselposse bleibt.

Angriff auf den Henkelpott

Aber genau solche Nebenkriegsschauplätze könnten bald vergessen sein. Sie müssen es schlichtweg, denn die Turiner wollen nicht nur wieder die heimische Liga dominieren, wo bis auf Napoli und Inter sowieso kein ernstzunehmender Konkurrent mitspielt. Sie wollen in Europa einen weiteren Angriff auf den Champions-League-Titel unternehmen.

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In dieser Formation könnte Juventus zum Saisonstart in und gegen Parma spielen.

In der letzten Saison war im Viertelfinale gegen Überraschungsteam Ajax Schluss. Die Mannschaft litt vor allem an einem kreativen Vakuum im Mittelfeld. Das hat mehrere Gründe: Miralem Pjanic hat sich von einem Spielmacher zu einem Balancegeber entwickelt. Der Bosnier ist immer mehr damit beschäftigt, seine Vorderleute abzusichern und keine Gegenstöße des Gegners zuzulassen, als selbst die wichtigen Pässe zu spielen. Und vor ihm spielten im 4-3-3-System zumeist laufstarke und robuste Typen wie Can, Blaise Matuidi oder Sami Khedira, aber eben keine Kreativspieler.

Dadurch wirkte Juventus vielleicht defensiv recht stabil und konnte Gegner durch eine intensive Spielweise zermürben. Aber wenn sie gegen Top-Teams selbst das Spiel machen musste, dann war die "Alte Dame" schnell mit ihrem Latein am Ende. Das ist umso tragischer, hat sie doch mit Ronaldo oder auch Dybala herausragende Offensivspieler, die aber in Szene gesetzt werden müssen. Das ist nun die Aufgabe von Sarri, der gerade mit Rabiot auf einen kreativen Neuzugang setzen kann. Allerdings war Sarri während seiner einjährigen Amtszeit bei Chelsea selbst manchmal damit überfordert, ein kohärentes offensives Spielsystem zu entwickeln, in dem der Ball von Mittelfeld zu Angriff lief.

Insofern bleibt Juventus allenfalls ein Geheimfavorit auf die Champions League, zumindest so lange, bis einige Fragen zum Potenzial dieser Mannschaft beantwortet sind. Andererseits fühlen sich die Turiner in dieser Rolle wohl. Also wer weiß, wohin das am Ende führt.

Quelle: n-tv.de

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