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Hunderte Lyon-Fans flüchteten vor dem Spiel nach Feuerwerksattacken türkischer Anhänger auf den Rasen.
Hunderte Lyon-Fans flüchteten vor dem Spiel nach Feuerwerksattacken türkischer Anhänger auf den Rasen.(Foto: imago/Depo Photos)
Freitag, 14. April 2017

Randale "jenseits des Chaos": Krawalle in Lyon sorgen für Entsetzen

Schwere Ausschreitungen überschatten das Europa-League-Spiel zwischen Olympique Lyon und Besiktas Istanbul. Schon vor der Partie kommt es zu Krawallen, im Stadion eskaliert die Situation völlig. Trotz des blutigen Chaos wird gespielt.

Angriffe mit Feuerwerkskörpern, Ausschreitungen auf den Rängen, verängstigte Fans auf dem Rasen und Zuschauer, die das Spiel später blutbefleckt verfolgten: Die heftigen Krawalle rund um das Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League zwischen Olympique Lyon und Besiktas Istanbul haben für großes Entsetzen gesorgt. "Es wäre wohl die beste Lösung gewesen, das Spiel nach den Vorfällen einfach abzusagen", meinte Lyons Torhüter Anthony Lopes.

Die Sicherheitskräfte in Lyon waren schon vor dem Spiel überfordert.
Die Sicherheitskräfte in Lyon waren schon vor dem Spiel überfordert.(Foto: REUTERS)

Doch im Stadion von Lyon wurde die Begegnung mit 45-minütiger Verspätung doch noch angepfiffen. Dass sich die Gastgeber mit 2:1 (0:1) durchsetzen und nun gute Chancen auf den Einzug ins Halbfinale haben, verkam jedoch zur Randnotiz. Vielmehr sorgen sich die Verantwortlichen mit Blick auf das Rückspiel am Donnerstag (21.05 Uhr) in Istanbul um die Sicherheit und befürchten eine neue Eskalation der Gewalt.

Lyons Vereinspräsident Jean-Michel Aulas forderte umgehend ein Rückspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. "Das wäre eine angemessene und faire Lösung", sagte Aulas dem französischen Fernsehsender W9: "Ich hoffe, dass die Uefa jetzt die nötigen Schritte unternimmt. Ich denke nicht, dass man das Spiel einfach so spielen kann."

Knallkörper und Knallköpfe

Französische Hooligans gingen später auf türkische Fans los.
Französische Hooligans gingen später auf türkische Fans los.(Foto: REUTERS)

In Lyon herrschte bereits vor dem Hochrisikospiel pures Chaos. Hunderte Fans der Gastgeber drängten während des Aufwärmens der Teams auf den Rasen, als sie aus dem türkischen Gästeblock im Oberrang mit Pyrotechnik und Gegenständen beworfen wurden. Im Internet kursierten zudem Videos, auf denen die Ausschreitungen auf den Tribünen zu sehen waren.
Laut Aulas habe es für die Zuschauer gar keine andere Möglichkeit gegeben, als auf den Rasen zu flüchten. "Die Feuerwerkskörper sind direkt über ihren Köpfen explodiert", sagte der 68-Jährige.

Anschließend gingen französische Hooligans auf die Türken los. Die Folge war reinstes Durcheinander, das nur schwer wieder in den Griff zu bekommen war. Die türkische Tageszeitung "Yeni Safak" berichtete anschließend: "Lyons Hooligans haben Kinder angegriffen." Sabah, eine ebenfalls regierungstreue Website, schrieb: "Die Hooligans haben türkische Fans attackiert, darunter Frauen und Kinder. Besiktas' Fans haben darauf geantwortet."

Sicherheitskräfte zu zögerlich

"Ich habe so etwas in meinen 30 Jahren hier noch nie erlebt", sagte Aulas, nachdem es schon außerhalb des Stadions zu Krawallen gekommen war. Im Nachgang wurde den insgesamt etwa 1000 Sicherheitskräften Versagen vorgeworfen. Es sei viel zu zögerlich gegen die Randalierer vorgegangen worden, hieß es. Zudem waren viel mehr türkische Unterstützer in der Arena als erwartet, Schätzungen belaufen sich auf 15.000 bis 20.000. "Es hat Probleme in der Organisation gegeben", gab Aulas zu. Die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" schrieb: "Jenseits des Chaos. Heftige Zwischenfälle zwischen den Fans. Die Rückkehr der Angst und der Abscheu."

Insgesamt wurden zwölf Fans aus beiden Lagern festgenommen, Aulas berichtete von "zahlreichen Verletzten". Viele seien jedoch zunächst "zu stolz gewesen", sich im Krankenhaus behandeln zu lassen, und verfolgten stattdessen teilweise blutbefleckt die Begegnung. In der sah Besiktas dank der Führung durch Ryan Babel (15.) lange Zeit wie der Sieger aus, ehe Corentin Tolisso (83.) und Jeremy Morel (85.) noch für die Wende sorgten.

Quelle: n-tv.de