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Messi zaubert Barça zum Sieg Klopps Liverpool erlebt Debakel im Camp Nou

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Krachende Niederlage im Hinspiel zum Halbfinale in der Champions League: Jürgen Klopp.

(Foto: imago images / VI Images)

Dem FC Liverpool gelingt es im Halbfinale der Champions League nur eine Halbzeit lang, Lionel Messi in Schach zu halten. Dann dreht der Zauberfloh auf und schießt den FC Barcelona in Führung. Die Reds verzweifeln allerdings auch an einem überragenden Marc-Andre ter Stegen.

Dem FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp droht nach einer Bruchlandung in Camp Nou sowohl in der Meisterschaft als auch in der Champions League zum Saisonende ein böses Erwachen. Nach einer 0:3 (0:1)-Niederlage des Bayern-Bezwingers im Gigantentreffen beim FC Barcelona benötigt der Tabellenzweite der Premier League im Halbfinal-Rückspiel am kommenden Dienstag an der heimischen Anfield Road fast schon ein Wunder, um das Team von Superstar Lionel Messi und Nationaltorwart Marc-Andre ter Stegen zu eliminieren.

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Nicht von dieser Welt: Lionel Messi verwandelte einen Freistoß traumwandlerisch.

(Foto: REUTERS)

Luis Suarez (26.) und Messi (75. und 82.) erzielten die Tore für den alten und neuen spanischen Meister, der weiter vom Triple träumen darf. Klopp konnte indes auch im neunten Anlauf als Trainer auf spanischem Boden nicht gewinnen. Im Vorjahr war der frühere BVB-Coach mit den Reds erst im Endspiel um den Henkelpott an Rekordsieger Real Madrid gescheitert.

Klopp hatte in seiner Startelf auf den früheren Hoffenheimer Roberto Firmino verzichtet, der nach überstandenen Leistenproblemen zunächst auf der Bank saß. "Wir müssen mutig auftreten", hatte Klopp kurz vor dem Anpfiff bei Sky gefordert.

Die LFC-Profis kamen vor 98.299 Zuschauern dem Wunsch ihres Coaches nach und machten von Beginn an Dampf. Der ägyptische Superstar Mohamed Salah wagte sich bereits in der zweiten Minute aus der Deckung, sein Schuss wurde aber geblockt.

FC Barcelona - FC Liverpool 3:0 (1:0)

Barcelona: ter Stegen - Sergi Roberto (90.+3 Alena), Pique, Lenglet, Jordi Alba - Sergio Busquets - Vidal, Rakitic - Messi, Luis Suarez (90.+3 Dembele), Coutinho (60. Nelson Semedo). - Trainer: Valverde

Liverpool: Alisson Becker - Gomez, Matip, van Dijk, Robertson - Fabinho - Milner (84. Origi), Keita (24. Henderson) - Salah, Wijnaldum (79. Firmino), Mane. - Trainer: Klopp

Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande)

Tore: 1:0 Suarez (26.), 2:0 Messi (75.), 3:0 Messi (82.)

Zuschauer: 98.299

Beste Spieler: Mane - Messi, Rakitic

Gelbe Karten: Lenglet (2), Luis Suarez (3), Jordi Alba (2) - Fabinho (2)

Torschüsse: 11:14

Ecken: 3:5

Zweikämpfe: 82:73

Kurz darauf hatte der frühere Bundesligaprofi Ivan Rakitic die erste Möglichkeit für die Hausherren, bei denen etwas überraschend der frühere Bayer-Profi Arturo Vidal (31) in der Anfangsformation stand und dazu beitrug, dass Barcelona die älteste Startelf seiner Champions-League-Geschichte (29 Jahre und 210 Tage) aufs Feld schickte.

In der Folge entwickelte sich eine rasante Partie, in der Messi erstmals mit einem Fernschuss nach einer Viertelstunde auf sich aufmerksam machte. Die Barça-Fans forderten einen Elfmeter, als Liverpools Joel Matip Messis Schuss aus kurzer Distanz gegen die Hand bekommen hatte, doch Schiedsrichter Björn Kuipers aus den Niederlanden ließ nach kurzer Überprüfung weiterspielen.

Ansonsten hatte die von Virgil van Dijk angeführte Liverpool-Defensive den fünfmaligen Weltfußballer zunächst gut im Griff. Pech hatten die Gäste, dass der ehemalige Leipziger Naby Keita nach einem Zusammenprall mit Rakitic bereits in der 24. Minute ausgewechselt werden musste.

Tor Nr. 500 für Barcelona

Angetrieben von Superstar Messi jedoch setzten die Katalanen ihre Gäste aus England immer wieder unter Druck und wurden dann auch mit dem Führungstor durch Suárez belohnt. Zwei Minuten nach dem Wechsel entwischte der uruguayische Torjäger Suarez dem für Keita eingewechselten Jordan Henderson und markierte nach einem Zauberpass von Jordi Alba seinen ersten Treffer im laufenden Wettbewerb. Es war zugleich das 500. Tor für Barcelona in der Königsklasse.

Liverpool ließ sich von diesem Gegentreffer aber nicht aus dem Gleichgewicht bringen und agierte weiter auf Augenhöhe. Sadio Mane vergab in der 36. Minute eine große Chance zum Ausgleich. Nach der Pause riss Liverpool nach und nach die Partie an sich. Die Gäste waren nah am Ausgleich, aber ter Stegen verhinderte einen Tag nach seinem 27. Geburtstag zunächst gegen Salah (53.) und kurz darauf gegen James Milner (59.) einen Treffer der Reds.

Messi und das Traumtor zum 3:0

Auf der Gegenseite machte es Messi besser: Erst musste der Argentinier nach einem Lattentreffer von Suarez nur noch einschieben, kurz darauf setzte er einen Freistoß zauberhaft in den Winkel - was sogar Klopp an der Seitenlinie mit einem bewundernden Lächeln quittieren musste.

Für Messi waren es in der Partie gegen Klopps Liverpooler die Tore elf und zwölf in der laufenden Champions-League-Saison. Mit dem direkt verwandelten Freistoß zum 3:0 erzielte er zugleich das insgesamt 600. Pflichtspieltor seiner Karriere. Salah traf zwei Minuten später aus kurzer Distanz nur den Pfosten.

"Das war das beste Geburtstagsgeschenk, auch wenn es nachträglich war", sagte Barcelonas Keeper Marc-André ter Stegen am Tag nach seinem 27. Geburtstag im TV-Sender Sky. "Ich habe mich sehr, sehr gefreut und glaube, die Zuschauer hatten heute Spaß."

Liverpool steht damit im Rückspiel am kommenden Dienstag vor einer schier unlösbar scheinenden Aufgabe, doch noch das Endspiel am 1. Juni in Madrid zu erreichen - wenngleich ter Stegen warnte: "Das wird nicht leichter als heute. Wir haben eine gute Ausgangsposition geschaffen, aber es wird ein harter Kampf."

"Was ein Schuss, verrückt"

Nach einer weiteren magischen Messi-Nacht würdigten auch die geschlagenen Verlierer des FC Liverpool den argentinischen Tor-Jubilar. "Was ein Schuss, verrückt", kommentierte Liverpools Trainer Klopp Messis Freistoß. "Er ist einer der Größten aller Zeiten, in der Champions League bringt er immer wieder diese besonderen Momente", sagte Liverpools Mittelfeldspieler James Milner und konstatierte ebenso frustriert wie treffend: "Du kannst ihn nicht 90 Minuten ausschalten, dafür hat er zu viel Qualität."

"Es ist kein Ergebnis, bei dem wir sagen, wir haben sie in Sicherheit gewogen, jetzt können wir ihnen kurz einmal einen mitgeben", scherzte Klopp und klang schon fast ein wenig resigniert, als er ankündigte: "Spielen werden wir schon nochmal."  Messi selbst gab gewohnt bescheiden zu Protokoll, dass das 3:0 "ein sehr gutes Ergebnis", aber "noch nichts entschieden" sei.

Quelle: n-tv.de, mba/sid/dpa

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