Fußball

Bundesliga-Check: Hertha BSC Jung und unerfahren - aber voller "Mumm"

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Hat die Zukunft im Blick: Trainer Pal Dardai.

(Foto: imago/Metodi Popow)

Eine "Verbesserung" wünscht sich Manager Michael Preetz von seinem Team. Eine große Aufgabe, die die Herthaner da erwartet. Denn im Grunde steht bei den Berlinern bereits jetzt die Zukunft auf dem Platz - und probt die Fußball-Bundesliga.

Frühes Aus in der Fußball-Europaliga, in der Bundesliga nie in Abstiegsgefahr, aber auch nie oben dran, am Ende Platz zehn. Keine Trainerentlassung, kein großer Transfereklat. Herthas vergangene Saison war ziemlich dröge. Ändern sollen das unter anderem Dardai, Köpke, Klinsmann und Covic, die Berliner wandeln auf den Spuren bekannter Namen. Nur, dass die Spieler nicht Pal, Andreas, Jürgen und Ante heißen, sondern Palko, Pascal, Jonathan und Maurice - und längst noch nicht so erfolgreich sind wie ihre Väter. Doch sie passen in Herthas Planung, die auf Zukunft und Nachwuchs setzt. Manager Michael Preetz sagt: "Wir haben eine spannende Mannschaft. Unter der Überschrift: junge Spieler fördern, Stammspieler fordern."

Was gibt's Neues?

Die Hertha ist so jung wie nie. Trainer Pal Dardai könnte am 25. August eine Startelf in den Saisonauftakt gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg schicken, die nicht älter als 23 Jahre ist. Es wäre dazu noch eine Mannschaft, die das DFL-Kriterium, laut dem mindestens vier "Local Player" im Kader stehen müssen, locker erfüllt. Denn nach dem Gewinn der A-Jugend-Meisterschaft hat der Klub mehrere Talente mit Profiverträgen belohnt. Neben Arne Meier, Julius Kade und Trainer-Sohn Palko Dardai, die bereits in der vergangenen Saison bei der ersten Elf trainierten und spielten, sind die Stürmer Dennis Jastrzembski und Muhammed Kiprit sowie Torhüter Dennis Smarsch aufgerückt. Hinzu kommt der ebenfalls erst 20-jährige Mittelfeldmann Maurice Covic aus der zweiten Mannschaft, die sein Vater Ante Covic trainiert.

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Toptransfer: Javairo Dilrosun.

(Foto: imago/Matthias Koch)

Auch bei den weiteren Verpflichtungen setzt Hertha auf die Jugend. Der 22-jährige Lukas Klünter, der vom Absteiger 1. FC Köln kam, sagt: "Hertha war in den vergangenen Jahren ein Sprungbrett für viele junge Fußballer, die sich hier gut entwickelt und in den Vordergrund gespielt haben. Das war einer der Punkte, die mich hergelockt haben." Um Stürmer Pascal Köpke - Sohn des Bundestorwarttrainers - hat Hertha gekämpft. Mehrere Medien berichten, der 22-Jährige sei schon beinahe bei Ligakonkurrent Hannover 96 gewesen. Toptransfer ist allerdings Javairo Dilrosun. Der Niederländer spielte zuletzt für Manchester City und hätte laut Preetz "europaweit auch andere Möglichkeiten gehabt". Doch der 20-Jährige habe sich ganz bewusst für Berlin entschieden, was Dardai freut: "Er ist ein Spielertyp, den wir so bei uns bisher nicht hatten - weder in der Akademie noch bei den Profis." Der Flügelspieler, der für mehr Torgefahr sorgen soll, sei "höflich und fleißig".

Auf wen kommt es an?

Trotz der Jugend, noch sind die Alten in der Pflicht. Allen voran Linksverteidiger Marvin Plattenhardt, der nun doch nicht nach England gewechselt ist. Als einziger deutscher Nationalspieler im Kader hat der 26-Jährige in der vergangenen Saison nur ein Bundesligaspiel verpasst. Auch die Stürmer Salomon Kalou und Vedad Ibisevic müssen ran - vor allem, weil Jungstar Davie Selke nach einer Lungen-Operation noch ausfallen wird. Dabei sagt Preetz dezent das baldige Karriereende der 32- sowie 34-Jährigen voraus: "Ich bin mir sicher, dass es die Anforderungen des modernen Fußballs nicht mehr zulassen, dass man mit 35, 36 noch Bundesliga spielen kann." Vor allem Ibisevic muss liefern, schließlich hat ihn Dardai auch in dieser Saison zum Kapitän ernannt - als ältesten Spieler im Kader.

Er ist dafür verantwortlich, die Teenager-Rasselbande zusammenhalten. An Motivation dürfte es dem Profinachwuchs allerdings nicht mangeln. Über Kiprit etwa, dessen Vorbild Cristiano Ronaldo ist, sagt Preetz: "Er hat sich um Hemd und Hose gelaufen und gezeigt, dass er unbedingt will." Und Meier sagt in der Vorbereitung: "Meine erste Saison verlief unbeschreiblich. Aber jetzt muss der Weg weitergehen. Ich will offensiv mehr Wirkung erzeugen. Tore, Vorlagen, Wege in die Tiefe - das hat in der Jugend immer auch mein Spiel ausgemacht. Das will ich jetzt auch in der Bundesliga schaffen." Von Jastrzembski berichtet der "Kicker" gar, dass er im Training nach einem Zweikampf mit Klünter erst vor Schmerzen schreit, dem Physiotherapeuten berichtet, es fühle sich an, als habe er sich die Schulter ausgekugelt und dann wenige Minuten später unbedingt weiterspielen möchte - da will sich wohl jemand beweisen.

Was fehlt?

An Motivation und "Mumm", den Preetz vor allem Dilrosun bescheinigt, mangelt es also schon mal nicht. Auch hinten geordnet zu stehen, gelang den Berlinern in der abgelaufenen Spielzeit ziemlich gut. Doch das ist bekanntlich nur das eine. Zudem sollten vorn die Tore fallen - und das passierte zuletzt zu selten. Die Berliner gaben in der vergangenen Saison im Schnitt nicht einmal zehn Torschüsse pro Spiel ab - Ligaschlusslicht. In der Rückrunde trafen sie überhaupt nur 17 Mal. Dardais Mannschaft gab eben die graue Maus, passend zum Trainer, der sich gern als "eher langweiligen" Typen bezeichnet. Sie war ideenlos, langweilig, Angriffe endeten häufig bereits im Mittelfeld. Und das besonders häufig vor eigenem Publikum im Berliner Olympiastadion. Schön anzusehen war das nicht. Doch immerhin hat der Klub das Problem erkannt. Preetz sagt: "Jetzt geht es um mehr Attraktivität und die Weiterentwicklung unseres Spielstils bei Beibehaltung der defensiven Stabilität."

Wie lautet das Saisonziel?

"Für diese Saison haben wir Verbesserungen und Steigerungen im Blick", sagt Preetz. Nach Platz zehn in der vergangenen Saison und dem peinlichen Ausscheiden aus der Europaliga in der eigentlich locker machbaren Gruppenphase heißt das also: Die internationalen Plätze sollen es bitte wieder sein.

Die Prognose von n-tv.de

Viel Talent hat die Hertha im Kader, passend zum Slogan: "Die Zukunft gehört Berlin." Doch beginnt die bereits in dieser Saison? Eher nicht. Es fehlt an ordnenden Größen, auch weil Mitchell Weiser nach Leverkusen gewechselt ist. Soll die von Preetz angestrebte "Verbesserung" drin sein, müssten die Herthaner nicht nur gut starten, sondern endlich auch einmal eine erfolgreiche Rückrunde spielen.

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Quelle: n-tv.de

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