Fußball

Gravierender Umbau der Hertha Klinsmann geht mit Transfers voll ins Risiko

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Jürgen Klinsmann hat einen sehr ambitionierten Plan mit der Hertha - ob er aufgeht?

(Foto: imago images/Camera 4)

Jürgen Klinsmann krempelt mal wieder alles um. So wie einst bei der Nationalmannschaft, so wie einst beim FC Bayern. Bei der Hertha dienen seine Umbauarbeiten im Kader einem höheren Ziel: der radikalen Wende des Klubs zu einem internationalen Fußball-Schwergewicht.

Einen französischen U21-Nationalspieler zu verpflichten ist ja nie eine schlechte Idee. Schließlich kommen seit Jahren verdammt viele gute Fußballer aus den Talentschmieden der "Grande Nation". Einen Stürmer zu holen, der in seiner Heimat häufiger mal mit Robert Lewandowski verglichen wird, ist sicher auch nicht blöd. Auch wenn das mit den wuchtigen Parallelen oft so eine Sache ist. So galt beispielsweise Guy Demel einst als Mann, der in seinem Alter bereits besser sei als der elegante Patrick Vieria. Nun, Vieria wurde Welt- und Europameister, gewann außerdem sieben nationale Meisterschaften. Und Demel? Der spielte unter anderem sechs Jahre für den Hamburger SV und 32 Mal für sein Land, für die Elfenbeinküste.

Und wenn man im Kader das Problem von mangelnder Aggressivität enttarnt, dann macht ein Transfer des Argentiniers Santiago Ascacíbar absolut Sinn. All das - also Talent, Lorbeer und ein Maximum an Giftigkeit - vorausgesetzt, hat die Hertha aus Berlin in diesem Transferwinter sehr viel richtig gemacht. Sie hat dafür aber auch reichlich Geld umgesetzt. Für den Franzosen Lucas Tousart (er kommt allerdings erst im Sommer), für Mini-Lewandowski Krzysztof Piątek, für Ascacíbar und für Matheus Cunha, er kam kurz vor Transferschluss von RB Leipzig, haben die Berliner 75 bis 80 Millionen Euro ausgegeben. Allein für die Ablösen geht so bereits ein Drittel der Summe drauf, die Investor Lars Windhorst dem Klub gegeben hat.

Denken Sie groß!

Windhorst ist im vergangenen Sommer in Berlin angetreten, um die Hertha aus dem kaum beachteten Mittelmaß in den glamourösen Showroom Europas zu führen. Und er hat mit seinem Vertrauten Jürgen Klinsmann, den er zunächst in den Aufsichtsrat der Berliner berufen hatte, jemanden gefunden, der ihm diesen Weg optimistisch-euphorisch und gleichzeitig mit großer Härte bereitet. Der 55-Jährige, der die Mannschaft nach dem gescheiterten Versuch mit dem nächsten Trainer-Eigengewächs Ante Covic betreut, baut den Kader so eilig um, wie er mit dem Klub in den Europapokal will - und das ist für die kommende Saison als Ziel ausgerufen. Der aktuelle Abstiegskampf ist da lediglich ein doofer Nervling.

Die vier Neuen sind alle für die erste Elf vorgesehen, sie verdrängen etablierte Kräfte, für die Klinsmann aber ohnehin keine Verwendung mehr hatte. Zum Beispiel Salomon Kalou, lange Zeit der glamouröseste Fußballer in Berlin, wurde degradiert. Ondrej Duda, Herthas bester Scorer der vergangenen Saison wurde nicht gebraucht - und verliehen. Davie Selke, in den letzten Wochen äußerst bemühter, aber erfolgloser Strafraumbüffel, war plötzlich auch überflüssig - Bremen griff per Leihe zu. Arne Maier, eines der größten deutschen Talente, ist unzufrieden. Und wollte eigentlich weg. Durfte aber nicht. Und arrangiert sich nun mit seiner Situation. Anderen Talenten wurde der Abgang nicht versagt - gefeierte Talentschmiede a.D.? Frust schieben auch Niklas Stark und Kapitän Vedad Ibisevic, die ebenfalls weit davon entfernt sind wieder tragende Rollen einzunehmen - und damit mächtig hadern, wie der "Tagesspiegel" berichtet.

Welchen Plan der superambitionierte Visionär Klinsmann mit diesen radikalen Kärcherarbeiten verfolgt - unklar. Aber spannend. Denn weder ist klar, ob er mit seinem abermals überraschenden Weg erfolgreich ist, noch wer die Mannschaft in der nächsten Saison trainiert. Womöglich Klinsmann. Womöglich auch Alexander Nouri, der als Co-Trainer aktuell die Trainingsarbeit federführend leitet. Zumindest wäre die sportliche Vision personell dann abgestimmt. Vielleicht wird's aber auch Niko Kovac, der weitgereiste, mittlerweile titelerfahrene Sohn des Klubs. Die Hertha jedenfalls, sie macht sich interessant. Mit Spielern, die ein Versprechen sind. Mit Spielern aber auch, die anderswo verzichtbar waren.

Klinsmann geht voll ins Risiko.

Apropos Bundesliga: In München weist Hansi Flick seine streitenden Bayern-Profis zurecht, in Leipzig mischt sich Ralf Rangnick plötzlich wieder ein. Der BVB empfängt einen Helden von früher und Werder Bremen hofft auf die Kraft der Statistik. Unsere Vorschau auf die 20. Runde lesen Sie hier!

Quelle: ntv.de