Fußball

"... aber wir sind raus" Klopp schimpft nur über sich selbst

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Jürgen Klopp haderte nach dem ärgerlichen Champions-League-Aus vor allem mit sich selbst.

(Foto: imago images/PA Images)

Der FC Liverpool hat durchaus die Chance, ein kleines Champions-League-Wunder gegen Real Madrid zu vollbringen. Doch die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp scheitert. Auch, weil Klopp eine falsche Entscheidung trifft. Sagt Klopp.

Sie hätten es wirklich vollbringen können, das nächste Wunder von Anfield. Doch der FC Liverpool schafft es diesmal nicht, eine schwere Hypothek, die er in der Champions League aus Spanien mit in die Heimat brachte, abschütteln. Anders noch als beim großen, rauschhaften 4:0 (nach 0:3 im Hinspiel) gegen den FC Barcelona 2019, kam man beim 0:0 gegen Real Madrid einfach nicht ins Toreschießen.

So blieb das 1:3 aus dem Hinspiel bestehen und damit sind die Champions-League-Sieger der vergangenen beiden Jahre schon im Viertelfinale raus. Der FC Bayern und der FC Liverpool teilen sich ein gemeinsames, trauriges Schicksal. Gescheitert sind beide an fehlender Effizienz. Und zumindest der FC Liverpool auch ein bisschen an einer falschen Entscheidung seines Trainers. Sagt wenigstens der Trainer.

"Wir wollten frische Beine", begründete Klopp einen offensiven Doppelwechsel nach exakt einer Stunde, als er Thiago und Diogo Jota für James Milner und Innenverteidiger Ozan Kabak brachte. "Aber ab da sind wir nicht mehr so gut durchgekommen. Die Wechsel waren vom Timing vielleicht nicht ganz richtig", räumte der Trainer ein. Selbstkritik, die ihm seine Truppe gut hätte ersparen können, denn die war beim verpassten Wunder von Anfield "generell gut, teilweise wirklich gut", wie Klopp lobte. "Wir haben das Duell nicht heute verloren."

"... aber wir sind raus"

"Wenn wir merken, dass es möglich ist, dann haben wir eine Chance", hatte der Coach des englischen Meisters vor der Begegnung noch versprochen. Und die "Reds" hatten es ja auch wirklich auf dem Fuß, das Weiterkommen. Chance um Chance kreierte man vor allem in der ersten Hälfte, allen voran Stürmer Mohamed Salah ließ aber auf wundersame Weise selbst beste Gelegenheiten liegen. "Wenn du eine dieser Chancen nutzt", etwa die durch Mo Salah schon nach knapp zwei Minuten, "dann öffnet sich das Spiel" haderte Klopp. "Wir wissen, wie oft Mo diese Dinge mit geschlossenen Augen abschließt. Hier nicht. Heute Abend war es absolut in Ordnung, aber wir sind raus."

Die Leistung, die die krisengeschüttelten, in der Premier League hart um die neuerliche Champions-League-Qualifikation kämpfenden Liverpooler lieferten, war wirklich gut. Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag war sogar beinahe historisch - allerdings auf eine erwartbar ungute Weise: Gegen Real schoss der FC Liverpool satte 13 Mal von innerhalb des Strafraums aufs Tor, öfter versuchte man es an der Anfield Road in der Champions League bisher nur 2006 ohne Erfolg.

Das Tor, der Spielöffner, kam also nicht - "und dann hat Real Madrid das Unentschieden mit all seiner Erfahrung runtergespielt", wie Klopp halb resigniert, halb anerkennend gegenüber der BBC sagte. Im Lager der Königlichen, die nach dem enttäuschend frühen Aus im Achtelfinale der letzten Champions-League-Saison wieder im Halbfinale stehen, atmete man dann nach einem lange anstrengenden Abend erleichtert durch. "Das war definitiv harte Arbeit, souverän war es heute nicht. Souverän war es vielleicht im Hinspiel", erklärte Toni Kroos bei Sky. Der Nationalspieler, der vor einer Woche in Madrid noch überragte, kam unter dem intensiven Pressingdruck der Engländer diesmal gar nicht zur Entfaltung. Am Ende durfte er aber doch jubeln. Über das erste Champions-League-0:0 seiner Mannschaft seit fünf Jahren.

"Wir haben den Sturm geritten"

Real-Trainer Zinedine Zidane fand für den Abend poetische Worte: "Wir wussten, dass wir heute Abend leiden mussten, aber am Ende haben wir bekommen, was wir wollten, nämlich durchzukommen. Ich denke, wir haben das Spiel gut gemeistert, wir haben den Sturm geritten und können stolz auf unsere Leistung sein", sagte der erleichterte Franzose. "Wir wussten, dass sie schnell beginnen würden, und in den ersten 15 Minuten waren sie wirklich gut, aber das ist normal. Im Viertelfinale der Champions League muss man sich reinhängen, und das haben wir getan und sind durchgekommen."

Jürgen Klopp dagegen ist gescheitert, der FC Liverpool wird nach dem Champions-League-Triumph 2019 und der so heiß und lange herbeigesehnten Meisterschaft 2020 in diesem Jahr titellos bleiben. Auch deshalb gibt es von "Boss" Klopp für sich und sein Team einen klaren Auftrag: "Wir lieben diesen Wettbewerb und auch aus anderen Gründen ist es sehr wichtig, dass wir nächstes Jahr wieder dabei sind. Wir können uns jetzt auf die Premier League konzentrieren und das werden wir auch. Wir müssen dafür jetzt alles investieren."

Als Sechster liegt der FC Liverpool drei Punkte hinter Champions-League-Platz vier, dazwischen steht noch der FC Chelsea mit Thomas Tuchel. Harte Arbeit, in der Tat. Und sieben Spieltage vor Schluss keine Zeit mehr für schlecht getimte Entscheidungen.

Quelle: ntv.de, ter

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