Fußball

Der Bundesliga-Check: Frankfurt Kovac' Eintracht im Wunderland

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Kovac gibt den Takt vor, Meier spielt die Erste Geige.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach der Rettung in letzter Sekunde geht es für die Eintracht in ruhigere Tabellengefilde. Davon träumt zumindest Trainer Niko Kovac mit seinem rundumerneuerten Team. Es könnte dennoch wieder eine Horrorsaison werden.

In der Vorsaison gerade noch die Kurve gekriegt und den Abstieg verhindert, soll und muss in der neuen Spielzeit alles besser werden. Dafür hat der Klub alte Zöpfe abgeschnitten und sich komplett umgekrempelt. So sieht es auf den ersten Blick zumindest aus. Aber auch im Fußball gilt: Am Ende kackt die Ente - und deshalb muss ein zweiter Blick erlaubt sein. 

Was gibt’s Neues?

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Alex Meier "Fußballgott": Wie oft trifft er in der neuen Saison?

(Foto: picture alliance / dpa)

Heribert Bruchhagen ist weg. Der Macher. Der Übervater. Der Wolfgang Schäuble vom Main. Bruchhagens Credo "Gib nie mehr aus, als du in den Taschen hast und halte dein Geld beisammen!" glich dem Festhalten des Bundesfinanzministers an der "Schwarzen Null". Ein hehres Unterfangen obendrein, in einer Zeit, wo Geld doch Tore schießt. Nun ist Bruchhagen weg und Fredi Bobic da. Naja. Beim VfB Stuttgart hat er nur als Spieler etwas gerissen, dennoch erhielt er den Posten des Sportvorstands bei der SGE. Auch im Gespräch: Ex-Eintracht-Ikone Thomas Sobotzik. Bei den Fans muss sich Bobic sein Standing damit noch erarbeiten.

Trainer Niko Kovac hat das mit dem positiven Saisonende in der Relegation hinter sich. In die neue Spielzeit darf der Kroate mit einem rundum erneuerten Kader. Abwehr-Haudegen Carlos Zambrano? Verkauft nach Russland. Offensiv-Laufwunder Stefan Aigner? Verkauft an 1860 München. Sturmtalent Luca Waldschmidt? Spielt nun für den HSV. Sonny Kittel? Ist jetzt ein Ingolstädter. Alles in allem kassierte der Verein 8,5 Millionen Euro Ablöse - und reinvestierte 2,3 Millionen Euro. Gekleckert statt geklotzt, nennt man so etwas. Und entsprechend schwer gehen auch die Namen der Neuzugänge über die Lippen: Taleb Tawatha, Omar Mascarell, Branimir Hrgota, Guillermo Varela, Jesus Vallejo, Joel Gerezgiher. Ach ja: Und Danny Blum vom 1. FC Nürnberg. Aber zum Glück gibt es ja auch weiterhin im Adlerdress: Alex Meier "Fußballgott".   

Auf wen kommt es an?

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Niko Kovac übernahme die Eintracht spät und rettete sie in der Relegation.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Star ist der Trainer. Auf den kommt es an. Niko Kovac muss dafür sorgen, dass Alex Meier "Fußballgott", Fanliebling und Torgarant in Personalunion, fit ist und vor allem gesund bleibt. Er ist und bliebt die Überlebensgarantie der Eintracht in der 1. Fußball-Bundesliga. An Kovac ist es zudem, Meier einen passenden Sturmpartner an die Seite zu stellen und Vorlagengeber Mijat Gacinovic Konstanz einzutrichtern. Hält dann die Defensive, was sie in den letzten Spielen der Vorsaison und in der Relegation bereits versprochen hat, und kann Torhüter Lukas Hradecky an die starken Leistungen aus 2015/2016 anknüpfen, dann könnte es eine entspannte Saison für die Eintracht werden.

Was fehlt?

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Team 2016/2017

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Neuzugänge zeigen es: Bisher fehlt ein Knaller. Einer, der bereits gezeigt hat, was er kann. Und der dazu noch Fanpotenzial hat. So etwas wie ein Kevin Großkreutz. Ein Polarisierer. Nur eben mit dem Adler auf der Brust. Ein Knaller kostet natürlich. Aber in Zeiten wo für Leroy Sane, Andre Schürrle und Julian Draxler jeweils Summen aufgerufen werden, die den nahezu gesamten Spieleretat der SGE aufwiegen - und ohne Heribert Bruchhagen als Warner und Mahner -, muss wohl auch die Eintracht über ihren Schatten springen und vielleicht doch einmal in Vorlage gehen. Noch immer ist der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte der Brasilianer Caio für 3,8 Millionen Euro. Über diese Summe lachen selbst viele Zweitligisten mittlerweile. Aber noch steht das Transferfenster ja offen ...

Wie lautet das Saisonziel?

Niko Kovac hat es in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" so formuliert: "Wir wollen in dieser Saison in der Tabelle viel stabiler stehen. Nicht mehr in eine Situation kommen, in der die Relegation droht. Ich würde uns allen, den Verantwortlichen, Spielern, Fans, ja der ganzen Stadt wünschen, eine ruhige Saison zu spielen." Unaufgeregtheit, nennen das die einen, Abgeklärtheit die anderen. Galgenhumor könnte man auch dazu sagen.

Die n-tv.de-Prognose

Die neue Frankfurter Eintracht ist eine Wundertüte. Der Star ist der Trainer und der hat ein anderes Team als in der krebeligen Vorsaison zusammengestellt. Funktioniert es und bleibt Alex Meier "Fußballgott" gesund, könnte ein gesicherter Mittelfeldplatz durchaus drin sein. Mit Darmstadt und Ingolstadt bekommen die zwei Überraschungsmannschaften der Vorsaison in der neuen und ihrer jeweiligen zweiten Spielzeit definitiv Probleme. Das hieße im schlimmsten Fall für die Eintracht wieder Relegation. Dieser vermaledeite drittletzte Tabellenplatz könnte aber auch nach Berlin gehen - oder Bremen, oder nach Hamburg.

Quelle: n-tv.de

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