Fußball

"Ich bin der Beste" Kohfeldt ist verletzt und will es allen zeigen

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"Ich bin nach wie vor der Beste auf dieser Position", sagt Florian Kohfeldt über seinen Job als Werder-Trainer.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Bei Werder Bremen ist Coach Florian Kohfeldt ungeachtet aller Treueschwüre nicht mehr unantastbar. Vereinslegenden sprechen sich für einen Trainerwechsel aus. Der Trainer gibt zu, dass ihn die Aussagen verletzen und Trotz hervorrufen. Er sieht sich als bestmöglichen Werder-Coach und "will es allen zeigen".

Am Osterdeich dreht sich langsam der Wind - nur Florian Kohfeldt spürt davon nach eigenem Bekunden bislang noch nichts. "Man grüßt mich freundlich, die Jogger wünschen mir viel Glück", berichtete der leidgeprüfte Trainer des SV Werder von seinen Alltagsbegegnungen auf den Straßen von Bremen. Und fügte selbstbewusst hinzu: "Ich bin nach wie vor der Beste auf dieser Position."

Davon sind jedoch immer mehr grün-weiße Altstars angesichts der sportlich prekären Situation beim Bundesliga-17. überhaupt nicht überzeugt und fordern ein Eingreifen der Vereinsführung. An die Spitze der Kritiker hat sich der langjährige Werder-Torhüter Dieter Burdenski gesetzt, der offen infrage stellt, ob der 37-Jährige noch der richtige Coach für die Hanseaten ist.

"Es ist schwer zu verkaufen, dass Kohfeldt der beste Trainer sein soll, wenn man diese Saison sieht", sagte Burdenski dem Weser-Kurier. Noch deutlicher wurde Ehrenspielführer Rune Bratseth, an der Weser immer noch der Inbegriff von Besonnenheit und Integrität, im norwegischen Fernsehen nach der 1:4-Schlappe im Heimspiel am Montag gegen Bayer Leverkusen: "Ich glaube nicht, dass in dieser Konstellation noch eine Wende möglich sein wird."

"Schlaflose Nächte und Versagensängste"

Coach Christian Streich vom SC Freiburg hat seinen Trainerkollegen dafür demonstrativ gelobt. Kohfeldt sei "ein absoluter Fußballfachmann und durch und durch grün-weiß, da geht nicht mehr. Menschlich ist er total in Ordnung und ein ganz reflektierter Mann", sagte Streich einen Tag vor dem Duell beider Klubs (15.30 Uhr/Sky und im Liveticker auf ntv.de).

Streich lobte die Bremer Verantwortlichen auch ausdrücklich dafür, dass sie trotz akuter Abstiegsgefahr an Kohfeldt festhalten. "Ich bin froh, dass es so gemacht wird", sagte der Freiburg-Coach. Kohfeldt habe "richtig Qualität". Er könne sich in dessen Lage hineinversetzen, da er selbst mit den Freiburgern 2015 im Abstiegskampf gesteckt habe, aber ebenfalls von seinen Bossen nicht in Frage gestellt wurde. "Die Situation ist bedrückend, hoffentlich nicht erdrückend", sagte Streich. "Du hast schlaflose Nächte und auch Versagensängste. Es ist eine schwierige psychische Situation, die einen sehr viel Kraft kostet."

"In anderen Städten hätte es längst gebrannt"

Fakt ist: Den Zeitpunkt einer vielleicht noch rechtzeitigen Beurlaubung hat man beim einstigen Europapokalsieger kurz vor Weihnachten verpasst, aktuell drängen sich personelle Alternativen nicht gerade auf. So sieht es auch nach wie vor Sport-Geschäftsführer Frank Baumann: "Mit Florian haben wir die größte Wahrscheinlichkeit, dass wir die Klasse halten." Zwar soll auch eine weitere Niederlage am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim SC Freiburg nicht das Ende der Zusammenarbeit bedeuten, dennoch ist die Nibelungentreue des Ex-Nationalspielers mittlerweile endlich. Anders als bisher propagiert, gebe es im Falle des Abstiegs, so Baumann, "keine Automatismen, in welcher Hinsicht auch immer."

Denn zu bedrohlich ist die Lage, zu lange schon gelingt der dringend notwendige Umschwung nicht. Den Bremern bleiben nur noch neun Partien, um einen Neun-Punkte-Rückstand auf den rettenden Rang 15 aufzuholen. Schon zu Relegationsplatz 16 fehlen aktuell fünf Zähler, Schlusslicht Paderborn liegt nur einen Punkt zurück. Daran gemessen ist die Ruhe rund um das Weserstadion bemerkenswert, so mancher allerdings wertet die ungewöhnliche Stille als resignative Apathie. "Budde" Burdenski jedenfalls staunt: "So liebe und nette Fans gibt es nur in Bremen, in anderen Städten hätte es längst gebrannt."

Es ist eine Milde, die Kohfeldt noch eine, vielleicht auch zwei Optionen lässt, 40 Jahre nach dem bislang einzigen Bundesliga-Abstieg des SVW die Klasse doch noch zu erhalten. Und er weiß das sehr genau. "Es muss jetzt losgehen mit dem Punkten, wir haben keine Zeit mehr", sagte der Fußball-Lehrer. Denn nur dann wird er "eine bislang richtig beschissene Saison" tatsächlich noch überleben können.

Quelle: ntv.de, dbe/sid/dpa