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Champions League ist nur die Kür Klopps Liverpool träumt von Englands Titel

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"Das ist das Ergebnis, das wir wollten". Jürgen Klopp.

(Foto: imago images / Action Plus)

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Jürgen Klopp ist dabei, den FC Liverpool wieder in Europas Spitze zu etablieren. Nach dem Sieg gegen den FC Porto steht die Mannschaft mit einem Bein im Halbfinale der Champions League. Doch das, was für die Fans wirklich zählt, ist die englische Fußballmeisterschaft.

Der Jubel fiel verhalten aus, als Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz die Partie an der Anfield Road beendete. Eine seltsame Unentschlossenheit füllte die Spielstätte. Die Zuschauer schienen am späten Dienstagabend nicht so richtig zu wissen, was sie mit diesem 2:0-Erfolg des FC Liverpool gegen den FC Porto im Viertelfinal-Hinspiel der Fußball-Champions-League anstellen sollten. Natürlich, die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp hatte gewonnen, und das ohne Gegentor. Die Ausgangslage für das Rückspiel am Mittwoch kommender Woche (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) ist hervorragend.

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Die Freude nach dem zweiten Tor: Roberto Firmino, FC Liverpool.

(Foto: dpa)

Doch nach der starken ersten Halbzeit mit den beiden Treffern durch die ehemaligen Bundesligaprofis Naby Keïta und Roberto Firmino hatte sich das Publikum vermutlich auf eine Partie eingestellt wie im Achtelfinal-Hinspiel der vergangenen Saison, als Liverpool in Porto 5:0 gewonnen und faktisch schon vor dem zweiten Treffen das Weiterkommen sichergestellt hatte. Das gelang diesmal nicht. Die Mannschaft muss das Rückspiel in Portugal mit voller Konzentration angehen. Klopp hatte vor der Partie davor gewarnt, den nach allgemeiner Auffassung schwächsten Viertelfinal-Teilnehmer zu unterschätzen.

Er wollte verhindern, dass das Umfeld den Halbfinal-Einzug als Formsache ansieht. Von daher präsentierte er sich nach dem 2:0-Erfolg als zufriedener Mann. "Das ist das Ergebnis, das wir wollten. Jetzt haben wir es und müssen damit arbeiten", sagte er. Für die entscheidende zweite Partie stellte er "ein schweres Spiel" in Aussicht, aber "so soll es sein" in der Liga der besten Klubs Europas. Die Aufgabe im Rückspiel hätte sogar noch schwerer sein können, wenn es nach einer halben Stunde Elfmeter für Porto gegeben hätte nach dem angeblichen Handspiel von Liverpools Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold. Oder wenn Mohamed Salah für sein rüdes Einsteigen gegen Portos Kapitän Danilo in der Schlussphase vom Platz geflogen und damit in der kommenden Woche gesperrt gewesen wäre.

Faszinierendes Titelrennen mit Manchester City

Doch beide Male hatte Schiedsrichter Mateu Lahoz Nachsicht mit Liverpool. So bleibt die Erkenntnis, dass Klopp dabei ist, den Klub wieder in der Spitze des europäischen Fußballs zu etablieren. In der vergangenen Saison war der fünfmalige Gewinner des Silberpokals mit den Riesenhenkeln zum ersten Mal seit 2014 wieder in der Champions League dabei und erreichte umgehend das Endspiel. Dort gab es eine unglückliche 1:3-Niederlage gegen Real Madrid. In dieser Spielzeit ist die Mannschaft auf dem Weg ins Halbfinale und hat auf dem Weg dorthin unter anderem den FC Bayern ausgeschaltet.

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Als der FC Liverpool 1990 zum bisher letzten Mal die Fußballmeisterschaft in England gewann, war dieser Fan noch nicht auf der Welt.

(Foto: imago images / PA Images)

Im Vorlauf auf das Treffen mit Porto hatte Klopp berichtet, dass er "als junger Trainer immer davon geträumt" habe, eine Mannschaft voller Weltklasse-Spieler zu betreuen, die um Titel mitspielen könne. Dieser Traum geht gerade für ihn in Erfüllung an der Anfield Road. Die Frage ist nur, wann es mit seiner ersten Trophäe klappt bei seinem Abenteuer in England. Es besteht Grund zu der Annahme, dass es in dieser Saison so weit sein könnte - wobei die Champions League nur die Kür wäre.

Was wirklich zählt aus Sicht von Liverpools Fans, ist die erste Meisterschaft seit fast 30 Jahren. Das faszinierende Titelrennen mit Manchester City ist das dominierende Thema in dieser Spielzeit. Und es biegt so langsam auf die letzten Meter ein. Der FC Liverpool liegt mit zwei Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der Premier League, kann allerdings nicht aus eigener Kraft Meister werden, weil er ein Spiel mehr absolviert hat. Dafür ist das Restprogramm leichter. Die Partie gegen den FC Chelsea am Sonntag (ab 17.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) ist das letzte Treffen in dieser Saison mit einem Spitzenteam. Titelverteidiger City dagegen bekommt es - wie in der Champions League - noch mit Tottenham Hotspur und darüber hinaus mit Manchester United zu tun.

Die Mannschaft von Trainer Josep Guardiola ist aus Sicht der meisten Fachleute besser besetzt und kann in Normalform jeden Gegner schlagen. Doch der FC Liverpool steht erst bei einer Niederlage und hat gezeigt, dass er sich nicht abschütteln lässt. Wahrscheinlich war der verhaltene Jubel nach dem Abpfiff gegen Porto auch damit zu erklären: dass die Fans wissen, dass es in dieser Saison um etwas Größeres geht als die Champions League.

Quelle: n-tv.de

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