Fußball

Liverpool reift gegen Bayern Klopp ist fasziniert, Hoeneß macht es kurz

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Jürgen Klopp ist sichtlich stolz nach dem Sieg gegen die Bayern.

(Foto: dpa)

Erstmals seit der Saison 2010/11 verpasst der FC Bayern den Einzug in das Viertelfinale der Champions League. Im Rückspiel haben die Münchener zwar gute Momente, scheitern aber an der Blitzreife ihres Gegners aus Liverpool.

Auf seinem Weg in die Kabine des FC Bayern mag Uli Hoeneß nicht reden, mürrischer Gesichtsausdruck, eilige Schritte durch die Katakomben der Arena, Seite an Seite mit dem kaum weniger mürrisch dreinblickenden Klubchef Karl-Heinz Rummenigge - der Präsident ist unübersehbar unzufrieden. Wie unzufrieden er wirklich ist, daraus macht er an diesem Mittwochabend allerdings ein Geheimnis. Auch knapp 15 Minuten nach seinem Besuch bei den vom FC Liverpool im Achtelfinal-Rückspiel - das Hinspiel endete 0:0 - der Champions League mit 3:1 (1:1) geschlagenen Fußballern aus München lässt Hoeneß nichts heraus, was den Grad seiner Enttäuschung bemessen lässt.

"Ich sag heut' nur einen Satz", so Hoeneß. "Der FC Liverpool hat verdient gewonnen." Keine weiteren Fragen. Erst recht keine Nachfragen. Nicht zum Spiel und - bevor noch irgendjemand auf die Idee kommt - auch nicht zu Bundestrainer Joachim Löw, mit dem er sich doch ein Vieraugen-Gespräch (es gibt keine Bestätigung, es gibt kein Dementi, es gibt rein gar nichts) über die umstrittenen Ruhestands-Personalien Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller gewünscht hatte.

Man kann nun sehr viel Zeit darauf verschwenden, in Hoeneß' zwei Sechs-Wort-Sätzen Indizien dafür zu finden, wie sehr das erste Achtelfinal-Aus in der Champions League seit der Saison 2010/11, damals noch gegen Inter Mailand (heute kaum vorstellbar), am Selbstverständnis dieses erfolgswütigen Klubs nagt. Und nicht weniger als das gefühlte Selbstverständnis des Klubs ist ja Uli Hoeneß. Es wäre indes vergeudete Zeit.

Der FC Bayern gehört in dieser Saison nicht zu den acht besten Teams in Europa. Das allein entmachtet das stets posaunte Stärke-Mantra "mia san mia". Und die verspielte Teilnahmeberechtigung für den Elitekreis, in dem die Münchener doch eigentlich ein festes Mandat für sich beanspruchen, hat mehr Gründe als die Gegentore durch Sadio Mané (26./84.) und Virgil van Dijk (69.) vor 70.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena. Das vorübergehende 1:1 für die Münchener hatte Liverpools Joel Matip per Eigentor-Abstauber (39.) erzielt. Der Treffer fiel in eine winzige Phase, die einzige im Spiel, in der die Bayern mal ebenbürtig wirkten, sogar überlegen schienen.

"Wir haben die Bayern beeindruckt"

Es war jene Phase, in der der zuvor minutenlang stoische Jürgen Klopp fast pausenlos wild gestikulierend in das fahrige Spiel seiner Liverpooler korrigierend eingriff. Es war die Phase, in der die defensiven Außen Trent Alexander-Arnold und Andrew Robertson ihr Stellungsspiel vernachlässigten und die Bayern mal Bälle mit Tempo in den Strafraum brachten. Es war aber auch die Phase, aus der Coach Klopp nach dem Spiel die Begeisterung für die Entwicklung seiner Mannschaft wortreich schöpfte: "In der ersten Halbzeit war's nicht einfach für uns. Wir haben nicht so gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann viel besser gemacht. Wir haben sehr gut verteidigt, wir hatten eine starke Körpersprache und viele gute Fußballmomente."

Die gab's in Halbzeit eins nicht, weil beide Mannschaften nun nicht im Geringsten daran interessiert waren, dem Gegner Platz für Kreativität und gefährliche Entfaltung einzuräumen. Wohl selten hat man Bayerns gewöhnlich so ballsicheren Ideengeber Thiago so fleißig durchs Mittelfeld grätschen und fehlpassen sehen wie an diesem Mittwochabend. Wohl selten bekamen auch Liverpools Mo Salah, Roberto Firmino und Mané so wenig Platz und so viel Körperkontakt. Statt Kombinationen gab's von und für die "Fab three" Steilpässe. Viel zu steile Steilpässe. Es war halt intensiv. Und in dieses Dickicht der Intensität verirrte sich dann auch nur zweimal schöner Fußball - mit schnöden Patzern.

"Wir haben die Bayern beeindruckt"

Beim 1:0 durch Mané verschätzte sich erst Bayerns zuletzt schimpfender Rafinha, der für den gesperrten Joshua Kimmich hinten rechts verteidigte, und dann auch Manuel Neuer. Wie Mané aber zunächst den langen Ball von van Dijk volley annahm und ihn an seinen Gegenspielern vorbei ins Tor lupfte (26.), das hatte schon allerhöchstes Niveau. Das darf auch Bayerns Niklas Süle für seine Idee beanspruchen, Serge Gnabry nach einem Foul schnell anzuspielen. Der Flügelstürmer hämmerte den Ball wuchtig in die Mitte, wo Abwehrspieler Matip vor Stürmer Robert Lewandowski abschloss - 1:1 (39.). Keine Verlängerung mehr möglich, die Reds weiter, die Bayern raus. Der Druck für die Münchener groß, die Räume für Liverpool größer. Noch mehr nach dem 2:1 durch van Dijk (69.). Die Gäste nun selbstbewusst, spielfreudig, zielstrebig, die Gastgeber geknickt, leidenschafts- und orientierungslos.

"Wir haben die Bayern beeindruckt", analysierte Klopp. "Sie haben auf allen Positionen eine überragende Qualität, aber sie hatten nicht viele gefährliche Momente in unserer Box. Wir haben sie wirklich beeindruckt", wiederholte er. Ein Mantra. Ein stolzes Mantra. Und wie stolz: "Es gibt nicht viele Mannschaften, die auf ihrer Visitenkarte stehen haben, dass sie die Bayern rausgeworfen haben. So ein Ausrufezeichen zu setzen, ist brutal gut."

Quelle: n-tv.de

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