Fußball

Wehrlos zum DFB-Debakel Joachim Löw ist sauer

Es ist ein Abend, an dem der deutschen Fußball-Nationalmannschaft rein gar nichts gelingen will. Im Gruppenfinale der Nations League erlebt die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw eine historische Klatsche. Der 60-Jährige ist "sauer", will aber an seinem Weg nichts ändern.

Die Nationalmannschaft hat die höchste Niederlage seit 89 Jahren kassiert. Haben Sie schon eine Erklärung?
Joachim Löw: Es war ein rabenschwarzer Tag. Es war ein Abend, an dem uns gar nichts gelungen ist. Deswegen sind wir riesig enttäuscht und sauer. Es hat überhaupt nichts funktioniert. Da kann man niemanden ausnehmen. Wir waren in den Zweikämpfen nicht auf dem Platz. Nach dem 0:1 haben wir unsere Linie und Organisation aufgegeben. Wir haben Räume geöffnet und sind nach vorne gestürzt. Das haben die Spanier gnadenlos ausgenutzt. Wir hatten keinen Zugriff, kein Zweikampfverhalten.

Sie sehen Ihre Spieler jetzt bis März nicht. Was können Sie in der Zeit machen?
Wir haben keine Möglichkeit, mit den Spielern etwas zu machen. Wir müssen das Spiel in den nächsten Tagen im Trainerstab aufarbeiten. Wir müssen die richtigen Schlüsse ziehen. Wir dachten, dass wir schon weiter sind. Wir müssen jetzt schauen, was wir tun können und was der richtige Weg ist.

Es war ein schlimmes Ende eines komplizierten Jahres. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Jetzt ein Fazit zu ziehen, ist natürlich schwierig. Wir haben eine herbe Niederlage einstecken müssen, die es so lange nicht mehr gab. Das ist für uns bitter. Ich habe vorher aber gute Ansätze gesehen. Ich habe Vertrauen in die Spieler.

Müssen Sie jetzt Ihr Personal und Ihre Spielphilosophie überdenken? Und ist die EM vielleicht nur eine Art Übungsturnier?
Es kann nicht unser Ziel sein, dass die EM nur ein Vorbereitungsturnier für die weiteren Turniere ist. Wenn wir ein Turnier angehen, streben wir das Maximale an. Das ist kein Erfahrungsturnier für unsere Spieler. Ich zweifle nicht an diesen Spielern. Sie haben ihre Qualitäten. Heute haben wir müde gewirkt, wir haben schwerfällig gewirkt. Wir waren immer einen Schritt zu langsam.

Wo steht die Nationalmannschaft nach diesem Härtetest?
Das Spiel zeigt einiges auf. Wir hatten keine Chance. In Stuttgart haben wir gegen diese Spanier gezeigt, dass wir es besser können (Anm. d. Red.: 1:1 im September). Dass es Rückschläge geben wird, müssen wir jetzt in schmerzlicher Form hinnehmen. Es ist aber keine Qualitätsfrage.

Müssen Sie nicht über eine Rückkehr von Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng nachdenken?
Wir müssen die Situation zum richtigen Zeitpunkt bewerten. Das Vertrauen in die Spieler ist jetzt nicht völlig erschüttert. Wir müssen die richtigen Schlüsse ziehen.

Machen Sie sich Sorgen um Ihren Job?
Da müssen sie andere fragen. Das kann ich so spontan nicht beantworten.

Aufgezeichnet aus der virtuellen Pressekonferenz von Oliver Mucha, sid

Quelle: ntv.de, tno/sid