Fußball

Mainz spielt "zu billig" Kruse führt Union nah an die Perfektion

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Unumstrittener Anführer: ax Kruse.

(Foto: imago images/Contrast)

Max Kruses merklicher Fitness-Aufschwung steht exemplarisch für den Stimmungswandel bei Union Berlin. Beim mit vier Toren abgewatschten Kontrahenten aus Mainz ist die Atmosphäre total konträr. Interimscoach Lichte will Gegnern endlich wieder Stress machen.

Als sich seine Kollegen noch von den Fans auf ihrer Ehrenrunde feiern ließen, war Max Kruse schon wieder in zivil unterwegs. In schwarzer Hose und einem schwarzen Sweatshirt machte sich der neue Anführer des 1. FC Union Berlin im Stadion an der Alten Försterei gleich auf den Weg zum Siegerinterview. Was der 32-Jährige nach dem 4:0 (1:0) in der Fußball-Bundesliga gegen den FSV Mainz 05 im TV zu sagen hatte, musste Gegner-Trainer Jan-Moritz Lichte bitter aufstoßen.

Union Berlin - FSV Mainz 05 4:0 (1:0)

Tore: 1:0 Kruse (13.), 2:0 Ingvartsen (49.), 3:0 Friedrich (63.), 4:0 Pohjanpalo (64.)
Union: Luthe - Friedrich, Knoche, Schlotterbeck  - Trimmel (69. Ryerson), Prömel, Andrich (82. Griesbeck), Lenz -  Becker (64. Bülter), Ingvartsen (82. Endo) - Kruse (64. Pohjanpalo); Trainer: Fischer.
Mainz: Zentner - Mwene (71. Martin), St. Juste, Alexander Hack,  Brosinski - Latza, Kunde Malong (60. Nebel) - Boetius - Onisiwo,  Mateta (60. Burkardt), Quaison (71. Kilian); Trainer: Lichte.
Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel)
Zuschauer: 4400

"Ich glaube, man hat gesehen, dass ich ein bisschen weiter bin als letzte Woche. Aber, dass das nicht 100 Prozent das ist, was ich spielen kann, ist auch klar. Das weiß ich auch selber, dass ich mich noch verbessern kann", sagte Kruse nach seinem geglücktem Startdebüt für die Eisernen am Freitag inklusive Premierentor. "Es ist ein geiles Gefühl in der Bundesliga zu treffen, das brauche ich ja keinem erzählen, das war ja schon immer so." Ob es ein perfektes Spiel der Unioner gewesen sei, das wusste Kruse indes nicht. "Das werden wir sehen, der Trainer hat bestimmt noch ein paar Sachen. Aber wenn man 4:0 zu Hause gewinnt, ist es definitiv ein sehr gutes Spiel", erklärte der Stürmer, der abgesehen von seinem Tor eine weitere Großchance vergab, ansonsten aber vor allem als lautstarker Antreiber denn als Ideengeber auf dem Platz auffiel.

Nicht "seelenlos", aber ...

Kruse hatte nach seiner langen Verletzungspause diesmal Kraft für gut 60 Minuten, und die reichten, um die Mainzer im totalen Krisenmodus verharren zu lassen. Als "seelenlos" wollte Lichte den Auftritt seines Teams beim Debüt als Interimscoach zwar nicht bezeichnen. Aber da so viele Dinge nicht funktionieren, sei "das Selbstvertrauen ganz schnell im Keller" gewesen, konstatierte der 40-Jährige. Torwart Robin Zentner war indes maximal bedient: "In den entscheidenden Momenten sahen wir einfach schlecht aus. Wir haben auch viele Aktionen gut verteidigt, aber sehr viele auch nicht. Wir haben den Berlinern zu viel Platz gelassen, dass sie wirklich einfache Tore schießen konnten. Das ist einfach zu billig."

Mit null Punkten und vielen Problemen geht Mainz nach dem Führungschaos um Ex-Coach Achim Beierlorzer in die Länderspielpause. Lichte will an der "Körperlichkeit" arbeiten. Seine Spieler müssten dem Gegner wieder "Stress machen" können. So wie Kruse bei Union. Dessen Trainer Urs Fischer war für seine bedächtigen Schweizer Verhältnisse fast schon euphorisch nach dem höchsten Sieg in der jungen Bundesliga-Historie der Berliner. "Wenn du 4:0 gewonnen hast, darfst du auch mal zufrieden sein", sagte der 54-Jährige. Um wenig später gleich wieder zu relativieren. "Es war ein wichtiger Sieg, aber es gilt schön auf dem Boden zu bleiben."

Mit vier Punkten liegt Union total im Soll und wahrscheinlich in der Länderspielpause vor Lokalrivale Hertha BSC. Die verbesserten Personalperspektiven sorgen für zusätzlich verlockende Aussichten. Marcus Ingvartsen, Marvin Friedrich und Joel Pohjanpalo mit seinem Premierentor nur Sekunden nach seiner Einwechslung schraubten das Ergebnis nach Kruses Führungstor in die Höhe. Alle bisherigen sechs Saisontore der Eisernen wurden von unterschiedlichen Torschützen erzielt. Dabei hatte Fischer noch kürzlich geklagt, keinen richtigen Stürmer im Aufgebot zu haben.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid