Fußball

Liga-Titel schafft die Legende Jürgen Klopp - der fünfte Beatle

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Jürgen Klopp erarbeitet sich in Liverpool Legendenstatus.

(Foto: REUTERS)

Die Champions League hat Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool bereits gewonnen, doch nun wurde dem englischen Traditionsklub die größte Sehnsucht erfüllt: Jürgen Klopp hat den "Reds" die Meisterschaft geschenkt und steigt damit in den elitärsten Zirkel der Stadt auf.

Jetzt ist er englischer Fußball-Meister, der Jürgen Klopp. Aber auf die denkbar unpassendste Weise. Jürgen Klopp, der Mann, der am Spielfeld alle paar Minuten leidenschaftlichste Gefühlsausbrüche erlebt, fortwährende innere Explosionen, der wird "Meister auf dem Sofa". Das sagt man so, denn involviert war er nicht mehr. Der FC Chelsea hat den FC Liverpool nach 30 Jahren vorzeitig wieder zum nationalen Champion gemacht, weil er Manchester City besiegte. Und weil City, das Team von Josep Guardiola, nun so viele Punkte Rückstand hat, dass sie den in den verbliebenen sieben Spieltagen nicht mehr abknabbern können, ist die Premier-League-Saison 2019/20 entschieden.

Es ist der zweite große Erfolg "Made in Germany". Erst die Champions League in der vergangenen Saison, nun das Königshäubchen obendrauf. Den Status als Legende, Klopp hat ihn nun vollends erreicht. Zwar werden die royaltreuen Briten ihre nationale Hymne nicht umschreiben, aber "God save 'The Klopp'" - zumindest in Liverpool ist das nun amtlich verbrieft.

Nächster Titel in einer Malocher-Stadt

Jürgen Klopp, er hat sein nächstes (emotionales) Denkmal erschaffen. Und wieder in einer Stadt, die für Arbeit, für Maloche, für Emotionen steht. Wie damals in Dortmund, als er bei der Borussia in einem jahrelangen Rock'n-Roll-Rausch zum Klubheiligen wurde. Den BVB führte der überall beliebte Menschenfänger - so wurde er einst von Sportdirektor Michael Zorc bezeichnet - von 2008 bis 2015 aus der Mittelmäßigkeit in eine unvergessliche Ära mit fünf Titeln, darunter zwei höchst emotionale Deutsche Meisterschaften. Damals hatte der FC Bayern - undenkbar eigentlich - im nationalen Machtduell mit Dortmund das Nachsehen. Wie gut das allen tat.

Jürgen Klopp, das ist kein Magier. Und er ist auch niemand, dem das Glück ein treuer Begleiter ist. Jürgen Klopp hat eine Formel perfektioniert, die aufgeht. Auch wenn sie endlich ist, wie der BVB zum Ende der gemeinsamen Zeit leidvoll erfuhr. Klopps wichtigste Fähigkeit: Authentizität, seine Fähigkeit, Menschen - Fans, Spieler und Bosse gleichermaßen - zu begeistern. Er begeistert sie für eine Idee vom aggressiven und extrem fordernden Vollgasfußball. Er begeistert sie von seiner Idee mit der maximalen Identifikation mit dem Klub, mit der Geschichte, mit der Emotionalität. Er verbindet Fußballer und Fans. Eine perfekte Symbiose.

Und er schafft es immer wieder, die Mannschaft Mannschaft sein zu lassen. Jürgen Klopp, das ist nicht nur ein extrem erfolgreicher Trainer, Jürgen Klopp ist auch ein Entertainer. Seine Gespräche mit der Presse vor und nach den Spielen sind bisweilen hoch unterhaltsame One-Man-Shows. Seine Lockerheit, seine Sprüche, sie liefern immer neues Futter für immer neue Geschichten. Aber Klopp kann auch anders. Wenn es mal nicht so läuft, wie in seiner letzten Saison beim BVB, als er lange auf Platz 18 (!) stand, da wich der Spaß der Anspannung. Er raunte so manchen Journalisten an. Das tut er im Übrigen auch heute in Liverpool noch. Weil er ist, wie er ist. Die Dinge müssen raus und gesagt werden. Da verstellt er sich nicht. Aber Klopp kann sich auch entschuldigen. So ist er eben.

Auf dem Olymp angekommen

Sein großer Halt ist seine Familie. Seine Frau Ulla bleibt stets unaufgeregt im Hintergrund, sie gibt ihm die Kraft für seine kraftraubenden sportlichen Heldentaten. Als Dank schenkte er ihr 2019 die Goldmedaille für den Sieg in der Königsklasse. Wie nachdenklich Klopp, der so emotionsgetrieben wirkt, bisweilen auch ist, das hat er kürzlich wieder bewiesen. Während einer Tagung in der DFB-Akademie sagte er, es gäbe schlimmere Dinge im Leben, als nicht Meister zu werden. Das Wichtigste im Moment ist der sichere und souveräne Umgang mit der Corona-Pandemie (die Bilder der feiernden Fans am Abend in Liverpool werden ihn sicher nicht glücklich gemacht haben). Es war ein Satz, mit dem er nachhaltig den Puls der Zeit traf und trifft.

Jürgen Klopp ist (wenn er nicht eh schon dort war) nun mit dem Meistertitel in der stärksten Liga der Welt endgültig auf dem Olymp der weltbesten Trainer angekommen. Er ist zum zweiten Mal eine Legende geworden. Er ist einer der Größten der Stadt. Der Stadt, aus der die Beatles kamen. Und wenn man so will, dann ist er nun der Fünfte von ihnen. Ein moderner Rockstar.

Quelle: ntv.de